Nach Journalistenmord Slowakischer Kulturminister tritt zurück

Nach dem Mord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten tritt der slowakische Kulturminister Madaric zurück. Der 51-Jährige hatte zuvor monatelang die Verfilzung von Politik und Geschäftswelt kritisiert.

Nicht mehr Kulturminister: Marek Madaric
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Nicht mehr Kulturminister: Marek Madaric


Der slowakische Kulturminister Marek Madaric hat seinen Rücktritt erklärt. "Nach der Ermordung eines Journalisten kann ich mir nicht vorstellen, in Ruhe weiter Chef dieses Ministeriums zu bleiben, das auch für die Medien zuständig ist", erklärte der 51-Jährige am Mittwoch in Bratislava.

Mit Maria Troskova und Viliam Jasan legten auch zwei Vertraute von Regierungschef Robert Fico ihre Ämter nieder.

In der Nacht zu Montag waren der 27-jährige Journalist Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnírová in ihrem Privathaus im Dorf Velká Maca im westslowakischen Bezirk Galanta, 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Bratislava, erschossen aufgefunden worden. Nach Polizeiangaben waren sie durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden. Kuciak hatte vor allem über die Verfilzung zwischen Politik und Geschäftswelt recherchiert.

Gedenken an Ján Kuciak und Martina Kusnírová in Bratislava
DPA

Gedenken an Ján Kuciak und Martina Kusnírová in Bratislava

Madaric galt schon seit Monaten als parteiinterner Kritiker eben dieser Verfilzung. Erst im Dezember hatte er seine Funktion als einer der stellvertretenden Parteichefs der sozialdemokratischen Regierungspartei von Ministerpräsident Robert Fico aufgegeben. In mehreren Interviews hatte er zuvor Ficos erstem Stellvertreter, Innenminister Robert Kalinak, den Rücktritt nahegelegt. Kalinak steht seit rund zwei Jahren im Verdacht, Geschäftsbeziehungen zu einem mutmaßlichen Steuerbetrüger zu unterhalten. Der ermordete Journalist Kuciak hatte auch gegen ihn recherchiert.

Noch am Dienstag hatte der slowakische Premierminister Robert Fico bei einer Pressekonferenz verkündet, dass die Regierung eine Million Euro für Hinweise auf den oder die Täter bereitgestellt hätte.

Derweil forderten Teile der Opposition den Rücktritt von Polizeichef und Innenminister. Beide hätten es nicht geschafft, Kuciak zu beschützen, obwohl dieser Drohungen gegen ihn angezeigt hatte.

Robert Fico (M.) bei der Pressekonferenz
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Robert Fico (M.) bei der Pressekonferenz

Hinter dem Doppelmord könnte nach Medienberichten ein Netzwerk der italienischen Mafia stecken. Die letzte Reportage des ermordeten Jan Kuciak sollte offensichtlich dieses komplizierte Netzwerk mit Verbindungen bis in höchste slowakische Regierungsstellen offenlegen. Angeblich hatte Kuciak zudem herausgefunden, dass Robert Ficos persönliche Assistentin Maria Troskova früher für italienische Unternehmer gearbeitet haben soll, die wegen Mafia-Verbindungen im Visier der italienischen Justiz gestanden hätten.

Den unvollständig gebliebenen Text veröffentlichten am Mittwochmorgen slowakische Medien in Zusammenarbeit mit dem Internetportal aktuality.sk, für das Kuciak gearbeitet hatte. Am Nachmittag kündigte der Verlag an, den Text auch international auf Englisch und Deutsch zu veröffentlichen.

Die mitregierende ungarisch-slowakische Versöhnungspartei Most-Hid (Brücke) forderte am Mittwoch, dass alle Entscheidungsträger, die in den Verdacht von Mafia-Kontakten gekommen seien, bis zur restlosen Aufklärung von ihren Funktionen entbunden werden sollten.

bsc/dpa



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