S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Lösen Sie sich einfach auf

Hin und wieder entschließt sich die Regierung der USA zum Handeln und will nun Hilfe nach Nigeria schicken. Dort gibt es Leute, die Probleme mit Bleichmittel zu lösen versuchen.

Eine Kolumne von


S.P.O.N. - Die Kolumnisten
Liebe Leser,
die Kolumnentage haben sich geändert. Es gilt künftig folgende Reihenfolge:

Montag: Wolfgang Münchau - Die Spur des Geldes
Dienstag: Jan Fleischhauer - Der Schwarze Kanal
Mittwoch: Sascha Lobo - Die Mensch-Maschine
Donnerstag: Jakob Augstein - Im Zweifel links
Freitag: Georg Diez - Der Kritiker
Samstag: Sibylle Berg - Fragen Sie Frau Sibylle
Hatten Sie auch so eine lehrreiche Woche? Oft dümpelt der Mensch mit seinem Gehirn so vor sich hin, aufgehoben in der Verrichtung von Routine, wie ein kleiner süßer Apparat. Und denkt sich - nichts. Bis zu dem Tag, an dem neue, interessante Informationen auf das Hirn niedergehen, dass es nur so Funken schlägt. Ich habe diese Woche zum ersten Mal von Herrn Humble gelesen, der auf die vollkommen geniale Idee kam, Menschen Bleichmittel zum Trinken zu geben. Eine Weile mag er gegrübelt haben, mit welcher Begründung er den Eierköppen da draußen das Zeug schönreden könnte. Der wahre Grund - ich kann euch alle nicht ausstehen und möchte euch irgendwie weg haben - schien ihm kein überzeugendes Verkaufsargument.

Also beschied der rüstige Greis: Dieses Mittel hilft gegen alles.

Im Zweifel auch und vor allem gegen das Leben. Seitdem studiere ich an einer Verkaufsstrategie für Unkrautvertilgungsmittel. Der Slogan könnte sein: "Lösen Sie sich einfach auf." Während ich meine Kampagne entwickle und meiner Routine nachhänge, die aus dem Lernen kybernetischer Formeln und Schachspielen besteht, erfahre ich, dass es am Ende doch nur die Regierung der USA ist, die sich hin und wieder zum Handeln entschließt.

Während die westliche Welt den Konflikt in der Ukraine im Netz diskutiert, sind die von Idioten entführten Mädchen in Nigeria immer noch entführt. Neue Opfer sind dazugekommen, aber wie alle Aktionen abartiger Dumpfköpfe, die sich gegen Frauen wenden - Zwangsverheiratung von Kindern, Vergewaltigung, Verstümmelung -, ist das kein brennendes Thema. Für keinen.

Nun hat sich also der von uns überlegeneren Europäern nicht gemochte Barack Obama entschlossen, Hilfe nach Nigeria zu entsenden. Lange genug hat es gedauert, aber auch jetzt bin ich sicher, dass irgendwelchen Spacken ein Grund gegen sein Eingreifen einfallen wird. Gibt es Öl in Nigeria?

Der Unterschied zwischen europäischen und afrikanischen Babys

Und ehe wir jetzt wieder alle Kriegsverbrechen der US-Regierung aufzählen, wenden wir uns dem nächsten Fakt zu, von dem ich diese Woche in irgendeiner Fernsehsendung erfuhr: Europäische Kinder, also wenn sie nicht von ihren Eltern totgeschlagen werden, lächeln eher als Kinder in vielen Gebieten Afrikas. Einfach weil ihre Eltern sie eher ansehen im Kinderwagen, beim Tragen, oder was man sonst mit Babys macht.

Während die afrikanischen Kinder zwar ständig am Körper, aber gesichtsabgewandt transportiert werden. Die Vergleichskinder in Europa begreifen sich sehr viel schneller als Individuum, was ja, wie wir wissen, auch nicht weiterhilft. Die afrikanischen Babys sind ruhiger, verstehen sich viel länger als Teil einer Gemeinschaft. Und nun versuche ich in wilden Schlussfolgerungen all das Gelernte dieser Woche zu einem für die Welt gültigen Satz zu formen.

Er sollte die Beantwortung der Frage, warum man in Deutschland Diven nicht mag und warum es hier so viel Neid gibt wie an wenig anderen mir bekannten Orten, beinhalten. Ich wollte das Ganze mit Chlorbleiche untermauern und mit dem Segen der Individualität, der auch keinem weiterhilft. Denn auch wenn man sich für den Nabel der Welt hält, muss man erst noch ein paar Milliarden andere finden, die das ähnlich sehen. Aber dazu nächste Woche.

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
balmy_matrix 11.05.2014
1.
boko haram kennt kein Geschlecht bei ihrem Kreuzzug gegen Bildung. im Februar wurden 60 männliche schulkinder erschossen, lebendig verbrannt oder Zungen abgeschnitten worden. niemanden hat es interessiert. im Anbetracht der aktuellen medien- und öffentlichen teilnahme an der Entführung, frage ich mich, wie sie dazu kommen niemand würde sich für das Schicksal der afrikanischen schulmädchen interessieren. im Gegenteil, die toten Jungs haben keine hashtags bekommen. sie sind Opfer zweiter Klasse, obwohl sie ihr Leben verloren haben. über diese doppelmoral könnte man eine Kolumne schreiben, wenn man denn den Mut hätte....
gleis_1 11.05.2014
2. danke frau berg
für ihren, wie immer geistreichen beitrag der bereicherung. sollten die usa wirklich eingreifen, was ich ausdrücklich begrüße, würde ich mich ausnahmensweise mal über obama freuen. aber wahrscheinlich passiert nichts. man wundert sich eh immer, warum es nicht möglich ist, mit einer art schnellen eingreiftruppe, solche kranken banden wie boko haram, einfach auszuschalten.
DenkZweiMalNach 11.05.2014
3. Bitte Ursache beim Namen nennen
Es ist kein Zufall, dass im 21. Jahrhundert militante Muslime Mädchen entführen. Einerseits rechtfertigt der Islam die Tat (christliche Mädchen werden auch in Ägypten entführt) und andererseits haben westliche Grossmächte immer weggesehen. Weil der konservative Islam eben auch hierarchisch denkt, so wie sich die USA die Welt wünschen. Bitte Frau Berg, dass die USA nun eine Propagandaaktion starten, weil das leidige Thema nicht aus den Medien gehalten werden kann, das nehmen Sie hoffentlich nicht allzu ernst.
verhetzungsschutz 11.05.2014
4. En passant
Zitat von sysopHin und wieder entschließt sich die Regierung der USA zum Handeln und will nun Hilfe nach Nigeria schicken. Dort gibt es Leúte, die Probleme mit Bleichmittel zu lösen versuchen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-in-ihrer-kolumne-ueber-nigeria-bleichmittel-und-afrika-a-968248.html
Liebe Frau Berg, nach längeren fiktiven Missionsreisen Jenseits von Afrika zieht es mich dann doch immer wieder mal für ein paar Tage in den Heimatfilm der weißen Riesen, nach Deutschland, zurück. Letztens sah ich auf der Straße, wo ich mir die dringendsten Dinge der Woche besorgte, eine junge Mutter samt Kinderwagen. Das weiße Baby darin hatte das unglaubliche Glück nicht nur auf das Antlitz seiner Erschafferin fixiert zu sein, sondern sah auch noch direkt in das gleißend rote Licht einer superhellen LED-Beleuchtung am Kinderwagen. Wahrscheinlich aus gut überlegten Sicherheitsgründen! Und als ich, als Fremder, das junge Mutterglück auf den Umstand der Erleuchtung ansprach, was glauben Sie, welch erfreuten Blick angesichts meiner Heldenhaftigkeit ich erntete? Nein, Sie fiel nicht etwa auf die Knie vor mir wie es bei einer amerikanischen Lichtgestalt aus dem weißen Haus sicherlich der Fall gewesen wäre. Sie blickte, wie durch einen nabelschlauchartigen Tunnel einfach durch mich hindurch, offenbar auf etwas Größeres. Vielleicht dachte sie sich einfach: hey, scher dich zum Teufel. Aber, und das wollte ich Sie fragen, Frau Berg, was sollte ich wohl beim Teufel? In seinem weißen Haus?
ruzoe 11.05.2014
5. Ist doch komisch...
was bei Osama Bin Laden in simpler Handarbeit geklappt hat, sollte doch auch bei diesen durchgeknallten Islamterroristen hinhauen. Einfach einen Trupp bestens gerüsteter Ex-Vietnam/Irak/Iran/Afghanistan-Söldner aus allen Heeren der Welt mit lukrativen Bedingungen ködern...und der Spuk wäre beseitigt!
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