Springer-Verlag Kampfansage an Gratis-Zeitungen

Gratis-Zeitung? Alles umsonst. Dies meint jedenfalls Mathias Döpfner. Der Springer-Chef sieht in kostenlosen Blättern mittelfristig erfolglose und journalistisch fragwürdige Konkurrenz. Auch zur grassierenden Schleichwerbung hat der Verlagsvorstand eine deutliche Meinung: Sie sei "brandgefährlich".


Springer-Vorstandschef Döpfner: Überall kampfbereit
DPA

Springer-Vorstandschef Döpfner: Überall kampfbereit

Berlin - Der Springer-Verlag will mögliche neue Versuche von Gratiszeitungen auf dem deutschen Markt aggressiv bekämpfen. Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sagte heute in Berlin, sein Haus werde "immer und sofort" Konkurrenzobjekte starten, sobald derartiges versucht werde. Springer plant laut Döpfner eine Tageszeitung für Kinder, die für vier verschiedene Alterssegmente erscheinen solle.

Döpfner zeigte sich überzeugt, dass bei Gratiszeitungen die "Qualität leiden muss. Sie machen das Medium schwächer". Er gestand zu, dass mit den Produkten teilweise neue und jüngere Leser gewonnen werden könnten. Sie könnten aber nur profitabel sein, wo es Monopole gebe. Sobald sie im Wettbewerb betrieben würden, "wird Geld verloren".

Die deutsche Zeitungslandschaft mit vielen regionalen Monopolen erschwere den Markteintritt solcher Zeitungen. Sollte es aber wieder versucht werden, ob regional oder national, so "sind wir innerhalb von sieben Tagen in 15 Regionen der Republik" mit einem Konkurrenzprodukt auf dem Markt. Die Zeitung liege fertig in der Schublade. Gleichwohl werde Springer nicht "pro-aktiv" damit auf den Markt kommen.

Der Springer-Chef lobte die seit etwa einem Jahr in mehreren Ballungsgebieten erscheinende "Welt kompakt" als erfolgreichen Versuch, dem Medium Zeitung eine Zukunft zu sichern. Sie sei nicht nur kleiner und billiger als die klassische Schwester, sondern mit einem sechs Stunden später liegenden Redaktionsschluss auch bislang als Printmedium konkurrenzlos aktuell. Befragungen hätten ergeben, dass das Publikum das "zweitgebildetste" nach den Lesern der "FAZ" sei. Die Zeitung habe überdies viele Erstleser angezogen. Das liege auch an dem anders gewichteten Nachrichtenangebot, sagte Döpfner.

In Kürze werde der Verlag das Thema Zukunft der Zeitung "noch radikaler" angehen, kündigte der Vorstandschef an. Es werde eine "Tageszeitung für Kinder" geben. Sie solle aus vier verschiedenen Ausgaben für vier verschiedene Alterssegmente bestehen. Döpfner verwies auf Frankreich, wo sich ein vergleichbares Produkt bereits etabliert habe. Er wollte das Blatt nicht als Lernmittel verstanden wissen: "Käuferzielgruppe sind die Eltern." Es scheine auch, dass sich Anzeigenkunden für das Blatt finden ließen. Es sei nicht geplant, diese Zeitung als Non-profit-Objekt herauszubringen.

Auch zum Thema Schleichwerbung hat der Manager eine markante Meinung: Döpfner warnte vor der "brandgefährlichen" Vermischung kommerzieller und redaktioneller Inhalte. Wer die Grenzen aufweiche, beschädige die Glaubwürdigkeit der Information und schade in der Folge auch den Werbekunden, so Döpfner heute zur Nachrichtenagentur dpa. Medien drohten sich damit selbst den Ast abzusägen, auf dem sie sitzen.

Solch Sägen, vernahm man es unlängst nicht auch aus den Reihen von Springer selbst? Dem Internetportal von "Bild", "Bild.T-Online.de", jedenfalls wurde vom Berliner Landgericht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro angedroht, nachdem der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) Klage eingereicht hatte. Dem vzbv zufolge hatte das Portal auf seiner Startseite eine Überschrift zur Automarke Seat platziert, die zu verschiedenen Beiträgen rund um das Auto führten. Nur ein Teil dieser Artikel sei jedoch mit dem Hinweis "Anzeige" versehen gewesen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.