Weitere Rekord-Auktion Über hundert Millionen Dollar für einen Warhol

Der silberne Verkehrsunfall schlägt den grünen: Bei einer Versteigerung in New York brachte das Bild "Silver Car Crash (Double Disaster)" 105 Millionen Dollar ein. Damit ist es die teuerste Arbeit von Andy Warhol und löst ein anderes Katastrophen-Werk des Künstlers ab.

AFP/ Andy Warhol/ Emmanuel Dunand

New York/Hamburg - Neuer Rekord für ein Gemälde des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol: Bei einer Versteigerung in New York erzielte sein Bild "Silver Car Crash (Double Disaster)" am Mittwoch (Ortszeit) mehr als 105 Millionen Dollar (78 Millionen Euro), wie das Auktionshaus Sotheby's mitteilte. Es ist damit das bisher teuerste Werk des 1987 gestorbenen US-Künstlers. Der bisherige Auktionsrekord für ein Warhol-Bild lag nach Angaben von Sotheby's bei 71,7 Millionen Dollar.

Das Bild "Silver Car Crash (Double Disaster)" ist 2,67 Meter hoch und vier Meter breit. Auf der linken Seite sind 15 Siebdrucke eines Verkehrsunfalls zu sehen, die rechte Seite zeigt eine leere, silberfarbene Fläche. Das Bild stammt aus Warhols Serie "Death and Disaster" ("Tod und Katastrophen") von 1963. Die drei anderen Bilder aus der Serie hängen in Museen in den USA, in Österreich und der Schweiz. "Silver Car Crash (Double Disaster)" wurde in den vergangenen 26 Jahren dagegen nur ein einziges Mal öffentlich ausgestellt.

Es ist erst das fünfte Bild in der Auktionsgeschichte, das für mehr als 100 Millionen Dollar verkauft wurde. Zuletzt hatten sich drei Bieter gegenseitig hochgetrieben. An wen das Bild letztlich ging, ist nicht bekannt.

Der bisherige Auktionsrekord für ein Warhol-Werk lag bei 71,7 Millionen Dollar. Dafür war im Mai 2007 "Green Car Crash - Green Burning Car I" verkauft worden. Es zeigt wie das jetzige Rekordbild einen Autounfall, nur in Grün statt in Silber.

"Es ist die ultimative Trophäenjagd"

Tobias Meyer, Chef für moderne Kunst bei Sotheby's, verglich das Bild gar mit Pablo Picassos "Guernica" und Théodore Géricaults "Floß der Medusa". Arbeiten Warhols, der Kunst wie am Fließband produzierte, sind nach einer Durststrecke mittlerweile wieder sehr gefragt.

Der Kunstmarkt ist extrem launisch, und der Verkauf von "Warhols" ist erst recht unberechenbar. "Liz #1", ein buntes Porträt von Elizabeth Taylor, wurde nur Minuten nach dem Rekord-Warhol mit 20,3 Millionen Dollar nur zum untersten Preis der geschätzten Spanne verkauft. Am Tag zuvor hatte ein Bild des Künstlers, das an ein Werbeplakat für Coca-Cola erinnerte, bei Christie's immerhin fast 60 Millionen Dollar gebracht, war dabei aber auch innerhalb der Erwartungen geblieben. Andere "Warhols" bleiben dagegen sogar liegen und finden gar keinen Käufer.

Nur einen Tag zuvor hatte ein Werk des britischen Malers Francis Bacon den weltweit höchsten Auktionserlös für ein Kunstwerk erzielt. Das aus drei Gemälden bestehende Triptychon "Drei Studien von Lucian Freud" wurde am Dienstag in New York bei Christie's für 142,4 Millionen Dollar versteigert und übertraf damit Edvard Munchs berühmtes Gemälde "Der Schrei", das im Mai 2012 bei einer Auktion 119,9 Millionen Dollar eingebracht hatte.

Noch mehr Geld brachte 2011 ein Gemälde aus Paul Cézannes Serie "Die Kartenspieler" ein. Es fand für 259 Millionen Dollar einen neuen Besitzer - allerdings handelte es sich damals um einen Privatverkauf und nicht um eine Versteigerung.

"Die Nachfrage nach berühmten Werken historisch bedeutsamer Künstler ist fraglos groß", sagte der Londoner Kunstberater Michael Frahm. "Es ist die ultimative Trophäenjagd."

feb/dpa/AFP/AP/Reuters



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insgesamt 3 Beiträge
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neanderspezi 14.11.2013
1. Kleinbürger sollten sich keinen Kopf machen, was sie mit 100 Mio $ anstellen könnten
Sagen Sie Ihre Meinung lieber nicht, wenn Sie sich schwer tun die Kunst-Preisspirale angeheizt auf Auktionen mit Ihrem Verständnis zu beglücken. Vielleicht fehlt Ihnen ja nur eine Antenne, moderne Kunst in all ihren Auswüchsen und prägnanten Verzerrungen angehimmelt von Kunstkennern aller Art, richtig wahrzunehmen. Schonen Sie also Ihre visuellen Sensoren und hüten sich, irgendeine Ausstellung moderner Kunst zu visitieren und sich das Kunstgelaber bezüglich verschiedener Schaffensperioden der dort aufgehängten Künstler anzuhören. Beugen Sie sich lieber unter die Erkenntnisauswüchse eines Londoner Kunstberaters: "Die Nachfrage nach berühmten Werken historisch bedeutsamer Künstler ist fraglos groß. Es ist die ultimative Trophäenjagd." Vielleicht fehlt Ihnen ja auch nur das nötige Kleingeld, um an der Trophäenjagd teilzunehmen.
Broeselbub 14.11.2013
2. nehmt den Reichen
mal ihr Geld ab damit die wieder normal werden.
crunchy_frog 14.11.2013
3.
Wenn der Kapitalmarktzins im Keller ist, geben die Milliardäre ihr Geld eben lieber aus als es rumliegen zu lassen. Man kann ja gespannt sein was abgeht, wenn die 1400 Bilder aus dieser Münchner Wohnung versteigert werden sollten. Mit dem Erlös könnte man wahrscheinlich die Staatsschulden Griechenlands begleichen ;-)
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