S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Peer, versuchen Sie's als Zitteraal!

Eine Kolumne von Silke Burmester

Der SPD-Kanzlerkandidat braucht dringend eine Imagepolitur. Und was könnte dabei hilfreicher sein, als ein Tierchen, das als eine Art Maskottchen die menschlichen Seiten von Peer Steinbrück zur Geltung bringt - und notfalls statt seiner zur Wahl antritt? Überlegen wir doch mal.

Sehr geehrter Herr Steinbrück,

es freut mich, dass Sie den Mut finden, Ihrer Situation ins Auge zu blicken. Und auch, dass Sie die Kraft haben, sie als einigermaßen aussichtslos einstufen. Aber natürlich freut es mich auch, dass Sie nicht wie der Strauß den Kopf in den Sand stecken, sondern noch einmal aufbegehren wollen. Noch einmal alle Kräfte bündeln, die in Ihnen stecken. Irgendwo. Und deshalb das Imageruder rumreißen wollen.

Und ja, ich gebe Ihnen recht, Tiere gehen immer. Und auch, dass das Beispiel aus Mexiko, wo in der Stadt Xalapa ein Kater für das Amt des Bürgermeisters kandidiert und sehr viel Zuspruch bekommt, ermutigend ist.

Ich fühle mich geehrt, dass Sie mich auserkoren haben, Sie zu beraten, welches Tier geeignet sein könnte, Sie zu repräsentieren - und das die SPD gegebenenfalls an Ihrer statt in das Rennen um die Kanzlerschaft schicken könnte.

Und ich gebe Ihnen auch darin recht: Es sollte etwas Tapsiges sein. So etwas wie ein Bär, der weder einen Honigtopf (der steht stellvertretend für Ihre gut dotierten Rednerauftritte) noch einen Fettnapf (Wein, Kanzlergehalt, Sloganklau - welches Beispiel ist Ihnen am wichtigsten?) auslässt. Unbeholfenheit sollte das Tier verkörpern, ich denke, da sind wir uns einig. Auch würde ein Bär Ihrer Statur entsprechen, die groß und stämmig ist und der es an Geschmeidigkeit und Gewandtheit fehlt, die für eine gewisse Dynamik stehen könnte.

Dennoch ist ein Bär per se natürlich etwas profan. Man sollte auf jeden Fall differenzieren und gucken, welche Art Ihnen am ehesten entspricht (Braun- oder Kragenbär, Panda oder Brillenbär?).

Gut ist: Quasi alle Bären eint, dass sie als bequem und etwas faul wahrgenommen werden. Das passt bestens zu dem Eindruck, dass Sie sich nicht allzu sehr ins Zeug legen. Obschon in rund 90 Tagen die Bundestagswahl abgehalten wird, hört man so gut wie nichts von Ihnen. Ab und zu mal ein Brummen hier und da, aber im Großen und Ganzen sind große Worte nicht zu vernehmen, fehlen Zeichen von Kampfgeist und Einsatz.

Man hat eher den Eindruck, Sie versuchen die Wahl im Schlaf zu gewinnen, weshalb ein Koalabär mit seinen 20 Stunden pennen pro Tag ein gutes Äquivalent sein könnte. Der, das muss man einräumen, gar kein Bär ist. Aber das muss ja auch nicht sein, der Bär ist ja nur ein Vorschlag. Es kann auch ein Karpfen sein, ein Golden Retriever oder ein Wiedehopf. Oder vielleicht auch ein alter, gemütlicher Kater. Das könnte sogar sehr gut ziehen. Gerade bei den Frauen.

Katzen laufen wie blöd

Sie wissen: Frauen sind verrückt nach Katzen. Katzen laufen im Internet wie blöd. Frauen lesen Katzenbücher, vor allem Katzenkrimis, und die altmodischen unter ihnen schlecken mit Vorliebe Katzenzungen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Frauen sich sehr gern mit den Viechern identifizieren und der Anteil der Damen, die tatsächlich einen behäbigen, gemütlichen Schmusekater um sich herum haben will, der letztendlich viel Aufmerksamkeit, Betreuung und Futter braucht, begrenzt sein dürfte. Und, auch das muss man sehen: Das Symbol "Kater" ist durch die Kandidatur von Morris in Mexiko bereits besetzt. Es würde doch sehr nach billigem Abklatsch aussehen. Etwas, das der SPD aktuell nicht gut zu Leibe steht, denke man doch nur daran, dass das Wir entscheidet.

Schauen wir doch einmal auf das, was Sie gut können beziehungsweise konnten. Sie machten ja als Finanzminister unter Merkel eine sehr passable Figur und hatten sich große Anerkennung erarbeitet. Womit wir beim Eichhörnchen wären, das fleißig und behände mit Nüssen wirtschaftet. Dieses Pfund haben Sie aus unerklärlichen Gründen über Bord geworfen und reden jetzt lieber über dies und das. Und jenes. Und auch über solches. Was man als eine gewisse Ziellosigkeit deuten könnte. Eine Eigenschaft, die sich kein Tier, das überleben will, leisten kann, weswegen mir nun auch keines einfällt.

Wir wollen uns ja aber eh auf jene Eigenschaften konzentrieren, die sich positiv verkaufen lassen. Eichhörnchen sind wirklich sehr putzig, funktionieren aber für unsere Zwecke nicht, da es keine XXL-Hörnchen gibt, sondern nur zierliche. Also, was können Sie noch gut? Klartext reden. Logisch, Sie sind ja aus dem Norden. Aber sprechende Tiere gibt es nicht einmal an der Grenze zu Dänemark. Was noch? Seit fast 40 Jahren mit derselben Frau verheiratet? Das ist in der Tat für einen SPD-Kanzlerkandidaten keine Selbstverständlichkeit und erinnert uns an einen Ganter. Der bleibt auf ewig bei seiner Gans.

Wie ein gescholtener Hund

Also, ein Ganter. Ist Ihnen zu watschelig? Zu schnatterig? Na, Herr Steinbrück "Hätte-hätte-Fahrradkette" hätte auch aus einem orangefarbenen Schnabel kommen können! Aber gut, wenn Sie nicht wollen, kein Ganter. Also noch mal: Sie sind gradlinig, sagen Sie. Aber aufbrausend. Sagen die anderen. Ein wenig unbeholfen. Klug - aber ständig beleidigt wirkend, ein wenig wie ein gescholtener Hund. Das kommt daher, weil Sie auch Mensch sind, nicht nur Politiker? Verstehe. Neulich zum Beispiel, da haben Sie auf der Bühne geweint. Das war ungewöhnlich für einen Mann Ihres Formats. Und das hat Sie sehr, sehr menschlich gemacht.

Und das ist vielleicht das Problem mit Ihnen, Herr Steinbrück: Sie sind so sehr Mensch.

Sie vereinen so Vieles, das man weder bei sich noch bei anderen haben möchte. Schon gar nicht bei jemandem, den man wählt. Wissen Sie, wir wählen ja nicht, um jemanden zu küren, der so ist wie wir. Wir wollen ja immer ein Heilsversprechen. Und dafür braucht es Glanz, Esprit oder zumindest Funken, die sprühen. Ein Zitteraal! Wären Sie doch ein Zitteraal! Oder ein kluger Leitwolf, der geschickt das Rudel durch den Schlammassel herauszuführen vermag und es gegen Angreifer verteidigt. Ein geselliges Erdmännchen, das seine Kolonie um sich scharrt oder ein weiser Silberrücken.

Aber nein. Sie sind ein immer etwas brummiger Norddeutscher, der nicht hinter dem Ofen hervorkommt. Da ist es nicht nur für mich schwierig, ein geeignetes Tier als Sympathieträger zu finden. Damit, Herr Steinbrück, ist schlicht kein Staat zu machen.

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Satire oder nur Anpflaumerei
nickleby 23.06.2013
Frau Burmester hat hier mit ihrem Griff ins Tierleben versucht, Aesop zu imitieren, aber das ist auch alles, was als Gemeinsamkeit bleibt Der Artikel ist nur Häme und voller Geschmacklosigkeit. Frau Burmester wollte geistreich sein, aber ist nur flach und anzüglich. Herr Steinbrück hat eine intellektuell gerundete Kritik verdient, nicht aber diese Sotisen
2. es
reinero59 23.06.2013
wird nichts, aber auch gar nichts geben was das Image dieses Menschen aufpolieren würde und das ist auch gut so. Schwarz-Gelb ist schon schlimm, aber eine rot grüne Regierung mit Steinbrück als Kanzler wäre das totale Desaster für unser Land und die Menschen in diesem Land. Bleibt die SPD bei ihrem jetzigen Personal mit Steinbrück, Gabriel, Nahles und Steinmeier an der Spitze kann man sich nur wünschen das sie sich dauerhaft bei 10-15% einpendelt. Es bleibt zu hoffen das die genannten Personen endlich in Pension geschickt werden und zwar für immer und das sich dann die Einstellung der SPD zur Linken verändert und das sich die SPD endlich wieder zu ihren Wurzeln bekennt, dann könnte es auch mal wieder etwas mit einem SPD Kanzler etwas werden.
3. Ein interessanter Artikel
mmpuck 23.06.2013
liebe Frau Burmester. Bitte ergänzen Sie ihn noch. Es wäre wichtig zu wissen, in welche Gattung Tier wir die jetzige Kanzlerin - beliebig in ihren Ansichten, auf die Mehrheitsmeinung und auf Vorschläge der Opposition wartend, dem Trend dann behände vorauseilend - einordnen sollen. Vielleicht könnten Sie Reineke den listigen Fuchs in Betracht ziehen? Oder vielleicht auch den Wendehals? Bitte überlegen Sie.
4. Qualle, Chamäleon, Tiefseefisch...
der-denker 23.06.2013
Wie wär's mal mit ein paar Tipps für Merkel? Aber die Journaille traut sich beim Steinbrück vertraulich zu werden und hämisch zu kommentieren, aber nicht bei ihr. Wo sie doch so niedlich ist und kein Wässerchen trüben kann? Dem Ohren- und Augenschein nach jedenfalls. Aber dass sich eiserner Machtwille und ein gutes Gedächtnis mit drolligem Style vereinen lassen, beweist ja die Kim-Dynastie in Nordkorea.
5. Steinbrück hat zwei massive Probleme
Willi Wacker 23.06.2013
Zitat von reinero59wird nichts, aber auch gar nichts geben was das Image dieses Menschen aufpolieren würde und das ist auch gut so. Schwarz-Gelb ist schon schlimm, aber eine rot grüne Regierung mit Steinbrück als Kanzler wäre das totale Desaster für unser Land und die Menschen in diesem Land. Bleibt die SPD bei ihrem jetzigen Personal mit Steinbrück, Gabriel, Nahles und Steinmeier an der Spitze kann man sich nur wünschen das sie sich dauerhaft bei 10-15% einpendelt. Es bleibt zu hoffen das die genannten Personen endlich in Pension geschickt werden und zwar für immer und das sich dann die Einstellung der SPD zur Linken verändert und das sich die SPD endlich wieder zu ihren Wurzeln bekennt, dann könnte es auch mal wieder etwas mit einem SPD Kanzler etwas werden.
1. die SPD und 2. sich selbst. Bei der Reihenfolge bin ich noch schwankend.
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