S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Borussia Rüsselsheim

Eine Kolumne von Silke Burmester

Jeder Popel fährt 'nen Opel? Das war einmal. Nun hat Jürgen Klopp den angeschlagenen Autobauer übernommen - fast zumindest: als Werbeträger. Da kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen. Zeit, zu überlegen, welchen Pleitekandidaten der Meistertrainer noch auf die Sprünge helfen könnte.

Oh, du mein Allround-Retter Jürgen Klopp!

Vier Jahre ist es her, da musste Borussia Dortmund sich mit seinem schlechtesten Saisonabschluss seit 20 Jahren abfinden: Platz 13 in der Tabelle.

Und dann?

Dann kamst Du! Und mir Dir kam der Aufstieg. Hast den Verein aus dem schmuddeligen Ende des Mittelfelds ganz an die Spitze geführt. Gleich zwei Mal sind Deine Borussen seither Meister geworden.

Und jetzt?

Jetzt rettest Du Opel. Diesen angeschlagenen Autobauer aus Rüsselsheim, der ebenfalls seit Jahren nur noch am unteren Ende des Mittelfeldes mitspielt. Fehlentscheidungen, Qualitätsprobleme und Nix auf dem Markt, das irgendeinen interessierte, hatten die Manager die Traditionsfirma schon vor der aktuellen Wirtschaftskrise ins Aus gesteuert.

Und jetzt kommst Du. Als Werbeträger. Seit dem Insignia die erste zugkräftige Idee in Rüsselsheim. Und man darf bezweifeln, dass sie dort selbst erdacht wurde. Aber, sie funktioniert. Seitdem Du in Werbespots in dem ein und dem anderen Opel durch die Gegend braust und Dank der Rückfahrkamera sogar problemlos rückwärts einparken kannst, "steigt das Kaufinteresse kontinuierlich an", wie die Zeitschrift "Werben und Verkaufen" meldet.

"Zielgruppengerechtes Testimonial"

Und das, lieber Jürgen, kann ich verstehen. Schon als Markenbotschafter für Seat warst Du so überzeugend! Wie Du damals in einem Making-of zum Werbeclip gesagt hast: "Das hier" - und bei diesen Worten streicheltest Du den Kühlergrill, dass einem die Fingerkuppen warm wurden - "ist mein Auto!", das hat einen so berührt, dass man am liebsten gleich zehn Stück davon gekauft hätte. Und wenn ich sehe, wie Du so glücklich bist, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken Dir den Weg frei machen, weil Du diese Wahnsinnslust aufs Gewinnen hast, der Rasierer von Philips all Deinen Zweifeln zum Trotz die Stoppeln aus Deinem Gesicht sägt und ein Tapezierkleister, der sich klümpchenfrei anrühren lässt, Dir ein Kinderlächeln ins Gesicht zaubert, dann glaube ich auch, dass ein Opel das Richtige für Dich ist. Also für uns alle.

Denn wenn wir nicht schon so sind wie Du, dann wären wir es doch gern. So offen. So ehrlich. So direkt. So ausrastend, wenn es sein muss. So Borussia eben. Ehrlich, bodenständig und ein wenig dreckig. Und obendrauf auf diesem nahrhaften Kuchen sitzt Dein Häubchen Charmesahne. Dein Lächeln, Dein Augenzwinkern. Dein doppelbödiger Witz. Wie Harald Schmidt an einem guten Tag - so bist Du, wenn Du nur durchschnittlich ambitioniert mit den Reportern sprichst. Du scheinst ein Geschenk zu sein. Für den Fußball. Für Dortmund. Und jetzt für Rüsselsheim.

Mit Dir, so die Experten von Forsa Brandcontrol, einem Markt- und Markenanalysten, sei es den Autoleuten gelungen, ein "marken- und zielgruppengerechtes Testimonial" zu verpflichten. Also endlich einmal eines, das zum Produkt passt. Die Gesangsjungfer Katie Melua war ausgewählt worden, eben jenes als revolutionär gepriesene Elektroauto zu promoten. Weil man meinte, die Sängerin stünde für Umweltbewusstsein. Eine Frau, die, wenn man sie fragte, ob sie sich engagiere und ob sie Umweltorganisationen finanziell unterstütze, sagte, sie pflanze Tomaten und überweise Geld an ihre Großeltern in Georgien. Die also voll doll hinter der Umweltsache steht. Und eben eine Frau, die mit "Nine Million Bicycles" einen Hit hatte.

Radfahrerin aus Auto-Werberin

Was vielleicht auch keine so gute Idee ist, so jemanden auszuwählen, wenn man denn Autos verkaufen will und keine Fahrräder.

Und vor ihr war da Lena, die verrückte Nudel, die natürlich bombig passt, wenn man einen quietschbunten Opel-Corsa unters Volk bringen will. Mit der es aber schwierig wird, einen schicken Insignia oder Movano, den "vielseitigen Transporter" mit etlichen Nutzungsmöglichkeiten loszuschlagen.

Aber jetzt ist Klopp-Zeit. In den neuen Spots bist Du so Klopp, dass man gar nicht anders kann, als zu denken: Klopp, mein Gott, was für ein süßer, schnuckeliger Kerl, kann ich bitte auch einen haben?! Und das ist es, was die Werbestrategen wollen: Wir sollen verrückt nach Klopp sein. Und wenn wir dann verrückt nach Dir sind und aus Gründen der Frustkompensation einen Opel kaufen, ist die Rechnung aufgegangen.

Und das scheint ja halbwegs zu funktionieren. Und deswegen, lieber Jürgen Klopp, habe ich mal überlegt, was es sonst noch zu retten gäbe für einen Helden wie Dich und ein paar Abschmierer und Pleitekandidaten rausgesucht, denen Du beispringen kannst, wenn Opel durch ist. Die Reihenfolge ist willkürlich: die Tageszeitungen, Schloss Ribbeck, das Grips-Theater, Griechenland und die FDP natürlich. Wobei man die FDPler zur Anschlussverwendung nach der Wahl 2013 bestens ins Grips-Theater überführen könnte, auf der Kinder- und Jugendbühne fallen die gar nicht auf.

Also vielleicht besser die Energien für die aufheben, die sich nicht selbst helfen können. Oder für Borussia. Ein dritter Sieg in Folge würde Deinen Marktwert noch einmal um Längen steigern.

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1.
diabolos 02.12.2012
Zitat von sysopJeder Popel fährt 'nen Opel? Das war einmal. Nun hat Jürgen Klopp den angeschlagenen Autobauer übernommen - fast zumindest: als Werbeträger. Da kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen. Zeit, zu überlegen, welchen Pleitekandidaten der Meistertrainer noch auf die Sprünge helfen könnte. Silke Burmester über Borussia-Trainer Jürgen Klopp - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-borussia-trainer-juergen-klopp-a-870325.html)
Ich meine, aus Ihrem Text ein klitzekleines Bißchen Neid herauszuhören.
2.
lector2 02.12.2012
Ganz schön kalt draußen.
3. Ein Testimonial
byxelkrok 02.12.2012
nimmt man dann, wenn einem sonst nix mehr einfällt. Insoweit ist auch Jürgen Klopp nach all den Meluas, Lenas und, nicht zu vergessen, van Almsicks nur die x-te Kapitulationserklärung der Opelaner. Daher kann ich auch nicht verstehen, warum die Jubelperser von Forsa sich vor Freude einnässen. Das dicke Ende kommt noch.
4.
herbert_schwakowiak 02.12.2012
Ich weiß nicht so recht,was Frau Burmester mit dieser Kolumne sagen will. Kloppo macht also Werbung, na und? Nicht dass es mich interessieren würde. Und, Frau Burmester, was denken Sie, wann Sie so bekannt sein werden, dass Sie für Fernseh-Spots für eine große Marke gebucht werden?
5.
spon-facebook-1425926487 02.12.2012
Wie jetzt- eine Kolumne von Silke und es geht entgegen ihrer üblichen Gewohnheiten nicht gegen Männer, Behinderte, Schwule oder die Gleichbereichtigung der Frau? Und noch nicht mal um ihr Lieblingsthema- rechte Hetze gegen Traditionen, Werte und Toleranz?? Sehr verdächtig. Ja es ist kalt geworden, da kann einem der Seeluft in ihrem Dorf am Deich schon mal eine kleine Erkältung bescheren.. Na dann gute Besserung, wollen wir mal hoffen, dass Dir so ein kleiner Katarrh mal ein bisschen Deine verknöcherten Hirnwindungen durchbläst.
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