In eigener Sache SPIEGEL-ONLINE-Autor Mathias Zschaler ist tot

SPIEGEL ONLINE trauert um seinen freien Mitarbeiter Mathias Zschaler. In seinen Besprechungen politischer Talkshows analysierte er mit Präzision und feinem Humor die Berliner Republik.

Mathias Zschaler
privat

Mathias Zschaler


Während andere schliefen, schrieb er: Für SPIEGEL ONLINE stellte der Journalist Mathias Zschaler seine gesellschaftspolitische Expertise seit 2012 vor allem bei der Begleitung von TV-Diskussionen unter Beweis. Als Chronist von "Anne Will", "Hart aber fair" oder "Maybrit Illner" lieferte er regemäßig scharf beobachtete, hellwache Bulletins über die nächtlichen Fernsehdiskurse der Berliner Republik.

Das erste dieser Art schrieb Mathias Zschaler 2012 über die sonntägliche Talkshow von Günther Jauch. Sie war überschrieben mit dem Titel "Republik der Denunzianten", es ging um die Affäre des damaligen Bundespräsidenten Wulff sowie das Wort "wulffen". Schon hier zeigte sich Zschalers Talent für analytische Präzision und subtilen Humor.

Mathias Zschaler wurde am 2. Dezember 1947 in Menden (Westfalen) geboren und studierte an der Universität Münster unter anderem Rechtswissenschaften. 1971 wurde er Redakteur bei der "WAZ" in Essen und später für die Zeitung kurzzeitig Moskau-Korrespondent. 1989 wechselte er als Ressortleiter "Nachrichten" zum "Tagesspiegel", 1994 dann als Ressortleiter Politik zur "Berliner Zeitung", die er nach zwei Jahren verließ, um Ressortleiter und Kolumnist bei der "Welt" zu werden. Dort schrieb er unter anderem die Kolumne "Aus dem Reichstag".

Seinen letzten Artikel für SPIEGEL ONLINE verfasste er im Juni 2017 über eine Ausgabe der Sendung von Sandra Maischberger. Diskutiert wurde über Abschiebungen. "Es blieb Nurjana Arslanova (die aus der Kaukasus-Region nach Deutschland kam, Anm. d. Red.) vorbehalten, an diesem insgesamt eher deprimierenden Abend dafür einzustehen, dass man die Dinge auch gänzlich anders sehen kann, sofern man sich einen Rest vom Glauben an eine bessere Welt bewahrt hat", schlussfolgerte er.

Sein unermüdliches Engagement, seine Begeisterung für die journalistische Arbeit und seine präzisen Betrachtungen werden uns fehlen.

Mathias Zschaler starb im Alter von 69 Jahren in Berlin.



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