S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Der Geruch des Irrsinns

Irgendwann werden sogar Vollpfosten sich daran gewöhnt haben, dass es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Dann wäre man einfach Mensch - und nicht mehr Teil verfeindeter Lager.

Eine Kolumne von


Keine Ahnung, wie man es richtig macht. Mit den Frauen und den Männern, dem dritten Geschlecht. Und ratlos werde ich, wenn jemand infrage stellt, dass die beste aller Welten die wäre, in der jeder sein kann, wie er will, es keine Hierarchien des Geschlechts gäbe, keine Diskriminierung und all die Wörter, die uns so zum Hals raushängen. Weil dahinter immer der Kampf steht. Und Aggression, die Gegenaggression hervorruft und so weiter.

Im Moment scheint es, als bewegten sich die Männer und die Frauen nicht vom Fleck. Bis hierher und nicht weiter. Keiner nimmt sich die Stunde Zeit, die es benötigte, um sich vorzustellen, er wäre eine Frau, wenn er zum Beispiel ein, sagen wir, Mann ist. Es wäre eine Stunde, in der er alles einmal durchspielen könnte: die Angst in der Nacht, die blöden Sprüche, die ständigen Diskussionen, wie eine Frau sich zu verhalten habe. Ob sie zu dick oder zu dünn ist und in welcher Form ein Kind herzustellen sei, und warum gibt es eigentlich keinen weiblichen Shakespeare? All dieser kurzgedachte Scheiß, den er nach einer Stunde psychischen Genderchanges beantworten könnte.

Frauen stellen sich allerdings auch nicht vor, wie es ist, ein Mann zu sein. Ein Mann mit Macht natürlich. Irgendwelche Männer haben Macht, die meisten aber nicht. Die haben Angst. Davor, alles falsch zu machen, vor Frauen, vor den Kollegen. Angst vor dem Versagen, vor dem Infarkt, vor Verantwortung und Krebs.

In der Welt der Zukunft gäbe es all diese ermüdenden Zuweisungen und den Hass nicht mehr, dann wäre man eben einfach ein Mensch. Und mehr oder weniger klug, bekloppt oder genial. Unabhängig davon, ob man sich gerne Röcke anzieht oder Bärte wachsen lässt.

Die Zahl der Männer, die sich heute als Feministen bezeichnen, was vermutlich nur meint, dass sie eine gerechte Welt wollen, wächst. Frauen, die Verständnis für Männer als normale Mitleidende in diesem enttäuschend kurzen Leben aufbringen, gibt es nicht sehr viele. Und wenn, dann haftet ihnen der Geruch des Irrsinns an. Der Trend im Moment geht also immer noch in Richtung Kampf. Gruppenbildung. Zum Beispiel Frauengruppen. In der "FAZ" gibt es ein Blog, in dem nur Frauen schreiben.

Auf den ersten Blick wirkt das Blog so wie Frauenhefte. Blogs, etwa auch der Mamablog, der Väter aus dem Titel ausschließt sowie Mädchenblogs wirken ein wenig wie: Wir sind nur Frauen, darum treten wir im Rudel auf, damit wir nicht erschossen werden.

Ich habe den Gedanken aber nicht zu Ende gebracht, ich muss gerade ein wenig Zehnkampf machen. Ist der Weg zu einer besseren Welt nur möglich, wenn sich Frauen in männerfreien Zonen bewegen? Sicher brauchen wir eine Frauenquote bis sich die Welt daran gewöhnt hat, dass es mindestens zwei gleichwertige Geschlechter gibt.

Ich finde es auch amüsant, dass Firmen, die Wert darauf legen absolut politisch korrekt zu sein, jetzt wie verrückt nach Mitarbeiterinnen suchen. Huch, wir brauchen noch ein paar Gliedlose. Und irgendwann wird der Krampf dazu führen, dass sich sogar Vollpfosten daran gewöhnt haben, dass es kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Bis dahin ist es vermutlich auch wichtig, dass Frauen sich zusammenschließen, wie Männer es ohne darüber nachzudenken schon immer getan haben. Ich möchte nur vorsichtig bemerken, dass irgendwann Frauen und Männer zusammen kämpfen sollten. Und zwar gegen Idioten, Rassisten, Sexisten, Nazis und all den anderen Mist, der die Welt zu einem unerfreulichen Ort werden lassen könnte.

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insgesamt 283 Beiträge
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Seite 1
prof-pfeffer-junior 31.05.2014
1. optional
In der Welt der Schriftstellerix und Kolumnistex sind die Geschlechterunterschiede vielleicht schon so verwischt, dass der Weg zu dieser Vision nicht mehr allzu weit ist. Allerdings, uuh,wie langweilig, wenn Geschlechterunterschiede verwischen...alle sind nur noch Humankapital...Identitäten zu nivellieren ist aus meiner Sicht nicht mit dem Menschenrechtsgedanken vereinbar!
malte.b 31.05.2014
2. Nebenwirkung
Ein bisschen bedauerlich nur, dass parallel zu der medial und politisch geförderten Idee einer geschlechterlosen Gesellschaft die Geburtenrate kontinuierlich weiter gegen Null tendiert. Zufall ?
effex 31.05.2014
3. als Mann
applaudiere ich aus voller Lunge! Es ist ein langer Weg, aber im Interesse von uns allen: Kampf der Intoleranz, an allen Fronten. Gute Kolumne! Danke!
Dirk Ahlbrecht 31.05.2014
4. ...
Zitat von sysopIrgendwann werden sogar Vollpfosten sich daran gewöhnt haben, dass es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Dann wäre man einfach Mensch - und nicht mehr Teil verfeindeter Lager. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-kolumne-ueber-geschlechter-und-diskriminierung-a-971006.html
Wer es nötig hat, Frau Berg, schon im ersten Satz mit dem Begriff "Vollpfosten" herumzufuchteln, dem mangelt es ganz offensichtlich an Argumenten. Wie wäre es hingegen, Frau Berg, Sie bringen mal ein Argument, meinetwegen auch nur eines, das Ihre These stützt? Denn auch Sie wissen natürlich, daß Behauptungen keine Argumente sind. Daher ja auch der "Vollpfosten" oder auch die Verwendung von "uns". Wie wäre es hingegen ehrlicherweise mit Ich statt uns, Frau Berg? Das, was Sie uns hier als etwas tolles, in diesem Fall "einfach Mensch" zu sein, verkaufen wollen, führt geradewegs zum Niedergang einer Bevölkerung, die sich bis vor kurzem noch unter dem Begriff "Deutsche" zu subsumieren pflegte. Wobei hier korrekterweise vom Niedergang des Mannes gesprochen werden muss. Denn die Frauen werden sich diesbezüglich zu helfen wissen. Denn wenn ein Mann nicht mehr Mann ist, Frau Berg, sondern nur noch "einfach Mensch", dann hat es sich für uns deutsche Männer erledigt in Sachen Wettbewerb um die besten Möglichkeiten der Fortpflanzung. Denn keine Frau, zumindest nicht die, die noch bei Verstand sind, will daheim auf dem Sofa eine Type herumsitzen haben, die sich unter "einfach Mensch" zusammenfassen lässt. Frau schauen dann, und dies nennt sich Evolution, Frau Berg, einfach woanders nach einem Mann. Und der "einfach Mensch" fummelt weiter an seiner Playstation herum bzw. schaut sich Pornos im Internet an.
taglöhner 31.05.2014
5. Frauenversteher
Vor dem Hintergrund dessen, was z.B. in Indien und Arabien so los ist, wirkt "unser" Feminismus anachronistisch und wehleidig. Man wird die Quote erst dann überhaupt erfüllen können, wenn man z.B. die Anforderungen des MINT-Bereiches auf das durchschnittliche Potential von Frauen absenkt und gleichzeitig Männer extrem diskriminiert. Nein, Frau Berg, die historische Dimension Ihrer Utopie läuft, wenn man totalitäre Repression ausschließt, nur über die Evolution. Die Mädels müssten ihre Sexualpartner halt anders auswählen, dann ginge es relativ flott...
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