Star-Architekt Chipperfield kritisiert Pläne für Schloss-Aufbau in Berlin

Wenig erbaulich, was David Chipperfield zum geplanten Stadtschloss sagt. Im SPIEGEL-Gespräch erklärt der britische Architekt, warum das Projekt scheitern könnte. Und wie die Mentalität der Deutschen zur Misere beiträgt.


Der britische Stararchitekt David Chipperfield, 54, übt heftige Kritik an den Plänen für die historische Mitte Berlins. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL stellt Chipperfield die vom Bundestag beschlossene teilweise Rekonstruktion des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses in Frage.

Stadtschloss-Modell: "Bloße Kopien können leblos wirken"
DPA

Stadtschloss-Modell: "Bloße Kopien können leblos wirken"

Der Architekt, der Mitglied der Jury für den Schloss-Aufbau ist, meint: "Leider hat sich der Bundestag längst festgelegt auf die Rekonstruktion." Chipperfield hält dies für eine unzulässige "Einmischung": "Das ist das eigentliche Ärgernis."

Ihn störe, "dass da quasi ein biblisches Gebot erlassen wurde, das alle weiteren Diskussionen abwürgen soll". Normalerweise hätten Architektur-Jurys in Deutschland "eine gewisse Autonomie". Anstelle einer Nachbildung der historischen Fassaden wünscht sich Chipperfield "einen modernen Bau in alten Proportionen". "Bloße Kopien", so der Brite, "können schnell leblos wirken."

Der Architekt plädiert für eine längere Planungsdauer: "Um zu einem vernünftigen Ergebnis" für das historisch bedeutende Areal zu kommen, hätte man sich "weitere zehn Jahre Zeit nehmen sollen". Diese Geduld, so Chipperfield, "passt offenbar nicht zur deutschen Mentalität. Die Deutschen finden ja wohl nicht in den Schlaf, solange diese Lücke mitten in Berlin nicht geschlossen ist."



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