Sprachstudie Sächsisch ist out, Platt ist in

Nordlichter dürfen sich freuen: Sie sprechen den beliebtesten Dialekt des Landes. Nicht mal jeder zweite Deutsche mag dagegen den Sachsen zuhören. Eine neue Studie verrät, was die Deutschen von ihrer Sprache halten - und von Fäkalausdrücken.


Berlin - Der unbeliebteste deutsche Dialekt ist das Sächsische. 54 Prozent der Deutschen können den südostdeutschen Dialekt nicht ertragen. Besonders bitter: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Abneigung sogar verstärkt. Beliebt sind dagegen das Bayerische und das Berlinerische - und am allerliebsten mögen die Deutschen das norddeutsche Platt. Der Dialekt schafft es auf Platz 1 einer Allensbach-Umfrage zur deutschen Sprache, die am Freitag veröffentlicht worden ist.

"Asterix" auf Sächsisch: Schimpfen geht trotzdem am Besten im Dialekt
Les Editions Albert Rene, Goscinny Uderzo

"Asterix" auf Sächsisch: Schimpfen geht trotzdem am Besten im Dialekt

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) und der Deutsche Sprachrat hatten die Studie in Auftrag gegeben. Im April 2008 beantworteten 1820 Personen Fragen zu ihren Vorlieben und Abneigungen, sei es zu Dialekten, Fremdsprachen oder der Rechtschreibreform. Die Studie gibt einen Überblick über das Verhältnis der Deutschen zu ihrer eigenen Sprache im Besonderen und Sprache im Allgemeinen.

Selbst wenn das Plattdeutsche und das Berlinerische beliebt sind - gesprochen werden sie immer weniger. Nur jeder zweite Deutsche spricht Dialekt, Tendenz abnehmend.

Ein großes Problem stellt für 80 Prozent der Befragten die Rechtschreibreform dar. Sie gaben an, dass man nach der Reform gar nicht mehr wisse, wie manche Wörter richtig geschrieben werden. Laut der Allensbach-Studie haben sich aber die Rechtschreibfähigkeiten der Deutschen in den vergangenen 20 Jahren nicht verändert.

Dennoch sorgen sich 73 Prozent um den Verfall der deutschen Sprache. 65 Prozent sind sogar der Meinung, dass sie "mehr und mehr verkomme". Vor allem die vermehrte Verwendung von Anglizismen stößt bei vielen Deutschen auf Widerstand, wenn auch vorwiegend bei Älteren. Bei den 16- bis 29-Jährigen treffen die Anglizismen nur bei 15 Prozent auf wenig Gegenliebe.

Für viele ist die Glotze wieder mal an allem schuld: Die meisten sind der Meinung, dass zu viel ferngesehen und zu wenig gelesen werde. Neben den Anglizismen kritisieren auch viele der Befragten, dass eine gewählte Ausdrucksweise schon im Elternhaus nicht mehr gelernt werde. Andererseits: 63 Prozent gaben zu, das Wort "Scheiße" selbst gern mal zu gebrauchen. Männer lassen sich da mit 73 Prozent wesentlich häufiger gehen als Frauen mit 56 Prozent.

Doch nicht überall herrscht Kulturpessimismus. Die jungen Deutschen sind zum Beispiel ganz optimistisch, was ihre Sprache angeht: 18 Prozent der Befragten finden, davon vorwiegend jüngere, dass das Deutsche vielseitiger und lebendiger geworden sei. Die Ursachen seien, dass gerade durch die Arbeit am Computer mehr gelesen und geschrieben werde als früher. Ältere Deutsche sahen genau darin einen Grund für den Verfall der Sprache: SMS und E-Mails.

Der Auftraggeber der Studie sieht das alles nicht so eng: "Klagen über Sprachverfall gibt es seit den alten Ägyptern und den alten Griechen, vor allem von der älteren Generation", sagt Rudolf Hoberg, Vorsitzender der GfdS. "Jede Sprache verändert sich im Laufe der Zeit." Die verbreitete Ablehnung gegen die Rechtschreibreform lasse vergessen, "dass die meisten Menschen auch vorher schon immer mit der Rechtschreibung nicht zurecht gekommen sind".

Offen sind die Deutschen dagegen gegenüber neuen Fremdsprachen: Die Kinder sollten neben Englisch, Französisch und Spanisch auch Chinesisch in der Schule lernen. Ebenso sollte aber auch das Deutsche im Ausland stärker präsent sein: Die Mehrheit wünscht sich eine stärkere Präsenz der deutschen Sprache in der EU, da der deutschsprachige Bevölkerungsanteil gegenüber Englisch und Französisch höher sei.

Die Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach wurden am Freitag in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt, einen Tag nach der Präsentation des Bildungsberichts 2008 von Bund und Ländern.

ibl/dpa/ddp



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