S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle All die unerwünschten Penisse

Sexuelle Unhöflichkeit zwingt mich zu einem Handeln, das ich nicht möchte. Ich will nicht laut werden, nicht unhöflich, nicht grob, und ich hasse Menschen, die mich dazu nötigen. Aber immerhin weiß ich: Ich bin nicht das Problem.

Eine Kolumne von

Videoclip "Ten Hours of Walking in NYC as a Woman": Ein Dokument des alltäglichen Sexismus
youtube / Street HarassmentVideo/ robblisscreative.com

Videoclip "Ten Hours of Walking in NYC as a Woman": Ein Dokument des alltäglichen Sexismus


Diese Woche war der Tag gegen Gewalt an Frauen. Flüchtig könnte man sich fragen: WTF? Sollen weltweit Prügler, Choleriker, Honks an diesem Tag innehalten, in ihre Mitte atmen, den Kopf schütteln und denken: Was mache ich da eigentlich? Was bin ich für ein frustriertes kleines Arschloch, dass ich einen Menschen schlage, egal welchen Geschlechts?

Menschen schlagen Männer, Frauen, Kinder, sie hauen auf alles, was sich bewegt, sie quälen Tiere, essen Hirne aus noch zuckenden Affen, warum sollen also ausgerechnet Frauen nicht Opfer von Gewalt werden. Aber: Wir können alle weiter von einer Welt träumen, in der das Schlagen von Lebewesen definitiv als das gilt, was es ist: das klare Zeichen, verblödet zu sein.

Doch bis das Paradies fertiggebaut ist, hilft jede Öffentlichkeit, jede Thematisierung von Ungerechtigkeit vor allem den Betroffenen. Kinder können lernen, dass sie nicht allein sind, wenn sie sich von Erwachsenen sexuell belästigt sehen, Frauen wissen, dass es nicht an ihnen liegt, wenn ihnen Übergriffe widerfahren, Männer können sehen, dass andere Männer auch von Gewalt betroffen sind. Im Netz vor einigen Wochen dieser Film:

Dito. Er dient vor allem dazu zu begreifen: Ich bin nicht das Problem. Wenn ich an all die Strände denke, von denen ich geflohen bin oder die ich gemieden habe, weil sich um mich in einem zu nahen Abstand starrende Männer platzierten, an all die Badestellen an Flüssen, die ich nicht mehr aufsuchte, weil garantiert onanierende Männer zu erwarten waren, ähm standen, an Urlaube, in denen ich alle zehn Meter angesprochen wurde, an all die Penisse, die mir unaufgefordert gezeigt wurden - legte man sie aneinander, sie würden Fußballstadien umreißen.

Keiner der Anbaggerer, Huper, Anquatscher, Pimmelzeiger wurde von mir eingeladen oder aufgefordert, keiner wusste, ob ich mich überhaupt für Männer oder Menschen interessiere, es ist kein freundschaftlich menschliches Kontaktaufnehmen, sondern ein Checken, ein Testen von Möglichkeiten, es ist verdammt noch mal eine Unhöflichkeit, mit seinem Genital in der Hand zu winken, wenn man die oder den Betreffenden nicht so gut kennt, dass man weiß, dass es ihn oder sie erfreut.

Sexuelle Unhöflichkeit zwingt mich zu einem Handeln, das ich nicht möchte. Ich will nicht laut werden, nicht unhöflich, nicht grob, und ich hasse Menschen, die mich dazu nötigen.

Früher dachte ich, wie viele, es läge an mir. Ich wäre zu wenig aggressiv, würde zu wenig schreien, wäre zu wenig furchteinflößend, zu unklar, zu verwischt in der Aussage, zu wenig ernsthaft, zu bla. Heute, dank des wunderbaren kleinen Internets weiß ich: Nicht ich bin zwingend falsch, sondern der Teil der Menschen, der eben nicht nett ist, sondern aus Idioten slash Idiotinnen besteht. So viel PC muss sein.

Solange die Weltbevölkerung nicht durch einen erfreulichen Evolutionsschub zu höflichen, gleichberechtigten Wesen geworden ist, hilft es nur, sich klarzumachen, dass man nicht der Fehler ist, sondern die Welt. Aus der ich mich nun verabschiede, um ein wenig Ziegelsteine mit der Handkante zu zertrümmern.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 193 Beiträge
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Seite 1
noonecares 29.11.2014
1.
Tut mir leid, aber ich finde dieses Autorin unmöglich. Die Themen, die sie thematisiert mögen ja manchmal gut sein aber mit dieser Ausdrucksweise und mit diesen komischen Erklärungsversuchen, warum sie so denkt, kann ich überhaupt nichts anfangen. Ich wüsste auch gern, warum diese Frau noch Kolumnen schreiben darf, das Niveau von spon sinkt dadurch stetig!
marthaimschnee 29.11.2014
2.
Dazu fällt mir spontan ein: Wenn ich mich hier in dem, was aus historischen Gründen "Mitteldeutschland" genannt wird, auf's Fahrrad setze und eine geschlagene Stunde umherradle, treffe ich maximal 5 Personen, von denen sich noch nie jemand derart daneben benommen hat. Wenn ich direkt in die nächste Stadt fahren, steigt die Zahl unweigerlich und wenngleich ich keine derartigen Erlebnisse aufweisen kann, angepöbelt wird man schon mal, sei es, weil man sich an einem Fußgänger vorbei traut, ohne ihn anzuklingeln, oder sei es, weil man klingelt. Das führt zu der Erkenntnis, daß mit der Zahl Menschen um einen herum die Wahrscheinlichkeit rapide ansteigt, daß Idioten darunter sind. Daher haben Sie zwei Möglichkeiten: 1. meiden sie die Zivilisation 2. beginnen sie, die Zivilisation zu beseitigen Klingt beides zu extrem? Mal sehen wie lange noch!
felisconcolor 29.11.2014
3. Ach Sybille
mittlerweile ist doch klar das dieses Video nur virales Marketing ist. Und klar ist auch es gibt Männer die sind mit dem D-Zug durch die Kinderstube gerauscht. Und klar ist auch für mich als Mann es gibt genau soviele Mädelz die kriegen auch nicht den Mund auf für einen guten Morgen. Vielleicht sollten Sie es mal mit einem Lächeln versuchen. smile and the world smiles at you. Ich fahre ziemlich gut damit, als Mann
crazy_swayze 29.11.2014
4.
Ja Frau Berg, es gibt sehr viele Neandertaler auf der Welt. Ich weigere mich jedoch, die als sexistisches Gesellschaftsproblem anzusehen, wie es viele Feministen gerne tun. Denn ich als Mann fühle mich auch belästigt von diesen Gorillas in Menschengestalt, wenn auch nicht sexuell. Man sollte hier die Männer nicht in Sippenhaft nehmen. Danke.
jan_k 29.11.2014
5.
Ich kann nicht glauben, dass ich den Artikel bis zum Ende gelesen hab. Ich hab gedacht vielleicht kommt irgendwann noch ein Stilwechsel und tatsächlicher Inhalt. Wieso wird dieser Autorin über spon auch noch eine Plattform gegeben?
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