S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Jetzt bloß nicht lachen!

Eine Kolumne von Silke Burmester

Endlich ist geklärt, wie es Frau auch mal auf einen Chefposten schafft: Sie darf nur nicht lächeln oder lachen, dann kann sie glatt als kompetent durchgehen. Verkneifen wir uns also alle Witze und marschieren einfach durch bis an jede Konzernspitze!

Verehrte humorlose Zicken!

Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet Ihnen einmal dankbar sein würde! Ihnen, den verbissenen, zugeknöpften Elsen im Kostüm. Aber ich bin es! Und wie!

Sie haben ja vielleicht mitbekommen, dass wir Frauen in letzter Zeit öfters angehalten wurden, unsere Qualifikation zur Führung von Unternehmen oder Abteilungen zu behaupten. Tatsächlich waren wir so weit gegangen, die Möglichkeit, Chefin zu sein, einzufordern. Wir waren so kühn gewesen, in den Raum zu stellen, wir könnten das, obschon wir ja Frauen sind. Also nur mindertoll.

Dieser Anspruch war von vielen Seiten in Frage gestellt worden, und ich muss annehmen: zu Recht. Häkelrezepte und die ständige sexuelle Verfügbarkeit im Kopf - wie soll eine Frau da in einem Unternehmen sagen, wo es langgeht? Kein Wunder, dass die Bahn sich ständig verfährt, wenn Frauen mal Haltestellenaufsicht haben, oder dass Fische tot auf dem Rhein treiben, kaum dass ein XX-Chromosomwesen eines der in Basel ansässigen Chemieunternehmen leitet.

Nun aber hat die Forschung gezeigt, dass Frauen nicht per se unfähig sind zu sagen, wo es langgeht. Frauen, die nicht lachen, so ergaben die Untersuchungen der Technischen Universität München, könnten tatsächlich in der Lage sein, Führungsverantwortung zu übernehmen, so die Einschätzung der von Wissenschaftlern befragten Personen beider Geschlechter.

Die lachende Spreu vom Hartweizen der Führungsstärke trennen

Für Frauen wie mich, die auch nach den neuesten Ernüchterungsangeboten die Hoffnung nicht aufgeben wollen, ist dies ein Lichtstreif am Horizont der Frustration. Und die Forscherin Isabell Welpe spricht ermutigende Worte: "Wir wissen genug", sagt sie. "Die Wirtschaft hat kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem." Unklar bleibt, vor welchem Hintergrund Frau Welpe befugt ist, diese Auskunft zu geben. Ob nur ihr Chef verreist ist oder ob sie sich hochgegrummelt hat, wichtig aber ist, dass die Wissenschaft der Wirtschaft auf die Sprünge helfen kann. Zunächst mal mit der Erkenntnis, dass lachende Frauen nicht als führungskompetent wahrgenommen werden. Ein erster wichtiger Schritt.

Im zweiten kann man nun Bewerbungsverfahren entwickeln, um bereits im Vorstellungsgespräch die lachende Spreu vom Hartweizen der Führungsstärke zu trennen. Im dritten Schritt werden in mehrtägigen Assessments mit Kitzelangriffen, "Heute-Show"-Gucken und dem unerwarteten Einspielen von Philipp-Rösler-Reden versucht, die Standfestigkeit der Bewerberinnen zu testen. Auch werden die Bewerberinnen dahingehend überprüft, woraus sie ihre Kraft ziehen. Bücher wie Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein" oder Hesses "Unterm Rad" gelten als Standardwerke einer freudlosen Führungskraft.

Lange Zeit hat die Forscher die Frage umgetrieben, wie Angela Merkel es geschafft haben könnte, zunächst innerhalb der CDU, später dann innerhalb des ganzen Landes an die Spitze zu kommen. Merkel gilt - unter denen, die ihr nahestehen - als sehr witzige Person. Dabei hat das Team um Projektleiterin Welpe eine entscheidende Entdeckung gemacht: Witzig zu sein, geistreich und spritzig ist nicht zu verwechseln mit Fröhlichkeit. Bis auf die seltenen Augenblicke, wenn die Kanzlerin einem Fußballspiel beiwohnt und sich mit der selbstvergessenen Freude einer Fünfjährigen über ein Tor freut, bleibt sie im Verkniffenheitsmodus. Schmale, zusammengepresste Lippen, die Augen ohne Glanz und Esprit weisen Angela Merkel als kontrollierte, wenig emotionale Person aus. Ein Merkmal, das bei Männern wie Frauen als Zeichen für Führungskompetenz eingeordnet wird.

Frauen-Versuchsposten mit lustfreiem Wesen ausfüllen

Vor diesem Wissenstand untersucht das Kompetenzteam um die Forscherin Welpe, ob Frauen, die in der DDR sozialisiert wurden, besser für Führungsaufgaben geeignet sind. Sie hatten traditionell wenig zu lachen - und, weit wichtiger für die Forscher, keine Sesamstraße. Eine Kindersendung, die die Fröhlichkeit zum Programm erklärt hatte. Vor allem die tschechischen Kinderfilme waren von jenem Ton der Melancholie und des Trübsinns geprägt, die Kindern schon früh die Unsinnigkeit der Fröhlichkeit vor Augen halten.

Ich habe ja keine Ahnung, verehrte humorlose Zicken, was Sie so wunderbar unfröhlich hat werden lassen. DDR, immer Regen, der Einfluss der Kirche - aber das ist auch egal, Hauptsache, Sie sind es! Wir sind in der gesellschaftlichen Entwicklung endlich so weit, dass mittlerweile zumindest wir Frauen uns die eine oder andere Führungsposition zutrauen. Das ist schon mal ein Anfang!

Und diesen Anfang zu füllen, brauchen wir Sie! Wahrscheinlich werden in der nächsten Zeit an einzelnen Stellen verschiedene Versuchsposten für Frauen freigeräumt. Bitte kommen Sie! Füllen Sie diese aus, mit Ihrem strengen, lustfreien Wesen. Mit Ihrer ausgetrockneten Miesepetrigkeit, die wie Dörrfeigen an Ihrer Karriereleiter hängt. Wir anderen Frauen tun ja den ganzen Tag nichts anderes als fröhlich frohlockend durch den Tag zu tanzen und sind einfach unendlich glücklich, wenn wenigstens ein paar von uns beweisen, dass auch Frauen, diese minderbemittelten Wesen, Chef sein können. Danke!

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Oh, oh, oh.....
kenterziege 09.06.2013
Das Thema Frauen als Führungskräfte ist ja nicht ganz neu! Die beste Story dazu war der Film:" Der Teufel trägt Prada". Ob am Steuer oder auf dem Chefsessel: Frauen sind genau so gut oder so schlecht, wie Männer. Sie sind nur anders. interessant wäre eine Umfrage unter jungen berufstätigen Müttern über die Beurteilung ihrer weiblichen Vorgesetzen. Als Ingenieur habe ich, bevor ich selbst "Chef" wurde, nie eine Frau als Vorgesetzte gehabt . Die gibt es in diesem Bereich auch kaum. Und wenn: IT und Ingenieurwesen trennen sofort ( nach dem 1. Satz) die Spreu vom Weizen. Ingenieurinnen zieht es ja denn auch vorzugsweise in die Architektur. Also stimmt das Klischee doch, dass Grauen vorzugsweise etwas mit Menschen machen wollen. Aber wenn Frauen ( immer noch in homöopathischen Dösen) in Männerdomainen einbrechen, dann sind sie wirklich gut. Abartig finde ich die sogenannten Förderungsprogramme, die gar nicht funktionieren können, wenn der Nachwuchs nicht da ist. Der älteste deutsche Automobilhersteller liefert gerade den Beweis für das Streben nach "PR-gerechter Modernität". Auf der einen Seite Frauenförderungsprogramme begleitet von verschärften Lobbyismus durch die Übernahme von politischen Spitzenkräften auf der anderen Seite Verbrennen des Markenwertes durch lausige Qualität der Fahrzeuge und fehlerhafte Strategien. Insofern ist es mir egal, ob die Chefin lächelt oder nicht: Der Output muss stimmen. Diesen Kommentar schreibe ich auf einem i-Pad. Wieviel Frauen sind bei Apple ganz oben??? Wieviel Frauen hat Samsung in der Spitze?
2. Irgendwie langweilt es langsam
olli0816 09.06.2013
Zitat von sysopEndlich ist geklärt, wie es Frau auch mal auf einen Chefposten schafft: Sie darf nur nicht lächeln oder lachen, dann kann sie glatt als kompetent durchgehen. Verkneifen wir uns also alle Witze und marschieren einfach durch bis an jede Konzernspitze! Silke Burmester über fröhliche Frauen in Führungspositionen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-froehliche-frauen-in-fuehrungspositionen-a-904538.html)
Weiter oben lesen wir etwas von der Leipziger Uni und der Professorin, die auch männlich sein kann. Hier etwas, wo Frauen verkniffen sein müssen, um Chef zu werden. Alles ungeheuer weittragend und wichtig. Liebe Gleichberechtigungsdamen: Habt ihr nicht mal irgendwie etwas Gehaltvolles zu berichten? Man findet z.B. einen Artikel, das sehr viele Leute in Deutschland in prekären Arbeitsverhältnissen stehen, das betrifft die Gesellschaft hier wirklich. Aber dieser Pups mit den verkniffenen Frauen interessiert so viel wie wenn ein Sack Reis in China umfällt. Strengt euch mal ein bisschen an, dann dürft ihr vielleicht Chef werden, auch wenn ihr nicht verkniffen seid...einfach nur zum gähnen.
3. ...
Scheidungskind 09.06.2013
Die Frauen, die ich kenne und die aus eigenem Vermögen Karriere gemacht haben, sind bestimmt nicht humorlos. Sie sind aber auch nicht larmoyant wie Frau Burmesters Kommentar. Wenn es weniger Frauen in Spitzenpositionen schaffen als Männer, dann liegt das einfach daran, dass Frauen einen niedrigeren Testosteronspiegel haben und somit einen geringeren Antrieb haben, sowie weniger aggressiv und ausdauernd sind - wie Männer mit niedrigem Testeronspiegel auch. Übriges: Testosteronspritzen für Frauen vermännlichen und können Depressionen verursachen - also erst garnicht drüber nachdenken.
4. Ihr armen Verkniffenen
carolian 09.06.2013
Jetzt sind auch noch die Männer schuld daran, dass ihr nicht lachen könnt. Und ich dachte, daran sind die Frauengruppe schuld. Weil ihr ja keinen Kontakt mehr zu Männer, den Bösen, habt. Wer nicht lachen kann, ist krank. Psychisch krank. Weil er nicht mehr die spassigen Widersprüche des Lebens wahrnimmt.
5. nunja
123456789abc 09.06.2013
persönliche bevorzuge ich "lustigkeits"lose Frauen gegenüber geistlosen, und ja hier im SPON-Universum scheint das mit Ost- und Westfrauen zu korrelieren. Aber lustfrei sind Ostfrauen genausowenig wie Albernheit Fröhlichkeit ersetzen kann. Und ja, die Ideologie der "Befreiung der Frauen" nähert sich in jeder fast Hinsicht der Ideologie der "Befreiung der Arbeiterklasse" an, bzgl intellektueller Seichte hat sie wohl schon überholt. Bleibt abzuwarten was das Jahr 2017 bringt.
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