Vorwurf des Sozialbetrugs Staatsanwälte prüfen Ermittlungen gegen Wallraff

Günter Wallraff droht ein Prozess wegen Beihilfe zum Sozialbetrug. Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet, der Undercover-Journalist habe ihn illegal beschäftigt. Nach SPIEGEL-Informationen prüft die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren.

Enthüllungsautor Günter Wallraff: Mitarbeiter jahrelang schwarz bezahlt?
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Enthüllungsautor Günter Wallraff: Mitarbeiter jahrelang schwarz bezahlt?


Hamburg - Auf den Enthüllungsautor Günter Wallraff kommt in der Affäre um die einen ehemaligen Mitarbeiter möglicherweise ein Strafverfahren wegen der Beihilfe zum Sozialbetrug zu. Nach Informationen des SPIEGEL prüft die Staatsanwaltschaft Köln derzeit, ob sie ein Verfahren gegen Wallraff einleitet: Der frühere Mitarbeiter hatte sich selbst angezeigt, die Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen angeblicher Beihilfe zum Sozialbetrug und wegen angeblicher Vorenthaltung von Arbeitnehmerentgelt gegen Wallraff.

Der Mann, der zeitweise als eine Art Privatsekretär für den Journalisten tätig war, ist inzwischen tief mit ihm zerstritten. Er hatte sich beim Finanzamt selbst angezeigt und Wallraff belastet. Der Undercover-Journalist soll den Mitarbeiter jahrelang schwarz bezahlt haben. Außerdem habe er längere Zeit zusätzlich Hartz IV bezogen. Zudem soll es Hinweise geben, dass Wallraff nicht alle seine Honorare ordnungsgemäß versteuert hat.

Wallraff und sein Anwalt hatten sich gegen die Vorwürfe des ehemaligen Assistenten gewehrt: Der Mitarbeiter habe das Geld selbst in bar haben wollen, da es ihm sonst gepfändet worden wäre, sagte Wallraff in einer Stellungnahme. Er habe dem Mitarbeiter unter Zeugen mehrmals angeboten, eine Lebensversicherung für seine Altersvorsorge abzuschließen, ihm eine zusätzliche Ausbildung zu finanzieren und ihn auch testamentarisch zu berücksichtigen.

Wallraff hatte zuletzt mit Undercover-Recherchen über den Paketzusteller GLS für Aufregung gesorgt - die Ergebnisse hatte er zu Reportagen für RTL und das "Zeit"-Magazin verarbeitet.

seh/dpa



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insgesamt 17 Beiträge
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Kurt Köster 10.08.2012
1. Sklavenhalter Wallraff
Zitat von sysopDPAGünter Wallraff droht ein Prozess wegen Beihilfe zum Sozialbetrug. Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet, der Undercover-Journalist habe ihn illegal beschäftigt. Nach SPIEGEL-Informationen prüft die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,849455,00.html
Hier bewahrheitet sich einmal mehr der alte Sponti-Spruch: "Die schärfsten Kritiker der Elche sind oft selber welche." Wallraff gab immer vor, sich für (angeblich ausgebeutete) Arbeitnehmer einzusetzen. Jetzt holt ihn sein eigener (höchst prätentiöser) Anspruch ein. Wallraff hat sich der schlimmsten Entgleisung, derer ein Arbeitgeber fähig ist, schuldig gemacht. Er hat Menschen ohne Arbeitsvertrag, ohne Tariflohn, ohne Berufsgenossenschaft, ohne Sozialleistungen, ohnne alles, was der Sozialstaat für den Arbeiter errungen hat, beschäftigt. Das nennt man in der Klarsprache: Sklavenarbeit.
karsten rohde 10.08.2012
2.
Und versucht sich jetzt rauszureden mit laeppischen angeblichen Angeboten, was keiner nachpruefen kann und was auch voellig unerheblich ist. Er haette den Mann nur anzumelden brauchen, das mit der Pfaendung ist naemlich auch Unsinn, bis zu 1000 Euro etwa wird ueberhaupt nichts gepfaendet, es sei denn Unterhaltszahlungen - waere eine weitere Straftat.
sverris 10.08.2012
3.
Zitat von Kurt KösterHier bewahrheitet sich einmal mehr der alte Sponti-Spruch: "Die schärfsten Kritiker der Elche sind oft selber welche." Wallraff gab immer vor, sich für (angeblich ausgebeutete) Arbeitnehmer einzusetzen. Jetzt holt ihn sein eigener (höchst prätentiöser) Anspruch ein. Wallraff hat sich der schlimmsten Entgleisung, derer ein Arbeitgeber fähig ist, schuldig gemacht. Er hat Menschen ohne Arbeitsvertrag, ohne Tariflohn, ohne Berufsgenossenschaft, ohne Sozialleistungen, ohnne alles, was der Sozialstaat für den Arbeiter errungen hat, beschäftigt. Das nennt man in der Klarsprache: Sklavenarbeit.
Schwachsinn: Denn bislang ist nichts bewiesen. Im übrigen würde diese mögliche Verfehlung die Aufklärung, die W. sonst betrieben hat, nirgends relativieren.
Evoken 10.08.2012
4. Quatsch mit Soße
Zitat von Kurt KösterHier bewahrheitet sich einmal mehr der alte Sponti-Spruch: "Die schärfsten Kritiker der Elche sind oft selber welche." Wallraff gab immer vor, sich für (angeblich ausgebeutete) Arbeitnehmer einzusetzen. Jetzt holt ihn sein eigener (höchst prätentiöser) Anspruch ein. Wallraff hat sich der schlimmsten Entgleisung, derer ein Arbeitgeber fähig ist, schuldig gemacht. Er hat Menschen ohne Arbeitsvertrag, ohne Tariflohn, ohne Berufsgenossenschaft, ohne Sozialleistungen, ohnne alles, was der Sozialstaat für den Arbeiter errungen hat, beschäftigt. Das nennt man in der Klarsprache: Sklavenarbeit.
Was sie alles zu wissen glauben. Aber glauben heißt ja auch nicht zu wissen. Für mich steht bisher nur eines fest, ein merkwürdiger ehemaliger MA der gerade über "Leichen" geht und anscheinend selbst so tief im Schlamassel sitzt, das er Wallraff als Ausrede für sein eigenes scheitern benutzt. Es wird sich heraus stellen, ob der ehemalige MA hier nur die Gutmütigkeit eines Wallraffs ausnutzen möchte oder Wallraff tatsächlich Geld sparen wollte. Der logikhalber macht ein Betrug Wallraffs keinen Sinn, insbesondere wenn er selbst gegen solchen Betrug und Lohndumping ermittelt. Wozu den eigenen Ruf wegen eines solchen Mannes ruinieren?
eisteetrinker 10.08.2012
5. es gilt die unschuldsvermutung - auch bei wallraff
Ich bin selbst ein Kritiker von Wallraff, aber das traue ich ihm dann doch nicht zu. man muss so fair bleiben und für jeden die unschuldsvermutung unterstellen. ich kann mir gut vorstellen, dass da eine enttäuschte seele wallraff eins auswischen wollte. kommt oft genug vor.
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