Rollbrettgate: Skater müffeln? "Brigitte" im Shitstorm

Nicht häufig kommt es vor, dass Frauenmagazine Kontroversen auslösen. Die "Brigitte" hat es geschafft: mit einer Kolumne über alternde Rollbrettfahrer. Die Skaterszene Deutschlands ist in Aufruhr. Die Redaktion nimmt den Artikel zeitweilig aus dem Netz und beteuert: alles nicht böse gemeint.

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Corbis

Alternder Skateboardpilot im Standby-Modus: Nur was für kleine Jungs?

Nein, keinesfalls hätte die Autorin jemanden mit ihrem Artikel beleidigen wollen. Ja, "Ihre Meinung interessiert uns durchaus", beteuert die Redaktion der "Brigitte" und bittet um Mäßigung: "Wir freuen uns auf Ihre Ansichten, deshalb schalten wir die Artikelkommentare wieder ein. Wir bitten Sie unbedingt, im Ton fair zu bleiben. Wir werden unsachliche Beleidigungen und Schmähungen löschen."

Die Reaktion lässt tiefe ideologische Gräben vermuten. Doch weder Kopftuch, noch Beschneidung oder Pyrotechnik waren Thema der Kolumne von Bianka Echtermeyer. Die "Brigitte"-Autorin schrieb über männliche Skateboardfahrer jenseits der 25 - und verlieh ihrer lebensweltlichen Distanz zu dieser Spezies deutlich Ausdruck:

"Das sind oft Typen, die eine schräge Pony-Frisur tragen, nie lächeln und nach der Party von letzter Nacht riechen. Am liebsten würde ich die am ergrauten Schopf packen und anschreien: 'Hör auf damit! Dafür bist du zu alt.'" An anderer Stelle der mit 1325 Zeichen eher knappen Glosse auf brigitte.de heißt es: "Skateboards gehören zu kleinen Jungs. Basta. Nicht zu Menschen, die selbst Steuern zahlen und beim Orthopäden in Behandlung sind. Falls sich Männer über 30 austoben wollen, können sie gern schnelle Autos fahren, Fußball spielen oder auf Bäume klettern. Das stört mich nicht. Aber lasst bitte die Skateboards in Ruhe. Ich laufe ja auch nicht im rosa Tutu über die Straße."

Diese offensichtlich gegen männliche Hipster-Bewohner von Trendstadtteilen gerichteten Worte - die Autorin berichtet aus Hamburg-St. Pauli - lösten am Donnerstag einen Shitstorm auf den Kommentarseiten aus. Von einem Magazin, dass vor "Blödheit, Böshaftigkeit und Seuche" strotze ist die Rede, von einem "Heft für desillusionierte, abgehalfterte Frauen" und dergleichen mehr misogyne Einlassungen überschwemmten die Seite. Grund genug für "Brigitte", die Kommentarfunktion zu sperren und den Artikel zunächst vom Netz zu nehmen. Später stellte die Redaktion ihn zu Dokumentationszwecken wieder ein und gab eine Stellungnahme ab: "Es ging in dem genannten Artikel nicht gegen Skateboarden und Skateboarder im Allgemeinen. Sondern um die Frage, ob Männer ab einem bestimmten Alter wirklich noch Skateboard fahren müssen."

twi

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Ich habe die Kolumne gelesen...
sappelkopp 29.11.2012
Zitat von sysopCorbisNicht häufig kommt es vor, dass Frauenmagazine Kontroversen auslösen. Die "Brigitte" hat es geschafft: Mit einer Kolumne über alternde Rollbrettfahrer. Die Skaterszene Deutschlands ist in Aufruhr. Die Redaktion nimmt den Artikel zeitweilig aus dem Netz und beteuert: Alles nicht böse gemeint. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/skateboard-gate-bei-brigitte-a-870065.html
...jede Zeile stimmt! Überspitzt, sicher! Aber irgendwann muss der Junge zum Mann werden. Mit Skateboard wirds schwierig!
2. optional
patsm 29.11.2012
Ich finde es nicht sehr erwachsen jemanden auf sein Skateboard zu reduzieren. Ist immerhin eine Sportart und keiner würde auf die Idee kommen z.Bsp. Skifahren als nicht erwachsen zu bezeichnen. Abgesehen davon könnte man auch mal fragen, welche psychischen Probleme Leute haben, die kein Skateboard oder anderes Spielobjekt im Alter haben. Wie man es auch sieht, es ist eine relativ einfälltige SIchtweise...
3. @sappelkopp: okay, aber...
slapshot 29.11.2012
...warum muss der junge irgendwann zum mann werden? was macht denn einen mann aus? gut "the difference between man and boys is the price of the toys" - aber skateboards gibt es sicher auch in deluxe ausführung :)
4. Ohne Netz und doppeltem Boden
Konterbier!! 29.11.2012
@sappelkopp ab einem bestimmten Level ist fast jeder professioneller Skateboardfahrer meines Erachtens mehr "Mann" als z.B. Formel 1 Fahrer die in einem so hoch entwickelten Hightechtwagen sitzen, dass ein Rennen wohl eher mit einem Computerspiel zu vergleichen ist als mit Xtremsport. Beim Skateboardfahren gibt es keine Airbags springen Sie doch mal 10 Stufen runter drehen das Board mit den Füßen fangen es im Fallen, lediglich mit den Füßen wieder auf, landen und fahren lässig weiter. Das gehört noch zu den eher leichten Manövern während ein Michael Schuhmacher Schwierigkeiten hat den Formel 1 Boliden über die Ziellinie zu bringen. PS: Ich hab übrigens trotzdem größten Respekt vor ihm und seine Leistung es gehört einiges an Überwindung dazu sich im Alter noch mit dem Nachwuchs zu messen und ich hätte ihm mehr Erfolg gegönnt. Wo sind denn heutzutage noch die Helden und Vorbilder für die Kids? Politiker die sich schamlos selbst bereichern und sich nicht scheuen die Unwahrheit zu sagen, Fußballer die mehr Schwalben machen als Tore schießen und keine Titel holen?
5. Skate or die
heinerforever 29.11.2012
Skaten ist eine Lebenseinstellung, kein Hobby. Ich schreibe auch keiner Frau vor sie sollte jetzt mal mit dem Reitsport aufhören, dass ist doch nur was für Mädchen.
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