S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Frau Dr. Gebärfreude

Eine Frau, die nicht Mutter sein will? Undenkbar. Zumindest in der Welt unserer Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder, die sich schlicht nicht vorstellen kann, dass andere Menschen andere Lebensentwürfe haben als sie selbst. Das macht sie leider ungeeignet für ihren Job.

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"Ich glaube, dass nur die wenigsten Menschen gewollt kinderlos sind in dem Sinne (...) dass sie mit 18 sagen: 'Ich will niemals Kinder' und mit 45 sagen: 'Gut, dass es so gekommen ist'."

Das schreibt unsere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (kurz: Abteilung für Betreuungsintensive), Frau Dr. Kristina Schröder am 14. Februar 2012 in ihrem Twitter-Account. Ihr Baby war zu jenem Zeitpunkt schon einige Monate auf der Welt, aber vermutlich vernebelte die hormonelle Verzückung den Geist der Ministerin noch im Februar.

Denn es gibt auch viele Dinge, die ich mir nicht vorstellen kann. Das Universum. Oder die künstliche Herstellung schwarzer Löcher. Mein Gehirn ist einfach nicht in der Lage, sich eine verdammte Unendlichkeit mit Löchern darin vorzustellen. Und dennoch würde ich nicht sagen: Ich glaube nicht, dass ein Universum existiert.

Vielleicht beginnt man an dem Punkt, wo der Verstand endet, als Mitglied der evangelischen Kirche wie Frau Schröder es ist, eben zu glauben. Das wäre alles kein Problem, würde die geborene Frau Köhler in einer Universitätsbücherei arbeiten. Doch sie ist Ministerin für Randgruppen. Ein Posten, der sehr viel Elan, Kraft und kluge Weitsicht verlangt. Und eine gewaltige Konzentration. Vielleicht, wage ich zu nörgeln, auch nicht die richtige Zeit zu gebären, kaum hat man diesen Posten inne. Man könnte ja erst einmal die Welt retten, wenn man einen so hübschen Posten innehat. In einer richtigen Welt würde Frau Schröder davon ausgehen, dass es unglaublich viele Menschen gibt, deren Lebensentwürfe sich von dem eigenen unterscheiden. Ja, dass es sogar Frauen gibt, die keinen Fortpflanzungswunsch oder die keine Lust haben, ein Kind auf die Erde zu stellen. Vielleicht gar eine Tochter, die bei ihrer Eheschließung den Namen ihres Gatten annimmt.

Es gibt Frauen, die Kinder mögen, aber lieber etwas anderes machen, als sie aufzuziehen. Ich kenne viele Frauen, deren Hormonspiegel nicht nach Vermehrung verlangt, oder die sich die Frage nach einem Kind einfach ebenso wenig stellen wie sie erwägen, sich einen Panzer anzuschaffen oder nach Island auszuwandern. Man muss nicht gebären, kann es aber.

Das ist ja das Wunderbare an unserer völlig und komplett erreichten Gleichberechtigung. Man fragt Frauen, wenn man bei Troste ist, heute nicht mehr nach ihrem Nachwuchs. Frau Schröders Kind wackelt glücklich auf der Erde herum, sie ist eine gute Frau und Mutter und könnte nun ein paar Bücher von Germaine Greer lesen. Und im Anschluss einige Frauen außerhalb ihrer Kirchengruppe kennenlernen. Vielleicht redet Frau Schröder auch einmal mit der Kanzlerin, in Klammern kinderlos, über ihr Problem, und wenn das alles nicht hilft, kann man ein Amt auch niederlegen. Ist kein Problem. Besonders, wenn zu Hause eine Familie auf einen wartet, um die man sich hingebungsvoll kümmern kann. Ihr Ministerium, für dessen Umbenennung in Amt für Gleichberechtigung aller ich plädiere, braucht einen Menschen, der kämpfen will und es auch kann. Es braucht jemanden, der keine Angst hat, sich unbeliebt zu machen. Kurz - eigentlich braucht es mich.

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insgesamt 267 Beiträge
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Seite 1
RogerRabit1962 26.05.2012
1.
Zitat von sysopEine Frau, die nicht Mutter sein will? Undenkbar. Zumindest in der Welt unserer Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder, die sich schlicht nicht vorstellen kann, dass andere Menschen andere Lebensentwürfe haben als sie selbst. Das macht sie leider ungeeignet für ihren Job. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,834815,00.html
Spricht da der Neid der Besitzlosen aus Ihren Zeilen? Es gibt nichts wichtigeres und schönes als Kinder in dieser Welt. Solange nicht sich unsere ganze Welt wieder um diesen Punkt dreht, verlieren wir die Zukunft. Gott sei Dank ist in unserer Gegend fast jede Frau schwanger und schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Scheinbar sind die Werte Familie und Kinder wieder deutlich am steigen. Isolieren Sie sich in Ihrer Grossstadt-, Talkshow-, Teilzeitbeziehungs-, Kinderlosen- Anorexischen Welt, Frau Berg. Hier geniessen wir solange das wirkliche Leben mit unseren Familien.
Merkel- und vdL-Kritiker 26.05.2012
2. Frau Schröder ist bestens geeignet
M.E. ist Frau Schröder als Ministerin sehr gut geeignet, gerade weil sie alle Lebensentwürfe toleriert und nicht wie ihre Vorgängerin Frau vdL versucht, den Mehrheitsentwurf in der Bevölkerung finanziell ausbluten zu lassen. Darüberhinaus holt Frau Schröder den im Artikel angesprochenen Themenkomplex von dem Sockel mit der Aufschrift "Alleinige Schicksalsfrage der Menschheit" und versucht ein wenig Entspanntheit zurückzubringen. Mehr Lockerheit beim Thema würde allen gut tun.
fischmops 26.05.2012
3. Hallo RogerRabit1962
"Es gibt nichts wichtigeres und schönes als Kinder in dieser Welt. Solange nicht sich unsere ganze Welt wieder um diesen Punkt dreht, verlieren wir die Zukunft. " In welcher Welt leben Sie denn? In meiner gibt es bereits 7 Milliarden von uns (auch wenn ich selbst nicht nachgezählt habe) und jeder weitere macht das Leben für sich und alle anderen noch schwieriger. Ich denke ganz im Gegenteil: solange sich die ganze Welt um diesen Punkt dreht, verlieren wir die Zukunft. So unterschiedlich kann man die Dinge sehen.
antifant88 26.05.2012
4. Wie immer...
... liegt Frau Berg mit Ihrer Einschätzung 100% richtig. Eine Familienministerin, die sich für Familien ausspricht. Das geht garnicht! Schließlich leben wir im Absurdistan des 21 Jahrhunderts.
WolfHai 26.05.2012
5. Herzlos
Autorin Berg mag Recht haben (oder auch nicht) - aber dieser Artikel strahlt für mich eine Herzlosigkeit aus, die mich abstößt.
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