Grüner leben Küren Sie die schönste Stadtoase!

Wie wollen wir künftig leben? Der Social Design Award zeichnet besondere Stadtentwicklungsprojekte aus. Hier können Sie entscheiden, welcher Finalist den Publikumspreis von 2500 Euro bekommt.

Hybrid Space Lab/ Social Design Award

Von


Mehr Grün in die Stadt und mehr Leben ins Grün zu bringen - darum ging es beim Social Design Award von SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL WISSEN, der in diesem Jahr zum vierten Mal ausgeschrieben wurde.

Rund 150 Einsendungen gab es, aus ganz Deutschland, aber auch aus Südafrika oder Großbritannien. Die Expertenjury hat jetzt eine Shortlist der zehn besten Projekte zusammengestellt, die wir Ihnen hier vorstellen.

Nun sind Sie, liebe Leser, gefragt: Wählen Sie Ihren Favoriten für den Publikumspreis! Stimmen Sie bis zum 26. Oktober ab - das Vote finden Sie unter diesem Text. Der Publikumspreis ist mit 2500 Euro dotiert. Der Gewinner wird, ebenso wie der Gewinner des Jurypreises, am 14. November auf SPIEGEL ONLINE bekannt gegeben.

Bananenrepublik

Social Design Award

"Du sollst dich nicht fragen, was deine Stadt für dich tun kann, sondern was du für deine Stadt tun kannst" - das ist das Motto von Michael Kiefer, der in Köln besser bekannt ist als "Präsident der Bananenrepublik". Sein Land ist eine 226 Quadratmeter große Verkehrsinsel in der Südstadt, um die sich niemand kümmerte. 2009 setzte Kiefer die ersten Pflanzen, illegal und in Eigenarbeit. 2014 bekam er schließlich einen Pachtvertrag mit der Stadt und Unterstützung durch Anwohner, die ihm seitdem helfen, die Palmen, Wildblumen und natürlich die Bananenstauden zu pflegen. Aufgehängte Gießkannen sollen Nachbarn zum Wässern animieren. Die ungewöhnliche Bepflanzung soll Passanten, Touristen und neu ins "Veedel" gezogene Menschen stutzig machen und Anlass sein, mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Derzeit gibt es Überlegungen, Bienen auf der Verkehrsinsel anzusiedeln.


Gartenpaten - Finde deinen Patengarten

Gartenpaten/ Social Design Award

"Gärtnern kann jeder", sagen Leonie Culmann und Veronika Wendt. Aber leider haben nicht alle einen Garten, die Zeit und Lust haben zu gärtnern. Und jenen, die einen Garten, Schrebergarten und Urban-Gardening-Pflanzkästen haben, fehlt manchmal die Zeit für ihre grüne Parzelle. Daher haben die beiden Freiburgerinnen mithilfe von Crowdfunding die Website www.gartenpaten.org gestartet. Hier können Gartenmitnutzungen und Freiflächen angeboten und gesucht werden. Hier können auch Kommunen Brachen fürs Urban Gardening zur Verfügung stellen. Auf diese Weise soll nicht die Idee der Shareconomy aufs knappe Grün in den Städten übertragen werden, es sollen sich auch Menschen begegnen, die über ihr gemeinsames Interesse am Grün weitere Gemeinsamkeiten entwickeln: Ältere Menschen mit Schrebergarten betreuen die Kinder ihrer Gartenuntermieter, Geflüchtete finden neue Freunde im Gemeinschaftsgarten.


Humboldt Vulkan

Hybrid Space Lab/ Social Design Award

Wie wäre es, wenn neben dem Neubau des Berliner Stadtschlosses ein Wasserfall herunterstürzen würde? Wenn dort riesige Bäume wachsen würden und exotische Pflanzen wuchern? Die Professoren Elizabeth Sikiaridi und Frans Vogelaar haben in ihrem Berliner Hybrid Space Lab die Utopie eines Anbaus an das Humboldtforum entwickelt: ein vertikaler Dschungel, der aus bewaldeten Terrassen, einem Dachgarten und einem Wintergarten besteht und an den Forschungsreisenden Alexander von Humboldt erinnert: "Als gestapelte 'Oase', die Vegetation in der gebauten Umwelt integriert, weist 'Humboldt Vulkan' Lösungswege für die Integration von Grün in sehr dichten urbanen Situationen auf." Sikiardi und Vogelaar verstehen ihre Idee auch als Teil der "Stadtverwaldung" und Möglichkeit, im knappen öffentlichen Raum eine unkonventionelle Grünfläche zu etablieren.


Käthes Garten

degewo/ Social Design Award

Auf einer Brache mit befreundeten Nachbarn Beete oder Hochbeete anzulegen, das ist das inzwischen klassische Modell des Urban Gardenings. Meist entstehen diese Projekte dort, wo es ohnehin schon aktive Nachbarschaften gibt. Was aber, wenn es solche nachbarschaftlichen Verbindungen gar nicht gibt? Das Berliner Wohnungsbauunternehmen Degewo hat deshalb im Jahre 2015 die Initiative ergriffen und in einem von hohen Gebäuden umgebenen Innenhof in der Gropiusstadt einen 500 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten angelegt. Die Mieter waren in das Projekt von Anfang an einbezogen, 30 Parteien haben sich engagiert, haben bei Workshops geplant und den Namen "Käthes Garten" erfunden, sie haben Beete angelegt, Blumen und Gemüse gepflanzt, Feste gefeiert. Fünf Jahre lang werden die Nachbarschaftsgärtner vom Gemeinschaftsgartenprojekt Himmelbeet begleitet. Aufgrund dieser positiven Erfahrung hat die Degewo das Konzept in drei weiteren Berliner Quartieren umgesetzt.


Loud Shadows / Liquid Events

Plastique Fantastique/ Social Design Award

Wie ein großes, transparentes Ufo sieht "Loud Shadows" aus, oder wie eine halbe Seifenblase, die mitten im Wald gelandet ist und von einem Baum durchstochen wird. Diesen mobilen Raum hat Büro Plastique Fantastique beim Oerol-Festival in den Niederlanden mitten in einen Wald gesetzt, in der Blase gab es dann unter anderem Tanzaufführungen: "Die Hauptidee war, eine Architektur zu schaffen, die mit dem Wald verschmilzt." Die in Berlin ansässige internationale Architekten- und Designergruppe entwirft seit vielen Jahren aufblasbare Skulpturen und Räume. Die "Loud Shadows"-Blase im Wald hatte, so Plastique Fantastique, unter anderem zum Ziel, "die Beziehung zwischen Menschen und Natur zu intensivieren".


Meyouwedo

Alex Bokov/ Social Design Award

Eine Wiese an zentraler Stelle, die keiner nutzt - da gibt es Potenzial. Jedenfalls sah eine Studentengruppe der Kunsthochschule Burg Giebichenstein im Leipziger Johannisplatz einen Ort, der darauf wartete, zum Leben erweckt zu werden. Von Mai bis Juli 2017 stellten die Studenten hier die Installation "Meyouwedo" auf, die aus sechs beweglichen Kuben und einer Terrasse bestand. Hier gab es Workshops, Sprachkurse, Konzerte, Kino, eine Fahrradselbsthilfewerkstatt. Ziel war es, "zu einer vielseitigen und transkulturellen Gesellschaft beizutragen", was konkret bedeutete, dass bei "Meyouwedo" Leipziger und in Leipzig lebende Flüchtlinge einander kennenlernen konnten. "Urbane Grünflächen sind schon immer als Treffpunkte gedacht und geliebt", heißt es in der Projektbeschreibung, "sie bieten ein entspanntes halb privates, doch geschütztes Umfeld, um auf eine unverbindliche Art ins Gespräch zu kommen."


Mobile Forage and Field Yield Kitchen

Social Design Award

In Gemeinschaftsgärten wird gemeinsam gepflanzt, gegossen, gepflegt und geerntet. Aber gegessen wird die Ernte dann meist nicht gemeinsam, sondern die wandert zu Hause in den Kochtopf. Dabei verbindet ein gemeinsames Mahl doch, haben sich die Designer des Berliner Büros Ellery Studio überlegt. Aber weil eine Einbauküche in den Urban-Gardening-Flächen nicht untergebracht werden kann, haben sie eine mobile, zusammenklappbare Küche entworfen. Solche gibt es zwar schon, aber das Modell von Ellery Studio sieht eine Variante mit Solaranlage, pedalbetriebenem Generator, Wassertank, Herd und Ofen vor. Lehrmaterial über Gemüse und Obst sowie Rezepte sollen die Küche um ein didaktisches Element ergänzen. Über das Kochen und gemeinsame Essen der Ernte sollen nach der Vorstellung der Designer "Immigranten, Teenager und andere unterrepräsentierte Gruppen" an Gemeinschaftsgärten herangeführt werden.


Mobiler Parkplatzgarten

Social Design Award

Wo eigentlich gibt es in verdichteten Innenstädten Platz für Bienenweiden und Wildpflanzen? Überall! Das belegt das Projekt der Hamburger Gartengruppe "Grau trifft grün". In Nischen an der Sankt-Petri-Kirche, die an der City-Einkaufsmeile Mönckebergstraße steht, wurden Wildblumen gepflanzt. Ein tagsüber öffentlich zugänglicher, asphaltierter Hinterhof in der Nähe der Kirche erhielt einen naturnahen Grünstreifen und eine Gartenecke mit Pflanzkübeln. Das Projekt zeigt, dass für neues Grün in der Stadt keine hohen Investitionssummen nötig sind, sondern vor allem Engagement und der Wille, auch mal klein anzufangen. Die Materialien wie Restholz oder gebrauchte Baumatten wurden gespendet. Gebuddelt und gebaut haben Menschen ohne und mit Schwerbehinderung, denn die Gartengruppe ist ein Projekt des Integrationsfachdiensts Arinet. Inzwischen ist die Gartenecke für Mitarbeiter der umliegenden Büros zum Pausentreffpunkt geworden und die Bienenweide ein Treffpunkt für Insekten.


Mobiles Wohnen und Leben in einer Kirche und im Stadtteil

Social Design Award

Mit einer Kräuterschnecke hatte es 2010 angefangen, es folgten Beete, und heute ist der Inselgarten an der Diakoniekirche (die mal Kreuzkirche hieß) in Wuppertal Lieferant für den Mittagstisch, der in der Kirche ausgegeben wird. Dahinter steckt die Initiative einer Gruppe von sieben Ehrenamtlichen, die sich im Urban Gardening und in der Stadtmission engagieren und die sagen: "Wir erleben, wie sich zurückgezogene Menschen nähern, zuschauen und dann doch kleine Arbeiten tun, die ihnen gemäß sind". Nun möchte die Diakonie die Kirche verkaufen, und die Aktivisten würden sie gerne übernehmen. Denn dann gäbe es auch im Winter die Möglichkeit, jene Menschen aus dem Quartier zu integrieren, die sich nur schwer für eine Gemeinschaft gewinnen lassen. Der Plan: Die Kirche soll durch mobile Wohnmöbel zum Schlafen, Arbeiten und Spielen "ein offener multifunktionaler Veranstaltungsraum" und ein "soziales Hotel" werden.


Vertikaler Freiraum

Studio für Vertikale Freiräume/ Social Design Award

Fläche ist knapp in den Städten, und je mehr Menschen in die Stadt ziehen, desto mehr verschärft sich der Konkurrenzkampf um freie Flächen. Die Architektin und Landschaftsarchitektin Isabel Zintl hat deshalb die Idee des vertikalen Parks entwickelt, der in Baulücken installiert werden kann. "Ein vertikaler Freiraum macht eine bisher ungenutzte Fläche in der dichten Stadt für die Anwohner nutzbar", sagt Isabel Zintl, "ein grüner Treffpunkt für die Nachbarn des Viertel entsteht." Grillen, verweilen, gemeinsam Kaffee trinken, lesen, über die Dächer schauen, pflanzen und ernten - der vertikale Garten eröffnet all diese Möglichkeiten. Die Gestaltung und Nutzung des Baulückenparks solle gemeinsam mit den späteren Nutzern entwickelt werden, sagt Zintl, damit im Gestaltungsprozess ein Wirgefühl entsteht, das aus Nachbarn eine Gemeinschaft macht.

Loading...


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.