S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Lieber Osterhase, bitte bring uns Rauschmittel

Eine Kolumne von Silke Burmester

Leben wie Herr Osterhase: Jetzt bitte alle mal rammeln Fotos
DPA

Der Osterhase hoppelt mal wieder durch die Gegend und versteckt Eier. Das ist sehr nett von ihm, aber er sollte lieber Drogen verteilen, damit wir Deutschen endlich das tun, was er selbst so gut kann: rammeln ohne Sinn und Verstand. Und ohne Angst, ungeplant Kinder in die Welt zu setzen.

Das hier ist dein Fest, und ich möchte es nutzen, um zu sagen, wie klasse ich deine Herangehensweise in Sachen Kinderzeugung finde. Wir Menschen tun uns in Deutschland ja etwas schwer mit dem Kinderkriegen, wir versuchen das mit dem Kopf zu machen, was zu einem kläglichen Ergebnis führt.

Anders als für dich ist Kindermachen für uns mit viel Nachdenken verbunden. Über die Arbeit, die wir haben, über die Arbeit, die wir nicht haben, über Kindergartenplätze, über die Zukunft. Über das Morgen. Das Übermorgen. Über Chancen. Über Chancengleichheit, über Sich-das-Leben-Verbauen. Über die richtige Partei.

Dabei ist Kinderzeugung das Gegenteil von Kopfarbeit. Du weißt das. Du bist ein Meister darin. Flottes Gerammel, Rein-raus untenrum und schwupps - entsteht ein Baby! Oder wie in deinem Fall zwei bis fünf Stück. Ganz ohne Nachdenken. Man muss keine Nummer drücken und kein Ticket lösen. Es ist auch egal, wie der Wind steht, es braucht gar nicht dunkel zu sein oder Staub gewischt, selbst das Konto darf sich im Minus befinden - spielt alles keine Rolle für die Zeugung des Nachwuchses. Es kann also jeder, jederzeit. Und nicht nur jeder Hase, sondern sogar jeder Idiot.

Komischerweise können es ausgerechnet Akademikerinnen weniger als die Idioten, obschon sie besser denken können, was uns ja wichtig ist, wenn es ums Kinderzeugen geht. Studien haben gezeigt, dass vor allem Frauen mit Hochschulabschluss ohne Kinder bleiben. Also: mehr denken, weniger Gör. Vielleicht haben die Frauen bei aller Beschäftigung mit ihrem tollen Wissensgebiet nicht mitbekommen, dass Kindermachen kein Entweder-oder ist. Man kann studieren, arbeiten und so Sex haben, dass was gezeugt wird.

Aber das scheinen die klugen Frauen langsam zu kapieren, oder vielleicht dämmert ihnen, dass ja auch der Mann zu Hause bleiben kann, jedenfalls hat Familienministerin Kristina Schröder neulich bei Günther Jauch sogar kundgetan, dass der Negativtrend bei den Akademikerinnen "glücklicherweise gestoppt" sei. Wahrscheinlich hat sie veranlasst, dass um 18 Uhr an den Universitäten das Licht ausgeht, damit die Weiber nicht so viel lesen.

Die Leute denken sich das Kinderkriegen kaputt

Nun denke ich nicht, alter Hase, dass jeder Mensch Kinder haben muss, und manchem Kind wünsche ich, seine Eltern hätten die Frage, ob sie Nachwuchs haben wollen, ehrlicher und mit "nein" beantwortet. Aber ich finde es schade, dass sich so viele Leute das Kinderkriegen kaputtdenken. Weil sie sich haben einreden lassen, das Leben müsse planbar sein. Berechenbar. Kontrollierbar. Alles müsse einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterzogen werden, bei der für sie ein Plus rauskommt. Was ist denn das für ein Mist? Arbeiten die bei der Versicherung oder was?

Du bist da viel unkomplizierter! So ein Hase horcht auf seinen Körper und tut, wozu die Natur ihn drängt. Und: Er erwartet nicht, dass sein Kind seine ungelebten Wünsche verwirklicht, überall der, die, das Beste ist und alles richtig macht. So ein Hasenkind darf Hasenkind sein, ohne schon im Kindesalter durch Leistung beweisen zu müssen, dass die Entscheidung für den Nachwuchs richtig war. Ohne dass ein "Leistungsträger" heranwächst, der es mal zu was bringen muss. Ihr Hasen, ihr tut einfach. Ohne Netz und doppelten Boden. Ihr geht das Risiko ein, dass das Leben mit sich bringt. Ihr wisst, dass es keine Sicherheit gibt und man nicht wissen kann, was morgen ist und akzeptiert das.

Anders als wir, die wir die Kontrolle nicht abgeben können und - statt die Geburt des Kindes der Natur zu überlassen - mit dem Arzt ein Datum und eine Uhrzeit abmachen, wann er uns den Bauch aufschneidet und das Baby herausholt. Nur damit wir allzeit das Gefühl haben, alles im Griff zu haben und die Macht über die Dinge und das Geschehen. Und damit das Kind vom ersten Moment an weiß, wer hier das Sagen hat und nach wessen Termin- und Lebensplan es zu tanzen hat. Nicht dass es noch auf die Idee kommt, wir wären wirklich offen. Zumal für Überraschungen.

Dieser Tage hoppelst du, lieber Hase, wieder unermüdlich durch die Gärten und Parks und versteckst Eier. Sie sind wie du, ein Fruchtbarkeitssymbol. Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob das nicht Perlen vor die Säue sind. Vielleicht solltest du lieber Rauschmittel verteilen. Irgendetwas, das die Leute entspannt. Das sie locker macht und von diesem dämlichen Planungs- und Kontrolltrip runterkommen lässt. Oder etwas, das sie fröhlich und lustvoll rammeln lässt, und wenn dann ein Kind kommt, dann sagen sie begeistert: "Oh, guck mal da! Das ist aber schön!", statt in Panik zu verfallen und noch vor der Geburt festzulegen, auf welche Schule das Kind gehen wird und 13 Versicherungen abzuschließen.

Hase, ich weiß, das wäre eine Menge Drogen vor einer Menge Türen. Aber du kannst ja mal anfangen. Irgendwann kommt dann der Rest vielleicht auch auf den Trip, dass "Kind" und "Kopf" zwei Dinge sind, die nicht gut zusammenarbeiten, und dass man den Kopf vielleicht ab und zu einfach mal ausschaltet und sich bei dir anschaut, wie das geht mit dem Kinderkriegen.

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1. dann ist die Angst weg!
cassandros 31.03.2013
Zitat von sysoper sollte lieber Drogen verteilen, damit wir Deutschen endlich das tun, was er selbst so gut kann: rammeln ohne Sinn und Verstand. Und ohne Angst, ungeplant Kinder in die Welt zu setzen.
wenn man ohne Angst, ungeplant Kinder in die Welt zu setzen, rammeln will, sollte der Osterhase am besten Verhütungsmittel bringen!
2.
jarrefreak 31.03.2013
Zitat von sysop. . . Anders als für Dich ist Kindermachen für uns mit viel Nachdenken verbunden. Über die Arbeit, die wir haben, über die Arbeit, die wir nicht haben, über Kindergartenplätze, über die Zukunft. Über das Morgen . . .
Was soll dieser sinnlos, schräge Artikel? Frau Burmester will aus dem Paarungsverhalten von Kaninchen etwas für uns ableiten? Wie schwachsinnig das ist, erklärt sie selbst im Zitierten. Kleiner Tipp: Wenn einem gar kein Thema von wenigstens einigermaßen Relevanz einfällt - wie schon in den vergangenen Wochen bei Ihnen, Frau Burmester - einfach mal N I C H T S schreiben . . .
3.
Atheist_Crusader 31.03.2013
Zitat von sysopAber ich finde es schade, dass sich so viele Leute das Kinderkriegen kaputtdenken. Weil sie sich haben einreden lassen, das Leben müsse planbar sein. Berechenbar. Kontrollierbar. Alles müsse einer Kosten-Nutzenrechnung unterzogen werden, bei der für sie ein Plus rauskommt. Was ist denn das für ein Mist? Arbeiten die bei der Versicherung oder was?
"Kinder kriegen" und "Kinder haben" ist nunmal ein Unterschied. Ist es wirklich so abwegig, dass Leute sich Sorgen machen, wie sie die nächsten 18 Jahre ihres Leben finanziell zurechtkommen werden? Einfach mal Kinder in die Welt setzen und dann auf Gott und Sozialkassen vertrauen ist auch nicht unbedingt eine verantwortungsvolle Einstellung.
4. Wunderschön
holz-auge59 31.03.2013
erzählt - wenn es nicht so dramatisch wäre. Wir Deutschen werden durch Arbeit dezimiert - im demographischen Sinne. Die Angst vor unkalkulierbaren sozialen Einschnitten hat Kinderkriegen zum geplanten Luxus gemacht. Das hier seitens der Politik etwas beängstigend schief läuft, bedarf keiner Erklärung. Fatal wäre es, wenn ein Plan dahinter steckte. Dennoch - ein frohes Osterfest unseren Kleinen!
5. Öhmm, Frau Burmester,
Antiautor 31.03.2013
Ihr Vorschlag ist nicht ganz zu Ende gedacht. Wohl gibt es Drogen, die die Freude an der völlig denkbefreiten Performance erheblich steigern, aber die machen süchtig. Die Kindheit mit zwei Koksnasen als Eltern ist vielleicht nicht die beste Voraussetzung für's Lebensglück, eh?
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