Snoopy und Charlie Brown Trickfilmer Bill Melendez gestorben

Er machte dem Versager Charlie und dem philosophisch begabten Beagle Snoopy richtig Beine: Bill Melendez übersetzte die Abenteuer der "Peanuts" für Fernsehen und Kino. Jetzt ist der Künstler mit 91 Jahren gestorben.


Hamburg - Auch wenn Charles Monroe Schulz die "Peanuts" 1950 auf ihre weltumspannende, existentialistische Reise schickte - einen Teil ihres Weltruhms verdanken die Comic-Helden auch Bill Melendez. Der aus Mexiko stammende Animationskünstler adaptierte 1965 die "infantilen Jedermännchen" (SPIEGEL) für die Leinwand. "Fröhliche Weihnachten" hieß das Werk, 1969 erschien mit "Charlie Brown und seine Freunde!" die erste Kinoversion der "Peanuts"-Geschichten.



Aus dem Familienfernsehen der siebziger Jahre waren sie dann nicht mehr wegzudenken: Als Serienhelden kämpften sich der ewige Versager Charlie, die resolute Göre Lucy und ihr Kuscheldecken-fixierter Bruder Linus van Pelt durch einen von Erwachsenen befreiten und mit komplexen Daseinsfragen beschwerten Alltag.

Vor allem mit Snoopy, dem vierbeinigen Diogenes nicht in der Tonne, sondern auf der Hundehütte, verband Melendez viel: Er widmete dem Beagle einen eigenen Film ("Snoopy", 1972) und sprach (bellte, heulte, schluchzte) auch in den anderen "Peanuts"-Verfilmungen dessen Part.

Das Faible für Snoopy ist sehr verständlich: Der hündische Zyniker war der einzige Peanut, der nicht an seinem Leben litt. Linus musste jedes Jahr zu Halloween auf den "Großen Kürbis" warten (Exegeten erkannten darin eine neuere Fassung des "Wartens auf Godot"); Lucy schmachtete dem Pianisten Schroeder hinterher, der seinerseits den inneren ästhetischen Entscheidungskampf zwischen Beethoven und Brahms zu bestehen hatte.

Snoopy hingegen träumte vom Fliegen - insofern er nicht ans Fressen dachte. Sein Motto: "Ich bin unendlich glücklich in meiner Unwissenheit."

Bill Melendez wusste, wie man kleine Chaoten groß in Szene setzt. Am Dienstag starb er in einem Krankenhaus im kalifornischen Santa Monica im Alter von 91 Jahren.

dan/dpa



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