Eine Kolumne von Silke Burmester
Liebe Promi-Samen-Sammler!
Mann, was für eine Idee! Ich bin total begeistert! Es ist, als hätten Sie Einblick in meine kühnsten Träume genommen! Wie die meisten Frauen habe natürlich auch ich mich mit der Frage rumgeplagt, soll ich ein Kind bekommen, soll ich zwei Kinder bekommen? Gar keines und wenn ja, wann?
Und irgendwie hängt da auch immer die Frage dran, von wem? Von dem, mit dem man grade zusammen ist, von dem, mit dem man gern zusammen wäre oder vielleicht lieber mit dem, der vor ein paar Jahren den Status besetzte, der Beste im Bett zu sein? Dann aber fällt einem ein, dass der nur 'ne fünf in Mathe hatte und der, mit dem man jetzt zusammen ist, zwar eigentlich genau richtig wäre, hätte er nicht diese schiefe Nase und stünde er nicht auf Werder Bremen. Am besten wäre natürlich der, der still und leise in den Träumen wohnt, aber der guckt einen ja nicht mal mit dem Hintern an. Wie soll da ein Kind rauskommen?
"Fame Daddy" ist Fake Daddy
Und in dieser Situation tauchen Sie auf der Bildfläche auf! Und bieten Herrensamen von Prominenten an. Sperma von Männern, die sich auf irgendeine Art mit Ruhm bekleckert haben. Rennfahrer, Schauspieler, Wissenschaftler oder Rockstars, Wirtschaftshengste. Aber "Fame Daddy" hat auch Männer im Angebot, die von Natur aus etwas Besseres sind, nämlich Aristokraten und Genies. Mit anderen Worten, Sie haben den Saft der Herren im Angebot, die in der "Gala" als toll verkauft werden, beziehungsweise - da Ihre Firma in Großbritannien beheimatet ist - in "The Sun". In jedem Fall stammt der Samen von "nachgewiesenen Gewinnern", und das ist ein Qualitätsversprechen, das man heute suchen muss.
Und weil Sie Ihre Klientel, die Frauen, kennen, wissen Sie um unser größtes Manko: Entscheidungsschwäche. Entsprechend haben Sie einen Fragebogen auf Ihrer Homepage, der hilft, den richtigen "Fame Daddy" auszusuchen. Auch, wenn ich nicht weiß, durch welche meiner Antworten Sie zu dem Ergebnis kommen, so ist der passende Vater für mein Kind: Prinz William. Und bevor der jetzt vergriffen ist, will ich gleich einen Guss bestellen!
So weit, so großartig. Doch nun die Enttäuschung. "Fame Daddy" ist Fake Daddy. Es gibt Ihre Firma nicht, Sie sind eine Horde von Komödianten!
Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht. Recht enttäuscht, um ehrlich zu sein. Auch von der "Bild"-Zeitung, bei der ich die Meldung gelesen hatte, und auf deren Mitarbeiter, wie sich mal wieder zeigt, einfach kein Verlass ist.
Wer Prinz Ernst August hat, braucht Prinz William nicht
Dann aber habe ich mich eines Besseren besonnen! Wenn Ihre Firma nicht existiert, dann kann ich sie ja gründen! Vorbei mit den prekären Arbeitsverhältnissen einer freien Journalistin, die montags nicht weiß, wo freitags das Brot herkommt, die sich mit gestressten Redakteuren abplagen muss, nur damit die Kasse klingelt. Ich steige in den Handel mit Prominentensperma ein!
Wir haben so tolle Prominente hier in Deutschland! Männer, bei denen man sich sehr, sehr beherrschen muss, ihnen nicht spontan unter dem Tisch den Samen zu rauben, da wäre es doch gelacht, wenn das kein lukratives Geschäft werden sollte! Wer braucht schon Prinz William, wenn er Prinz Ernst August hat! Georg Friedrich Prinz von Preußen und Kevin-Prince Boateng. Zumal die englischen Fußballer eh kein Bein mehr auf den Boden bekommen. All die schmucken Rennfahrer, Schlagersänger und Entrepreneure, die immer auf den Empfängen rumstehen! Ich brauche nur die "Bunte" als Katalog aussenden, und all die schicken, gut gebildeten Frauen, die keinen adäquaten Partner finden, suchen sich einen aus!
Es wird dann nur noch eine Frage der technischen Abläufe sein, bis die ersten Babys vom "Ruhmes-Vater" durch die Gegend krabbeln. Zur Geburt wird meine Firma Strampler aussenden, auf denen steht "Made by Ruhmes-Vater" und die große Schwäche Ihrer Idee, dass keiner weiß, wer der Vater ist, werde ich als das große, spannende Extra verkaufen. So, wie man als junger Mensch auf die Krümel aus dem Yps-Heft starrte und darauf wartete, dass sich daraus die Urzeitkrebse entwickeln, werden die Mütter in die Gesichter ihrer Kinder blicken und darauf warten, dass irgendwelche bekannten Züge erkennbar werden. Auf dass sie ausrufen können: "Ah, Michael Schumacher!", "Oh, Til Schweiger!" oder denken: "Scheiße, Robert Geiss!"
Natürlich muss man sich gut überlegen, wie man Haftungsansprüche ausschließt. Wenn die Frau etwa einen "Showstar" bestellt hat, und dann "nur" Johannes B. Kerner bekommt, nicht aber, wie erhofft, Markus Lanz oder Florian Silbereisen. Aber das muss ja nicht Ihre Sorge sein, damit will ich Sie jetzt gar nicht behelligen.
Ihnen möchte ich nur noch mal sagen, wie dankbar ich Ihnen für diese Geschäftsidee bin und dafür, dass Sie sie so uneigennützig in die Welt gesetzt haben! Man muss sich um mich keine Sorgen mehr machen!
Aber auch um die Leute von "Bild" muss man sich nicht sorgen. Sie sind vollständig beschäftigt - auf Facebook dokumentieren sie, wie ihre Yps-Urzeitkrebse gedeihen.
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