"Star Trek - Enterprise": Raumschiff im Rückwärtsgang

Von Gregor Wildermann

Nach den mäßigen Erfolgen von "Deep Space Nine" und "Voyager" schien das TV-Universum namens "Star Trek" in sich zusammenzustürzen. Rettung soll nun "Enterprise" bringen: Die fünfte Serie aus dem Science-Fiction-Zyklus begibt sich zurück in eine gar nicht so ferne Zukunft.

Neues Raumschiff "Enterprise": 150 Jahre vor Kirk, Spock und Pille

Neues Raumschiff "Enterprise": 150 Jahre vor Kirk, Spock und Pille

"First Captain. First Crew. First Mission". Was als Schlagzeile wie eine Kurzbeschreibung für die erste große Herausforderung von Präsident George W. Bush klingt, bewirbt in diesen Tagen die zweistündige Pilotfolge der neuen "Star Trek"-Serie, die im neuen Jahrtausend schlichtweg "Enterprise" heißt und am Mittwochabend auf dem US-Sender United Paramount Network (UPN) seine Premiere feierte.

Damit beginnt für die weltweit schätzungsweise 40 Millionen "Trekkis" eine neue Sternzeitrechnung mit einer Serienidee, die von Gene Roddenberry (1921 - 1991) vor 35 Jahren zum ersten Mal auf den Fernsehschirm gebracht wurde. Während dieses Jubiläum in Burgdorf bei Hannover vom deutschen Fanclub gerade mit einer fünfwöchigen Geburtstagsparty gefeiert wird, bei der alle jemals gesendeten Serienfolgen in einer 14-tägigen Non-Stop-Vorführung hintereinander gezeigt werden, zweifelt man in Amerika noch, ob das "Star Trek"-Phänomen nach insgesamt vier verschiedenen Serien und neun Kinofilmen tatsächlich wiederbelebt werden kann.

"First Captain": Scott Bakula als Cpt. Jonathan Archer

"First Captain": Scott Bakula als Cpt. Jonathan Archer

Entscheidend, so wusste man, würde die Grundidee der neuen Serie sein, der "Plot". Nachdem die in den letzten Jahren angesammelten Gerüchte über den neuen Plot schon fast unendliche Weiten füllten, einigte man sich schließlich auf einen Zeitsprung an den Anfang der Science-Fiction-Saga: Die fünfte aller "Star Trek"-Serien ist im 22. Jahrhundert angesiedelt, etwa 150 Jahre bevor James T. Kirk, Spock und Dr. "Pille" McCoy in bunten Anzügen ihren Flug ins dunkle Weltall begannen, was die Möglichkeit eröffnet, die Vorgeschichten und Anfänge vieler allseits bekannter Personen und Handlungsstränge zu erzählen.

In die galaktischen Fußstapfen der Captains Kirk, Picard, Sisko und Janeway tritt in der Hauptrolle nun Captain Jonathan Archer, der mit dem Schauspieler Scott Bakula besetzt wurde - deutschen Zuschauern aus der Serie "Quantum Leap - Zurück in die Vergangenheit" bekannt. Der Rest der Crew setzt sich aus der vulkanischen Kommandeurin T'Pol (Jolene Blalock), dem außerirdischen Arzt Doctor Phlox (John Billingsley), dem Steuermann Joe Mayweather (Anthony Montgomery) sowie dem Cheftechniker Charlie "Spike" Tucker (Connor Trinneer), dem Waffenoffizier Malcolm Reed (Dominic Keating) sowie der Asiatin Hoshi Sato (Linda Park) zusammen.

Für die "Enterprise"-Pilotfolge "Broken Bow" griff das produzierende Studio Paramount mit fast 15 Millionen Dollar überdurchschnittlich tief in die Tasche. Im Pilot-Plot geht es um einen Klingonen, der über Oklahoma von den ebenfalls außerirdischen Sulibianern abgeschossen wird, aber von Archer und seiner Crew der Enterprise NX-01 gerettet wird.

Auf der ersten offiziellen "Enterprise"-Pressekonferenz umschrieb Produzent Rick Berman, der schon seit der zweiten Serie "Star Trek - The Next Generation" (wochentags täglich auf Sat.1) mit an Bord ist, die Tragweite des legendären Weltraumepos: "Raumschiff Enterprise hat seit 35 Jahren einen festen Platz im Gedächtnis der Fernsehzuschauer. Fast jeder weiß, was ein Phaser ist oder ein Klingone, das Beamen oder der Warp-Antrieb. Diese Begriffe sind Teil unserer Kultur geworden, und genau auf diesen Wiedererkennungswert wird man bei der neuen Serie bauen können."

Gegenüber der neuesten Ausgabe des britischen Science-Fiction-Magazins "SFX" gestand Co-Produzent Brannon Braga aber auch ein, das frühere "Star Trek"-Folgen oft unter albernen Kostümen und Masken litten, die Charaktere stellenweise kaum ausgearbeitet wurden, was sich nun endlich wieder ändern soll. "Nach der Pilotfolge und weiteren vier Episoden habe ich wirklich das Gefühl, eine ganz neue Serie geschrieben zu haben. Dabei wurden ich und Rick Berman sehr von erfolgreichen Shows wie "The Sopranos" inspiriert. Wir dachten, dass es der Serie ganz gut täte, wenn die Charaktere etwas natürlicher redeten."

Neue Crew, neues Glück: Besatzung der neuen "Enterprise"

Neue Crew, neues Glück: Besatzung der neuen "Enterprise"

Die letzten beiden "Star Trek"-Serien stießen beim Publikum nur auf mäßiges Interesse, und das nicht nur in den USA. Fast glaubte man, dass die Grundidee trotz der treuen Fangemeinde und regelmäßig stattfindender "Conventions" nicht mehr ausbaufähig wäre. Selbst die Dreharbeiten zum neuen Kinofilm "Star Trek X: Nemesis", der mit Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard und Brent Spiner als Cyborg-Commander Data Ende des Jahres abgedreht werden soll, wurden zeitweise in Frage gestellt.

Während die Serie "Deep Space Nine" durch seine mehrere Folgen übergreifende Erzählweise das US-Publikum verwirrte, führte der über Jahre andauernde Heimatflug durch den galaktischen Deltaquadranten beim Nachfolger "Voyager" zu Ermüdungserscheinungen. Als die letzte Folge "Endgame" der "Voyager"-Crew im vergangenen Mai schließlich das lang ersehnte Erdenziel näher brachte, waren viele Fans dank überhöhter Erwartungshaltung eher enttäuscht.

Die tragischen Ereignisse vor zwei Wochen könnten nun allerdings dafür sorgen, dass die kommenden Abenteuer der neuen "Enterprise"-Crew ebenfalls unter einem schlechten Stern stehen: In der zweiten Folge, die Anfang Oktober ausgestrahlt wird, werden 15 Menschenleichen auf einem verlassenen Raumschiff gefunden. Beunruhigender Titel der Episode: "Fight Or Flight". Auch andere Titel wie "Strange World" oder "Unexpected" klingen so, als müsse Captain Archer in seiner fiktiven Sternenwelt mit einigem Ungemach rechnen, was bei den vom Terror traumatisierten Amerikanern keinen guten Nerv treffen dürfte. Wer dann noch auf die offizielle Website zum Serienstart schaut, wird in einer Zeitlinie zur Serie erst recht nicht beruhigt: Dort beginnt laut Trekkie-Universum im Jahre 2053 der "World War 3"...

Über einen deutschen Sendetermin für "Star Trek - Enterprise" ist noch nichts bekannt.

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