Spielshow auf Kabel 1 Uah Game? Seltsamer Name...

Wenige Stunden vor der Premiere der neuen Kabel-1-Spielshow "Judas Game" musste der Titel der Sendung geändert werden - er provoziere antisemitische Ressentiments. Beim mäßig aufregenden Spiel um Lügen und Verrat blieb somit am Spannendsten, ob der Sender es schaffen würde, den Namen der Show doch noch zu verraten.

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Spielshow "Judas Game", Kandidaten: Bauch gegen Hoden
Kabel 1

Spielshow "Judas Game", Kandidaten: Bauch gegen Hoden

Bis zum frühen Donnerstagabend hatte die neue Spielshow von Kabel 1 einen Namen. Um 20.15 Uhr, als sie ausgestrahlt wurde, vernuschelte sich der Sprecher jedoch plötzlich beim Titel. Was hatte er da gerade gesagt? "Uah Game"? Was für ein seltsamer Showname. Und dann diese merkwürdigen Löcher mitten im Satz: "In diesem Spiel kann es mehr als nur einen ... geben." Als nur einen? Ja, was denn für einen?? Oder: "Auf dem Tisch liegen zwei Koffer. Jeder enthält 20.000 Euro. Das ist der Einsatz ..." Aber wobei nur?

Ein Laufband erklärte die mysteriösen Fehlstellen: Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien hatte kurzfristig den Titel der Sendung untersagt, weil er geeignet sei, "religiöse Gefühle zu verletzen und antisemitische Ressentiments zu provozieren". Denn: "Im historischen Kontext, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus, wurde der Name 'Judas' über den Inbegriff des Lügners und Verräters hinaus mit dem Bild 'des Juden' gleich gesetzt." Zuvor hatte schon Charlotte Knobloch, Vizepräsidentin des Zentralrats der deutschen Juden, den Titel als "instinktlos" bezeichnet.

Doch ganz so leicht gab sich der Sender nicht geschlagen (oder sollte es Schlamperei gewesen sein?), und so entwischte doch zwischendurch immer wieder, als eingeblendetes Logo, als kleiner Ausrutscher des Sprechers, der verbotene Titel: "Judas Game". Nachzulesen war der Name außerdem auch weiterhin auf der Internet-Seite von Kabel 1. So ernst scheint man die Verbote der Bayern in Bayern, wo der Sender seinen Sitz hat, also nicht zu nehmen.

Das Spannendste an der neuen, auf sechs Folgen angelegten Show war also, wann und wie der Sender den Titel doch verraten würde und nicht etwa die Frage, welcher Kandidat da wen verraten würde.

Lügen und Verrat sind indes das Konzept der Sendung: Sechs Kandidaten am runden Tisch erzählten, warum sie dringend 40.000 Euro brauchten. Gaby wollte sich ihren Schlabberbauch korrigieren lassen, Nina in Los Angeles Schauspielunterricht nehmen, Thomas einem afghanischen Minenopfer helfen, Karsten wollte die Sterne bei Tag sehen, Olaf nach seinem Hodenkrebs um die Welt segeln, Rajesch seiner nach einem Unfall entstellten Mutter die Operationen bezahlen.

Mindestens einer der sechs Kandidaten aber hatte seine Geschichte frei erfunden. Die Kandidaten sollten sich gegenseitig überzeugen oder aber austricksen, im schalldichten Verschwörungszimmer Verbündete suchen und diese dann vielleicht wieder verraten. In jeder Runde musste jeder Kandidat den Namen eines anderen nennen, der das Spiel verlassen sollte. Der Meistgenannte musste gehen.

Am geschicktesten agierten Gaby und Olaf. Im Finale stand es dann Bauch gegen Hoden, wobei zu Gabys Entsetzen Olaf seinen Krebs erfunden hatte. Mit so einem wollte Gaby natürlich nicht teilen, und Olaf, plötzlich der fiese Grinser, wollte das natürlich schon gar nicht. Also gingen beide leer aus. Verbrechen zahlt sich eben nicht aus, Ehrlichkeit leider ebenfalls nicht.

Interessant am Spiel selbst war eigentlich nur eines: Die beiden Kandidaten, die mit dem Geld ganz selbstlos ihrer Mutter oder dem verletzten afghanischen Kind helfen wollten, stießen bei den anderen auf das größte Misstrauen. Doch ausgerechnet sie hatten die Wahrheit gesagt. Dass niemand ihnen glaubte, sagt sehr viel über den tief sitzenden Egoismus der Menschen. Andererseits: Hatte man das nicht schon immer geahnt?

Und so bleibt als spannendste Frage: Welchen Titel wird die Sendung bei den nächsten fünf Folgen tragen? "Uah Game" trifft die Sache im Grunde sehr gut. Als lautmalerisches Gähnen nämlich.



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