Hamburg - Vor zwei Jahren sorgte die Piusbruderschaft selbst für einen Skandal. Damals wurde bekannt, dass der Bischof und Piusbruder Richard Williamson wiederholt den Holocaust geleugnet hatte. Die Enthüllung war besonders pikant, weil Papst Benedikt XVI. erst kurz zuvor eine Exkommunizierung Williamsons aufgehoben hatte.
Nun versucht die erzkonservative Bruderschaft, sich im Zusammenhang mit einem vermeintlichen Theater-Skandal zu profilieren. Es geht um die für Montag geplante Aufführung des religionskritischen Gastspiels "Gólgota Picnic". "Sollte der Intendant nicht Rücksicht nehmen auf die religiösen Gefühle der Christen in diesem Land, wird die Priesterbruderschaft St. Pius X. Strafanzeige gegen das Thalia-Theater stellen", hieß es in einer Mitteilung aus Stuttgart.
Das Stück hatte bereits vor einigen Wochen in Frankreich und Österreich für Aufregung gesorgt. Die Inszenierung des spanisch-argentinischen Regisseurs Rodrigo García thematisiert die Frage, inwieweit die Religion Erlösung vom Bösen verheißen könne und ob sie nicht selbst Teil des sogenannten Bösen sei.
Auf einem Picknickplatz voller aufgetürmter Hamburger-Brötchen - dem Schlachtfeld des Konsums - zeigt das Stück ein bizarres letztes Abendmahl in drastischen Bildern: Wunder, Dämonen, Tote und mittendrin ein nackt am Flügel sitzender Musiker, der Haydns "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" spielt.
Theaterleitung spricht von Nötigung
Die Leitung des Thalia-Theaters wurde nach eigenen Angaben "auf Initiative radikalkonservativ-fundamentalistischer Kreise" mit Aufforderungen nach einer Absetzung des Gastspiels überschwemmt. "Der Vorwurf lautet, die Aufführung erfülle den Tatbestand der Volksverhetzung, betreibe Blasphemie und Pornografie", berichtete das Theater auf seiner Internetseite. "Teilweise erfüllen die Protestnoten den Tatbestand der versuchten Nötigung."
Bei "Gólgota Picnic" handele es sich "fraglos um eine drastische und auch verstörende Aufführung", hieß es in der Mitteilung weiter. "Es ist nicht auszuschließen, dass die Aufführung bei manchen die Grenze der Wahrnehmungsbereitschaft überschreitet." Man müsse jedoch respektieren, dass Kunst seit jeher auch zu radikalen und verstörenden Gesten finde.
dab/dpa
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