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Bilder einer Weltstadt: New York stellt gigantisches Fotoarchiv online

Ein Mafia-Mobster im Knast, die berühmte Manhattan Bridge im Bau, begeisterte Baseballfans: Das New Yorker Stadtarchiv stellt 870.000 Fotografien und andere Dokumente kostenlos ins Netz. Viele Aufnahmen aus mehr als 150 Jahren Stadtgeschichte sind grandios - und bislang fast unbekannt.

Fotoschätze aus 150 Jahren Stadtgeschichte: New York, New York Fotos
AP Photo/New York City Municipal Archives

New York/Hamburg - Die Aufnahme ist ebenso schockierend wie faszinierend: Zwei Männer liegen am Boden, als hielten sie ein Nickerchen, fast sieht es so aus, als räkelten sie sich. Doch sie sind tot. Aufgefunden am Boden eines Aufzugschachts eines zwölfstöckigen Hauses in Manhattan.

Am nächsten Tag wird die "New York Tribune" berichten, wie ein schwarzer Fahrstuhlführer und ein weißer Ingenieur bei dem Versuch, wertvolle Seide aus dem Gebäude zu stehlen, in den Tod gestürzt sind. Der Artikel erschien im November 1915, damals ohne das Foto vom Tatort. Wer es sehen wollte, musste sich persönlich in die Räume des New Yorker Stadtarchivs begeben. Bis jetzt. Denn es ist eines von Hunderttausenden Bildern aus mehr als 150 Jahren Stadtgeschichte, die die Behörden von diesem Dienstag an im Internet zur Verfügung stellen - neben anderen Dokumenten wie Stadtplänen oder Film- und Tonaufnahmen.

Dass diese außergewöhnlichen Zeitzeugnisse nun weltweit problemlos zugänglich sind, ist Ergebnis eines außergewöhnlichen Projekts des New Yorker Stadtarchivs: Rund 870.000 Dokumente hat die Behörde in den vergangenen vier Jahren aufwendig digitalisiert und katalogisiert - und stellt sie nun online kostenlos zur Verfügung. Es ist eine Auswahl aus den mehr als 2,2 Millionen Stücken der Sammlung des Archivs, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Den Großteil machen die Fotografien aus. Die meisten stammen nicht von bekannten Künstlern, sondern von städtischen Angestellten. Dennoch sind zahlreiche Fotografien von außerordentlicher Qualität. Sie zeigen Häuser und Brücken, das Leben auf den Straßen der Stadt, Kriminalfälle, Szenen aus der Arbeitswelt. Unter anderem gehören dazu die mehr als 800.000 Aufnahmen, die die Stadt Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von jedem Gebäude anfertigen ließ - ebenso wie zahlreiche Fotos der New Yorker Polizei, die als Beweismittel der Strafjustiz dienten.

Viele Aufnahmen stammen von städtischen Angestellten

So lassen sich nun nicht nur Tatortfotos wie das der beiden Männer im Aufzugschacht begutachten, sondern auch jene Aufnahmen, die die New Yorker Polizei am 18. April 1936 vom berüchtigten Mafia-Mobster Lucky Luciano machte, der als "Cosa Nostra"-Boss das Geschäft mit der Prostitution in der Stadt beherrschte. Oder die Fotografie jener Leiche in einem mit Sackleinen bedeckten Fass, die Kinder im Jahr 1918 beim Spielen auf einer Wiese fanden.

Ein Highlight der Sammlung sind die Bilder von Eugene de Salignac, der von 1906 bis 1934 offizieller Fotograf der städtischen Baubehörde war. Von ihm stammt auch die ikonenhafte Aufnahme aus dem Oktober 1914, die mehr als ein halbes Dutzend Arbeiter in den Seilen der Brooklyn Bridge zeigt. "Auch viele andere Fotografen, die für die Stadt arbeiteten, hatten eine Menge Talent. Aber sie haben weder in einem solch großen Umfang produziert, noch derart individuelle Arbeiten geschaffen", sagt Michael Lorenzini, Kurator der Fotografien beim Stadtarchiv New York.

Die Digitalisierung der Fotos und der kostenlose Zugang ist übrigens auch von ganz konkretem Nutzen für viele New Yorker. Etwa für Eigentümer, die ihre Häuser im historischen Originalstil restaurieren lassen wollen, oder für Filmausstatter, die das New York früherer Jahrzehnte nachbilden wollen. Und auch Hobbyhistoriker werden sich über die neue Recherchemöglichkeit freuen. Doch eigentlich braucht niemand einen konkreten Anlass, um in dem Online-Archiv zu stöbern: 150 Jahre aus dem Leben einer Weltmetropole im Bild sehen zu können, ist Grund genug.

fdi/AP

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insgesamt 26 Beiträge
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1. if u can make it there ....
e-cdg 24.04.2012
Zitat von sysopAP Photo/New York City Municipal ArchivesEin Mafia-Mobster im Knast, die berühmte Manhattan Bridge im Bau, begeisterte Baseball-Fans: Das New Yorker Stadtarchiv stellt 870.000 Fotografien und andere Dokumente kostenlos ins Netz. Viele Aufnahmen aus mehr als 150 Jahren Stadtgeschichte sind grandios - und bislang fast unbekannt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,829422,00.html
So tragisch es ist, die USA gehen voran, einst war es die Musik und die Weltoffenheit - nun ist es die Ignoranz und der wirtschaftliche Niedergang. Die paar Anständigen in den USA haben keine Chance, etwas zu werden, siehe die Kennedy-Brüder, Martin Luther King, Jimmy Carter, oder jetzt Gabrielle Giffords. Und Barack Obama? Es bleibt zu hoffen, dass er eine zweite Amtszeit bekommt.
2.
donjf 24.04.2012
Zitat von e-cdgSo tragisch es ist, die USA gehen voran, einst war es die Musik und die Weltoffenheit - nun ist es die Ignoranz und der wirtschaftliche Niedergang. Die paar Anständigen in den USA haben keine Chance, etwas zu werden, siehe die Kennedy-Brüder, Martin Luther King, Jimmy Carter, oder jetzt Gabrielle Giffords. Und Barack Obama? Es bleibt zu hoffen, dass er eine zweite Amtszeit bekommt.
So einen Unsinn habe ich ja schon seit langem nicht mehr gelesen.
3.
Der Basisdemokrat 24.04.2012
Der Server dort ist vollständig überlastet, vermutlich aufgrund der vielen plötzlichen Anfragen. Man erreicht nicht einmal mehr die Startseite. Leider scheint es für die Seiten keine Mirror zu geben. Schade ...
4.
hatfield 24.04.2012
Zitat von e-cdgSo tragisch es ist, die USA gehen voran, einst war es die Musik und die Weltoffenheit - nun ist es die Ignoranz und der wirtschaftliche Niedergang. Die paar Anständigen in den USA haben keine Chance, etwas zu werden, siehe die Kennedy-Brüder, Martin Luther King, Jimmy Carter, oder jetzt Gabrielle Giffords. Und Barack Obama? Es bleibt zu hoffen, dass er eine zweite Amtszeit bekommt.
Was bitte hat das mit dem Thema zu tun?
5.
biobanane 24.04.2012
So sieht die Zukunft aus. Wenn alle Archive ihre Sammlungen online stellen würde, dann hätte das Internet wenigstens mal etwa Inhalt. Leider sehen zu viele Archivare ihr Daseinsberechtigung im Sammeln und Horten und nicht Veröffentlichen. Beispielsweise die Stadtarchive, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, die Geschichte öffentlich zu machen und nicht nur zu Ausstelungen hin und wieder mal ein paar Schätze zu zeigen.
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