SS-Mitglied Tappert: Niederländischer Sender setzt "Derrick" ab

Enthüllung über "Derrick"-Darsteller: Der SS-Grenadier Tappert Fotos
DPA

Der als makelloser TV-Ermittler "Derrick" international berühmt gewordene Horst Tappert war Mitglied der Waffen-SS. Jetzt stoppt ein niederländischer Fernsehsender Wiederholungen der legendären deutschen Krimi-Serie.

Hamburg/Amsterdam - War er freiwillig dabei? Hat er Kriegsverbrechen begangen? In welcher Weise Horst Tappert im Zweiten Weltkrieg bei der Waffen-SS involviert war, ist aus den bislang vorliegenden Dokumenten nicht in Gänze ersichtlich. Doch der Sturm der Entrüstung gegen den 2008 verstorbenen Schauspieler wird immer stärker - auch im Ausland.

Der niederländische Fernsehsender Max nimmt jetzt die Serie "Derrick" aus dem Programm. Senderdirektor Jan Slagter begründete diese Entscheidung mit Berichten über die Rolle von Hauptdarsteller Tappert im Zweiten Weltkrieg. "Wir werden keinen Schauspieler ehren, der so über seine Vergangenheit gelogen hat", sagte Slagter.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte am Freitag unter Berufung auf den Solinger Soziologen Jörg Becker berichtet, Tappert sei in der Nazi-Zeit Mitglied der Waffen-SS gewesen. Die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht wollte sich auf dpa-Anfrage dazu am Freitag nicht äußern. Auch Becker und die Angehörigen von Tappert waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der niederländische Sender wollte ursprünglich von Juli an etwa 20 Folgen der legendären deutschen Serie wiederholen. Das aber wäre eine Beleidigung für die Opfer des Krieges, sagte Slagter weiter.

Historiker sind sich heute einig: Das Vorgehen der Waffen-SS war verbrecherisch. Doch die alleinige Mitgliedschaft wurde später nicht als Verbrechen gewertet. Der Historiker Jan Erik Schulte erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass aus den bislang bekannten Unterlagen nicht klar hervorgehe, in welchem Zusammenhang Horst Tappert im SS-Panzergrenadierregiment 1 "Totenkopf" eingesetzt gewesen ist - und ob seine Mitgliedschaft freiwillig war. Schulte: "Wir wissen nicht, wie viel Druck auf ihn ausgeübt wurde."

Zur Großansicht
DER SPIEGEL

cbu/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 354 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wie bitte??
buerohengst05 27.04.2013
liebe Holländer, bitte boykottiert auch die deutschen Autobahnen, insbesondere die Nutzung der linken Spur mit Wohnwagen :D
2. Mehr Grüsse aus NL
realpress 27.04.2013
http://www.parool.nl/parool/nl/2848/FOTO/photoalbum/detail/14822/433545/0/Piet-Riet-van-de-Buis.dhtml
3.
pfeiffffer 27.04.2013
"Wir werden keinen Schauspieler ehren, der so über seine Vergangenheit gelogen hat" Wo hat er denn gelogen? Ich dachte, er hätte eher geschwiegen über seine Zeit im WW II, so wie die meisten Holländer auch lieber über ihre Zeit damals geschwiegen haben.
4. Postraub
bitdinger 27.04.2013
Hätte man wissen können. Tappert hat nach dem Krieg weitergemacht. War z. B. auch am spektakulären Postzugraub 1963 in England beteiligt.
5.
reuanmuc 27.04.2013
Zitat von sysopJetzt stoppt ein niederländischer Fernsehsender Wiederholungen der legendären deutschen Krimi-Serie.
Das ist auch eine Form von Feigheit, sich mit Vergangenheit auseinanderzusetzen. Tappert war gerade mal 22 am Ende des Krieges. Für den Krieg war er nicht verantwortlich. Man soll nichts unter den Teppich kehren, aber genau das tut man, wenn ein Etikett als Urteilsbegründung ausreichend ist, ohne Relation zu den Taten der wirklichen Kriegsverbrecher. Man könnte ihm vielleicht vorwerfen, seine Vergangenheit verschwiegen zu haben. Aber schweigen ist nicht unmoralisch, anders als lügen. Die meisten KZ-Wächter mit Blut an den Händen blieben bis heute unbehelligt, obwohl sie nicht unter den mörderischen Umständen des Krieges "tätig" waren!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Horst Tappert
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 354 Kommentare
  • Zur Startseite