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30. Dezember 2012, 15:55 Uhr

S.P.O.N. - Helden der Gegenwart

Die Bunga-Bunga-Bahn-Sado-Maso-Liste

Eine Kolumne von Silke Burmester

Ja, sicher. Wer ein Baby aus einem brennenden Haus rettet oder sein Millionenerbe für gute Zwecke stiftet, verdient unseren Respekt. Doch wer ein Held des Jahres werden will, muss mehr leisten. So wie Silvio Berlusconi zum Beispiel, die Bahn oder der deutsche Keksbürger.

1. Silvio Berlusconi
Das Stehaufmännchen der Politik ist schmerzfrei wie kein anderer. Egal ob Bunga-Bunga bis zum Anschlag, ein Anruf bei der Polizei, um Ruby mit der Lüge auszulösen, die minderjährige Nachtclubtänzerin sei eine Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Mubarak, oder das Gesicht zum Reißen gespannt, während er Politik und Amt als dehnbare Masse begreift - dem italienischen Egohengst ist nichts peinlich. Frohgemut meldet er sich zum Jahresausklang mit einer 49 Jahre jüngeren Freundin an seiner Seite zurück in der Politik-Arena. Darauf einen Asti Spumante!

2. E. L. James
Die Engländerin hat der Welt "Shades of Grey" beschert. Dank ihrer Erweckungslektüre können nun immer mehr Menschen ihre Freude an Unterdrückung und Unterwerfung in die richtigen Kanäle leiten und müssen nicht länger zwecks Kompensation ihre Hunde an Zäune binden, sich selbst stundenlang ohrfeigen oder beschimpfen ("Ich bin so blöd!"). Fesseln, verbale Herabsetzungen und hingebungsvolles Hauen, so die Nachricht von E. L. James an die Hausfrau von heute, mögen nicht nur die Merkwürdigen. Platz für einen gepflegten Unterwerfungsakt ist in der kleinsten Küche.

3. Nico Hofmann
Mit seinem Film "Rommel" hat der Erfolgsproduzent gezeigt, dass dessen Image als Nazi-Held und Stütze des Hitler-Regimes ein gänzlich falsches ist. Erwin Rommel, das stellte Hofmann richtig, war ein aufrechter Soldat, der lediglich den sogenannten deutschen Tugenden Tapferkeit, Pflicht und Treue zum Recht verhalf. Und trotz seiner persönlichen Verbindung zum Armhochhalter auch 1944 wenig von der Judenvernichtung mitbekommen haben will. Aus Hitlers hartem Kriegshund, dem "Wüstenfuchs", einen netten Herrn in einer leider gerade etwas schwierigen Lebensphase zu machen, ist wahrlich eine Leistung.

4. Keksbürger und Weihnachtsretter
Bahlsen backt weiter Weihnachtsplätzchen! Millionen Deutsche rangen um Fassung, als es im Sommer aus Hannover hieß: Die Öfen bleiben kalt, nie wieder Zimtsterne! Doch was ist ein Lebkuchen aus Nürnberg, eine Printe aus Aachen, wenn die Niedersachsen es so viel besser können? Hannover muss Weihnachtskeks-Stadt bleiben, so die Forderung. Und Bahlsen, kühner Rechner, wenn es um Zucker und Korinthen geht, nahm sein Ansinnen zurück. Wenn sich die Produktion auch wirtschaftlich nicht mehr lohnt, der Imageschaden hätte wohl zu gewaltig zu Buche geschlagen. Die Macht des Kapitals - gebrochen durch den deutschen Keksbürger. Wenn das nicht Hoffnung auf mehr macht!

5. Madeleine Schickedanz
Das neue Gesicht der Armut ist das Gesicht des Kampfes. Von den Bankangestellten falsch beraten, wurde die Quelle-Erbin angeblich um ihre Milliarden gebracht. Aufgewachsen in überforderndem Wohlstand, wurde ihr auch als Frau in den besten Jahren völlig schummrig von dem vielen Plus und Minus auf dem Konto. Da nützte es nichts, dass ihr Mann im Aufsichtsrat von Arcandor saß, dem Konzern, dessen Pleite ihr Geld fraß. Jetzt kämpft die tapfere Ex-Milliardärin ("Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat") gegen die vermeintlichen Abzocker und klagt auf Schadensersatz. Stellvertretend steht das Schicksal und der Kampf der starken Frau aus Mittelfranken für das jener Normalbürger, die ebenfalls ihr Erspartes durch irreführende Bankberatung verloren haben.

6. Clint Eastwood
Er spielte meist einsame Jäger, Außenseiter, Einzelgänger. Auch im fortgeschrittenen Alter von 82 Jahren schlüpft er noch einmal in so eine Rolle und zeigt auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner, was es heißt, einsam zu sein. Welch tragisches Bild jemand abgibt, der mit einem Stuhl sprechen muss, weil sonst niemand da ist! Stellvertretend für Millionen einsamer Amerikaner hat Clint Eastwood die Möglichkeit genutzt, zu den Einflussreichen des Landes sprechen zu können, um auf dieses wachsende gesellschaftliche Problem aufmerksam zu machen. Bravo!

7. Volker Herres
Seit der Abschaffung der Ansagerinnen und Ansager im Fernsehen sparen die Sender zwar viel Geld, ihre Zuschauer aber wissen oft nicht, was sie gucken sollen. In diese Wissenslücke springt der ARD-Programmdirektor täglich via Twitter und weist auf Sendungen hin. Die Größe, sich zum Nummernboy einer Senderanstalt zu machen, verdient größten Respekt.

8. Die Bahn
Die Wirtschaft krümelt vor sich hin, Wachstum schrumpft, Experten werden trauriger und trauriger. In dieser trüben Stimmung macht ein Unternehmen vor, dass es auch anders geht, dass die Sonne wieder lacht, wenn man nur das Prinzip von Leistung und Bezahlung auf den Kopf stellt. Der Kniff, mit dem die Bahn sich als Wirtschaftslokomotive positionieren will: mehr Geld für weniger verlangen. Weniger Züge, mehr Ausfall, gefühlt weniger Heizung - aber Preise rauf! Für ihren kreativen Umgang ebenso wie für ihren unternehmerischen Mut gebührt der Bahn der "Innovationspreis 2012".

9. Ursula von Kubicki
Ja, das muss man wollen: ständig in den Talk-Shows sitzen. Ursula von der Leyen und Wolfgang Kubicki wollen es und sind die Gewinner im Wettkampf "Wer ist am häufigsten vor der Stuhlkreis-Kamera"? Der gefühlte Zuschauerwert ergibt hingegen folgendes Ergebnis: Platz 1: Claudia Roth, Platz 2: Claudia Roth, Platz 3: Wolfgang Bosbach. Wobei von rechts, auf der Maischberger-Senioren-Überholspur kommend, Peter Scholl-Latour herbeiwackelt.

10. Franziska van Almsick
Während andere Menschen im gesuchten Rampenlicht große Namen bemühen, versuchen, Gewichtiges zu sagen und ein Fremdwort unterzubringen, auf dass sie ihren Prominentenstatus rechtfertigen, beantwortet die Queen of Poolwater die Frage der "Gala" nach dem "Mensch des Jahres" mit einem einfachen Gedanken, der zeigt, dass Glamour und Purismus sich nicht ausschließen müssen: "Jedes einzelne Kind, das in diesem Jahr schwimmen gelernt hat."

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