S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Eine Katze namens Gier

Was bringt uns dazu, Geld, Immobilien und Kunst zu raffen? Vielleicht ist es die reine Gier - möglicherweise aber auch einfach die Angst vor dem Tod.

Eine Kolumne von


Cornelius Gurlitt, mein Archetyp des Grauens. Von Verwahrlosung und Messihaushalt berichteten die Medien, meine Vorstellung legt ein trübes Licht auf den Herren. Der auf seinem zusammenge... - sagen wir bis zur Abklärung aller Tatsachen - -geklaubten Bilderhaufen hockt. Wie Bulemann in seinem vergammelnden Haus, einsam und gebückt und hoffentlich verzweifelt herumtapsend, Leinwände benestelnd. Das passiert, liebe Menschen, wenn ihr das Wissen um euer Ende nicht in etwas Erfreuliches transformieren könnt.

Gier, ihr Deppen, ist obszön und lächerlich. Es wird doch nicht angenehmer, wenn ihr all die zusammengerafften Waren, die Barren, die hinterzogenen Steuern mit in die Kiste nehmt. Merkt ihr das nicht? (Stimme wird laut, schwarze Flügel öffnen sich:) Merkt ihr nicht, wie albern es ist, gegen die Angst anzusammeln? Es hilft doch alles nichts.

Ich weiß, wie es dazu kam. Irgendwann seid ihr aufgewacht und wart nicht mehr jung. Was ja so egal wäre, denn jung sein heißt doch nur ausgeliefert zu sein. Seiner Blödheit, seinen Hormonen, Erziehungsberechtigten und Lehrern, Ausbildern, der Welt - egal. Ihr spürtet so eine Wehmut, nicht wahr? Herzlichen Glückwunsch, die Zeit des Lebens, in der man das Ende riecht, hat begonnen. Jeden Tag überschlagt ihr einmal die Jahre, die euch noch bleiben, wenn nichts dazwischenkommt. Wie viele sind es? 20? Bevor ihr wirklich nicht mehr als gut gehalten durchgeht? 20 Jahre. Eine Unendlichkeit, wenn man unter 30 ist. Mit 50 geht die Rechnung anders.

Das verblödete Kind bekommt den Rest

Der dauernde Herbst, von dem man träumt, das Rasen der Zeit, und immer ist Donnerstag. Das erzeugt eine Panik, nicht wahr? Die Welt wird weiterbestehen, euer Haus, der Park, die Stadt - nur ohne euch. Mit ein wenig Verstand beginnt der Melancholische jetzt zu arbeiten. Die Welt retten, die Memoiren schreiben, ein Kind zeugen. Oh - das vielleicht nicht, seit erwiesen wurde, dass Kinder alter Väter nicht zwingend die besten Chancen auf prächtige Gene haben: Der Idiot beginnt zu raffen. Er hat verstanden, dass er allein ist, ihm keiner helfen wird, es egal ist, ob man so etwas Albernes wie Moral besitzt oder nicht.

Der Mensch sammelt. Geld. In den meisten Fällen. Werte in Form von Immobilien, Firmen oder auch Kunst. Ich sammle Kunst. Klingt ja noch ein bisschen cooler als: Ich sammle Firmen, die bankrott sind. Nachts, wenn es einsam wird, streicht der Sammler mit feuchten Tüchern über seine Schätze. Hoho, es sind jetzt 24 Milliarden. Die werde ich nicht ausgeben können, ich spende lustlos eine Million an irgendwen. Mein verblödetes Kind bekommt vielleicht den Rest, aber erst nach meinem Ableben, das ich mit der Anhäufung des ganzen Mistes um mindestens keinen Tag verzögert habe.

Aus mir spricht kein Neid. Neidisch sind wir ja immer auf die falschen. Ein paar Schauspieler oder Moderatoren, die ein scheinbar tolles Leben haben. Die Gesichter von Gurlitt und Ingvar Kamprad kennt doch keiner. Gier, der kleine Wurmfortsatz der Dummheit, bringt Leute, die über ein Vermögen verfügen, das sie nie werden ausgeben können, dazu, Steuern zu hinterziehen. Um noch ein paar Millionen mehr zu haben, die sie nicht ausgeben können. Bringt sie zum Raffen, Horten, Betrügen, dazu, die Welt aufzukaufen und Gift zu verklappen.

Dieser kleine Text ändert nichts. Die Reflexe des Menschen zu horten werden nicht verschwinden durch ihn, die Gefräßigkeit, die wir alle in uns tragen und die bei einigen degenerierte Züge trägt, wird sich weiter in die Welt fressen, als wäre sie ein Kuchen. Wir können nur auf die Gentechnik hoffen, die in einer Zukunft diesen gehörigen Dachschaden zu verhindern weiß. Wir können nur daran denken, wie sie nachts in Bulemanns Haus liegen, zitternd, wo die Riesenkatzen mit Namen Angst und Gier herumspringen.

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insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
Steuerzahler0815 06.04.2014
1.
Aus ihnen sprichti n der Tat kein Neid sondern primitiver Hass Anders kann ich mir die Hasstiraden ala minderwertige Gene von alten Männern und verblödete Kinder nicht erklären Ich bin zwar nicht reich aber wäre ich es, würde ich mir denken besser mein Kind bekommt das Geld als Leute wie sie!
Leo von Ritterstern 06.04.2014
2. Was hilft?
Wohl wahr... - aber ob ausgerechnet die Genforschung da helfen kann? Ohne die Gier, gäbe es doch gar keine Genforschung, weil sie gar nicht nötig wäre. Henne, Ei? Ei, Henne? Das einzige, was Mensch etten könnte, wäre gennug zu fressen für jedermann + universelles Bewußtsein, ebenfalls für jedermann. Aber wie erzeugen? Wie wollen sie die ganzen Dummköpfe davon weg bekommen, sich mit Torheiten zu befassen?
Jason D. 06.04.2014
3. Der betörende Glanz der Dummheit
ist der Titel eines Buchs von Esther Vilar. Dieser gelungene Beitrag von Frau Berg beschreibt die traurige Ausgefülltheit mit materiellen Dingen auch sehr gut. Beides zu lesen ist eine (traurige) Freude!
claus_debold 06.04.2014
4. Ganz recht, nur noch schlimmer...
ist es, wenn man sich das, auf die ganze Welt bezogen, anschaut! Was ist denn die sogenannte Globalisierung anderes als das Zeichen einer gigantischen Gier? Sind nicht Neid, Intoleranz und Hass die siamesischen Drillinge der Gier? Das leitet die Welt derzeit und viele Menschen sind es müde. Da die Jugend aus Beispielen lernt (wenn überhaupt), sind die Chancen auf Besserung derzeit nicht sehr gross. Gier ist ein seelischer Virus, ein Egokrebs. Es ist der "böse Wind", der und nicht mehr teilen und sorgen lässt für diejenigen, die Hilfe bräuchten. Unsere Abgeordneten stocken ihre Bezüge um ziemlich genau die Summe auf, die viele Rentner an der Armutsgrenze ansiedeln. Ist das nicht auch Gier -aus der Machtgier geboren, es tun zu können? Frau Sybille: Dankeschön.
Gerlinde66 06.04.2014
5. Kleinbürgerliche Denkweise
Doch die Mutter aller Angst- und Gier-Katzen nennt sich kapitalistische Produktions- und Lebensweise. Und wenn diese Art zu produzieren und zu leben immer mehr "degenerierte Züge" annimmt versucht man dieselbe, vielleicht als Akt der Verzweiflung, eben mittels der Gentechnik auszumerzen - typisch kleinbürgerliche Denkweise - immer in der Hoffnung den "Dachschaden" beheben zu können ohne die Katzenmutter wirksam zu sterilisieren.
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