Nach Missbrauchs-Doku "Simpsons"-Macher verbannen Folge mit Michael Jackson

Die Enthüllungsdoku "Leaving Neverland" hat weltweit eine Diskussion über den Umgang mit Michael Jackson und dessen Musik ausgelöst. Die Macher der "Simpsons" haben jetzt Stellung bezogen.

Die Simpsons-Familie
AP/ Fox

Die Simpsons-Familie


Es ist nicht einmal der "King of Pop" selbst, der in der 1991 ausgestrahlten "Simpsons"-Episode auftritt. Vielmehr leiht Michael Jackson einem Psychiatrie-Patienten seine Stimme, der glaubt, Jackson zu sein. Homer Simpson stattet ihm einen Besuch in der Klinik ab. Die Macher der Serie wollen die Folge nun nicht mehr ausstrahlen und von Streamingplattformen entfernen lassen.

"Es fühlt sich ganz klar so an, als sei es das einzig Richtige", sagte der ausführende Produzent James L. Brooks dem "Wall Street Journal". Die Entscheidung, die Episode "Die Geburtstagsüberraschung" nicht mehr zu senden, hätten die Macher nach der Betrachtung der HBO-Dokumentation "Leaving Neverland" getroffen.

HBO hatte die Dokumentation Anfang der Woche im US-Fernsehen ausgestrahlt. Darin berichten zwei Männer, Jackson habe sie als Kinder missbraucht. Ähnliche frühere Vorwürfe hatte Jackson immer bestritten, er war nie schuldig gesprochen worden.

Songs im Radio, Kunst im Museum

Dennoch hat die Ausstrahlung erneut eine Diskussion ausgelöst über die Frage, ob man die Musik von Jackson noch spielen, ihn weiterhin als Künstler verehren dürfe. Viele deutsche Radiosender entschieden sich gegen eine Verbannung der Songs. Zur Begründung führten sie die Unschuldsvermutung an. Erst wenn die Taten bewiesen seien, müsse man möglichweise neu darüber diskutieren. Zugleich führten sie an, dass man zwischen der Kunst und dem Künstler unterscheiden müsse.

Ähnlich argumentierte auch die Bundeskunsthalle in Bonn, die für Ende März eine Michael-Jackson-Ausstellung plant. Die Schau behandele nicht das Leben des Popstars, sondern seinen Einfluss auf die zeitgenössische bildende Kunst, hatte das Museum am Mittwoch mitgeteilt und erklärt: Eine Distanzierung sei "zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben". Die Schau zeigt unter anderem Werke von Andy Warhol, Jeff Koons und Paul McCarthy. Sie startet am 22. März und war zuvor schon in London und Paris zu sehen.

Bis zur Ausstrahlung der HBO-Dokumentation müssen sich die Zuschauer in Deutschland noch etwas gedulden: ProSieben zeigt "Leaving Neverland" am 6. April um 20.15 Uhr.

brs/dpa



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