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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Jetzt schnell reich werden!

Eine Kolumne von

Die Weltbevölkerung hat sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt: Mach Kohle! Weil ohne nichts mehr geht. Sich da noch einzureden, dass Geld nicht glücklich macht, ist reine Selbstbetäubung.

Geld. Lassen Sie uns über Geld reden. Der Mann starrt mich aus dem Fernseher mit der Dringlichkeit dessen an, der schon alles verloren hat, und wird uns nun hypnotisieren. Die vier Millionen Arbeitslosen und mich, die wir morgens den Fernseher angeschaltet haben, weil uns kein guter Einstieg einfällt, oder die Trinkhalle noch geschlossen ist. Der Mann, der wirkt, als sei etwas auf ihm verschüttet worden, redet uns ein, mir und den anderen, dass wir unendlich reich werden können, dass wir es schaffen, Reichtum, reich, rrrreich.

Dann ist die Hypnose fertig, und ich merke, dass es gleich losgehen wird, mit dem Reichtum, ich muss nur noch schnell ein wenig, ähm - entspannen. Was für eine seltsame Welt in der Terrorgruppen ihre Namen ändern, vermutlich von einem Marketingstrategen beraten. Wegen der Klage der gleichnamigen Band. Oder weil wir im Westen Isis besser aussprechen konnten, und wer will es den Ungläubigen schon einfach machen.

So, und nun konnten sie live mitverfolgen, warum ich nicht reich bin. Pure Konzentrationsschwäche. So werde ich nie Middelhoff. Mich bei mir entschuldigend, muss ich dazu sagen, ich komme aus einer falschen Zeit. Dem Pleistozän, als es noch darum ging entweder als Angestellter eine behaglich versorgte Kugel zu schieben, oder als Freiberufler in ungeheizten Buden genügsam seinen Visionen nachzugehen, die für den Großteil der Menschen uninteressant waren. Heute hat sich die Weltbevölkerung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Mach irgendwas Einfaches, sing ein blödes Lied, produziere es aufwendig, schreib Mist, aber mit Geschlechtsverkehr, mach TV-Shows mit Peinlichkeiten, mach Kohle.

Jetzt schnell Bam! Reich werden. Nicht weil heute alle einfältiger wären als früher - ich glaube, die mangelnde Intelligenz begleitet den Menschen durch alle Jahrtausende -, sondern weil es ohne Geld nicht mehr geht. Kein Wohnraum, keine Ateliers und Probenräume, keine gute Laune, nichts zu essen, man kommt ohne Geld oder mit sehr wenig nicht mehr durch. Die Klügeren haben begriffen, dass es für einen richtigen Reichtum, der beginnt laut einer Oligarchen-Gattin ab zehn Millionen, nicht langen wird.

Sie schreiben Leserbriefe. Der Rest betäubt sich, und redet sich ein, dass Geld nicht glücklich macht. Und dass man in einer Höhle in Gozo sehr happy sein kann. Aber es gibt keine bezahlbaren Höhlen mehr. Blöde Zeit. Denn wenn man alles, was man tut, unter der Vorgabe, dass es Geld einbringen muss, bewertet, dann bleibt kaum Luft nach unten. Viel Geld bedeutet immer massenkompatibel. Massenkompatibel bedeutet immer: Spitzen nach oben oder unten müssen abgesägt werden.

Das ist, liebe Kameraden und Kameradinnen, die Vorstufe zu einer neuen Gesellschaftsform, die entweder im Erdreich stattfinden wird, oder etwas neues Intelligentes meint. Optimisten reden von der Generation des Tauschhandels, des gemeinsamen Kulturguts und Autos, des Wohnungs- und Lebensraum-Teilens. Vielleicht werden wir es erleben. Vielleicht kommt etwas dazwischen, ich werde Ihnen an dieser Stelle mehr davon berichten, in meinem nonchalanten, massenkompatiblen Ton.

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Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle
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insgesamt 86 Beiträge
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1. Liebe Frau Sybille
riegsee 04.10.2014
was wollen Sie uns sagen? Sie hocken schlecht gelaunt am Frühstücksfernsehen und teilen uns Ihren Frust mit.
2. Meschugge...
robert.c.jesse 04.10.2014
Lieber Kommentator "riegsee". Sie sitzen vor ihrem Computer, sind alleine und haben niemanden an dem Sie ihren Frust ablassen können. Es gibt neben SPON noch andere Seiten, die ihnen vielleicht ein wenig über die Runden helfen...
3. Assoziativ
ralf.oberle 04.10.2014
Geld macht glücklich beruhigt die Seele und fördert die Lebensfreude. Es gibt für mich nichts was mich freier und froher macht. Wer nix hat, hat dafür den Glauben, das Geld nicht glücklich macht. So passt das dann wieder. Jeder kann völlig euphemistische Dinge tun, sich gegen den Kommerz stellen und seine Einzigartigkeit sich damit beweisen. Wer will nicht Lotto gewinnen und ein Star sein?
4. Schade...
Seraphan 04.10.2014
... im Ansatz steckengeblieben. Allerdings hätte ein Fortführen auch zu nichts geführt. Eine müßige Diskussion - entweder fügt man sich, oder man akzeptiert, nicht so reich wie die Reichen zu sein - und somit ein müßiger Artikel.
5. Von nix kommt nix
Manukun 04.10.2014
Wer so dünne Bretter bohrt, braucht sich nicht zu wundern, dass er/sie nicht reich ist.
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