Social Design Award 2017 König eines Kreisverkehrs

Der König eines bepflanzten Kreisverkehrs begeisterte das Publikum. Den Jurypreis bekam ein Gartenprojekt inmitten einer Berliner Wohnsiedlung. SPIEGEL ONLINE hat mit den Gewinnern gesprochen.

Sieger Jurypreis: Lutz Mertens (von links), Meryem Korun, Annett Biernath von Käthes Garten
Katrin Würtemberger

Sieger Jurypreis: Lutz Mertens (von links), Meryem Korun, Annett Biernath von Käthes Garten

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Der Social Design Award zeichnet besondere Stadtentwicklungsprojekte aus. Zum vierten Mal suchten SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL WISSEN nach besonderen Ideen, die das Leben in der Stadt bereichern.

Publikumspreis: Kölner Bananenrepublik

Bananenrepublik
Social Design Award

Bananenrepublik

Die "Bananenrepublik" konnte die Leser überzeugen. Auf einem Kreisverkehr mitten in Köln pflanzte Michael Kiefer 2009 eine Bananenstaude und kürte sich selbst zum Präsidenten der "Bananenrepublik zu Köln". Aus dem Kreisverkehr wurde eine grüne Insel. Regelmäßig treffen sich dort Helfer und bepflanzen und pflegen die Bananenrepublik. Damit wollen sie die graue Tristesse der Großstadt bekämpfen. Dafür bekam das Projekt jetzt den mit 2500 Euro dotierten Publikumspreis des Social Design Award. SPIEGEL ONLINE hat mit Michael Kiefer, dem Präsidenten der Bananenrepublik, gesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kiefer, warum ausgerechnet Bananen?

Kiefer: Wir hatten einen Balkon, der üppig bepflanzt war. Darunter auch eine Bananenstaude, die so groß gewachsen ist, dass sie allen anderen Pflanzen die Sonne nahm. Die musste weg. Hätten wir damals eine große Zitrone gehabt, hätte ich die auf den Kreisverkehr gepflanzt und es wäre eine Zitronenrepublik.

Michael Kiefer
Katrin Würtemberger

Michael Kiefer

SPIEGEL ONLINE: Was für Aufgaben hat der Präsident einer Bananenrepublik?

Kiefer: Man muss keinen grünen Daumen haben, es geht um das Organisatorische. Ich sorge dafür, dass die Helfer da sind und packe auf der Insel selbst mit an. Ich muss aber auch mit gutem Beispiel voran gehen: Ich bin der Erste, der auf der Insel ist und der Letzte der geht.

SPIEGEL ONLINE: Wieso haben Sie diesen Kreisverkehr ausgewählt?

Kiefer: Ich musste jeden Tag an den Kreisverkehr vorbei und der war immer voller Bauschutt. Ein bisschen Erde, ein paar Blumen und das läuft dann schon von alleine, dachte ich mir damals.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen die Anwohner zu der Bananeninsel?

Kiefer: Anfänglich gab es Unverständnis, zwischendurch haben sie uns belächelt und mittlerweile ist die Insel ein Orientierungspunkt. Wo treffen wir uns? An der Bananenrepublik! Einmal im Jahr gibt es auch noch ein großes Fest.

Jurypreis: Käthes Garten aus Berlin

Käthes Garten
degewo/ Social Design Award

Käthes Garten

Der ebenfalls mit 2500 Euro dotierte Jurypreis ging an "Käthes Garten". Mitten in der Gropiusstadt, einer großen Wohnsiedlung in Berlin-Neukölln, entstand ein Gemeinschaftsgarten für die Anwohner. Dort pflegen sie auf 500 Quadratmetern Beete, pflanzen Gemüse und feiern gemeinsam Feste. Initiator des Projekts ist das degewo-Quartiersmanagement. Anne Biernath und Lutz Mertens von der degewo sowie Meryem Korun von ihrem Kooperationspartner Himmelbeet haben den Preis stellvertretend entgegengenommen und ein paar Fragen beantwortet.

SPIEGEL ONLINE: Kommt der Nachbarschaftsgedanke in einer Großstadt zu kurz?

Korun: Ich glaube, dass eine Stadt Grün-und Freiflächen braucht, die gemeinschaftlich genutzt werden können. Vor allem, weil so viele Menschen mit unterschiedlichen Biografien auf so engen Raum zusammenleben, muss es Flächen geben, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegnen können. Und das ist bei Gemeinschaftsgärten so toll, weil jeder mitmachen kann. Man kommt dazu und gärtnert einfach mit, tauscht Erfahrungen aus und baut Vorurteile ab.

SPIEGEL ONLINE: In was für einer Umgebung ist Käthes Garten beheimatet?

Biernath: Die Gropiusstadt ist eine klassische Großwohnsiedlung, die am damaligen Mauerrand empor gewachsen ist. Sie hat in der Vergangenheit einen schwierigen Ruf gehabt und wir versuchen mit unseren Projekten, das Image zu verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Von wem wird der Gemeinschaftsgarten genutzt?

Korun: Es gibt junge Familien mit Kindern, es gibt Alteingesessene und Zugezogene.

Biernath: Die Nutzer spiegeln das Quartier wieder.

SPIEGEL ONLINE: In Käthes Garten bieten Sie Gartensprechstunden an. Was muss man sich darunter vorstellen?

Korun: Es ist eine fachliche Begleitung des Gartens. Einmal die Woche kommt ein Profigärtner und beantwortet ganz konkrete Fragen: Was kann ich ernten? Was mache ich mit den übrig gebliebenen Samen?

SPIEGEL ONLINE: Was passiert sonst in Käthes Garten?

Korun: Die Nutzer pflegen gemeinsame Kräuterbeete und eigene Flächen. Außerdem gibt es fachliche Workshops, aber auch soziale Veranstaltungen wie ein Erntefest, Bauen eines Hochbeets oder die Feier des Frühlingbeginns.

Sonderpreis: Mobiler Parkplatzgarten aus Hamburg

Parkplatzgarten
Social Design Award

Parkplatzgarten

Ein mit 500 Euro dotierter Sonderpreis ging an das Integrationsnetzwerk Arinet und ihren "Mobilen Parkplatzgarten". Nahe einer belebten Einkaufsstraße von Hamburg pflanzten sie an der Sankt-Petri-Kirche Blumen. Gepflegt werden die Pflanzen von Menschen mit und ohne Schwerbehinderung. Der Garten ist zum Treffpunkt für Bienen und die Mitarbeiter der umliegenden Büros geworden. Maren Busch-Addai und Michael Schweiger nahmen den Preis entgegen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lockt man Bienen in die Hamburger Innenstadt?

Busch-Addai: Die kommen von ganz allein, wenn man die entsprechenden Pflanzen setzt. Kräuter wie Melisse werden von Bienen ganz gut besucht.

Michael Schweiger (von links), Maren Busch-Addai, Marita Krempl und Siegfried Seiffert.
Katrin Würtemberger

Michael Schweiger (von links), Maren Busch-Addai, Marita Krempl und Siegfried Seiffert.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat das Umfeld den Garten angenommen?

Schweiger: Wir sind mitten in einer Bürogemeinschaft, wo die Leute normalerweise ihren Parkplatz suchen oder den Weg ins Büro. Wir fallen da schon auf. Unser Projekt freut aber erstmal jeden.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet das Projekt für die Helfer?

Busch-Addai: Wenn jemand schon lange aus dem Arbeitsprozess raus ist oder aus der Klinik entlassen wurde, ist das für denjenigen ein wichtiger Schritt zurückzukommen. Sobald sie erstmal dabei sind, merkt man, dass sie bei der Arbeit ihre Krankheit vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Was planen Sie für die Zukunft?

Schweiger: Wir würden gerne größer werden. Wir suchen eine Fläche, auf der wir einen Showroom errichten können, um unsere mobilen Gärten sichtbar zu machen und zum Verkauf anzubieten.



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