Starfotografin Leibovitz Ein Bild von einer Pleite

Sie ist die berühmteste Fotografin der Welt, bekannt für ihre aufwendigen Shootings. Jetzt ist Annie Leibovitz wegen ihrer enormen Schulden selbst ins Visier geraten: Eine mächtige Finanzfirma will den kompletten Besitz der New Yorker Künstlerin versteigern - es geht um Millionen.

Von , New York


New York - Die soeben erschienene Ausgabe der Zeitschrift "Vanity Fair" hat ausnahmsweise zwei Titelbilder. Die eine Hälfte zeigt ein Covergirl, die andere einen Coverboy, beide starben im Juni: Farrah Fawcett und Michael Jackson.



Das Schwarzweiß-Porträt Jacksons, im offenen weißen Flatterhemd, ist fast 20 Jahre alt. Aufgenommen hat es Starfotografin Annie Leibovitz 1989 bei einer Studio-Session in Los Angeles, von der weitere Jackson-Aufnahmen im Inneren des Blattes erscheinen.

Leibovitz hat außerdem ein paar brandaktuelle Bilder in der neuen "Vanity Fair", entstanden auf den Bahamas mit den Darstellern der TV-Serie "Mad Men". Dazu präsentiert das Blatt ein Online-Portfolio, das ältere Beach-Shots von Bruce Willis, Scarlett Johansson, Tom Hanks und Mark Wahlberg enthält, fotografiert von Annie Leibovitz an exotischen Orten.

24 Millionen Dollar Schulden

Die Dame kommt herum - und war immer schon gut beschäftigt. Leibovitz, 59, ist heute Hausfotografin des Hochglanzmagazins und seines Schwesterblatts "Vogue", gemeinsam zahlt man ihr dem Vernehmen nach drei Millionen Dollar. Hinzu kommen sechsstellige Tageshonorare für Modeaufnahmen, Anzeigenserien ("American Express") und andere Privataufträge.

Leibovitz' Bilder hängen in Galerien und Museen. Eine Retrospektive von rund 200 ihrer bekanntesten Werke tourt seit drei Jahren um die Welt, im Mai war sie in Berlin. Leibovitz, so die "New York Times", "ist eine der erfolgreichsten Fotografinnen aller Zeiten".

Und steht, wie sich nun herausstellt, kurz vor der Pleite.

Vergangene Woche verklagte die Finanzfirma Art Capital sie vor dem Obersten Gericht New Yorks wegen Vertragsbruch. Art Capital hatte Leibovitz Ende 2008 einen Kredit über 24 Millionen Dollar gewährt, mit dem sie ihre enorme Schuldenlast bewältigen wollte. Im Gegenzug überschrieb Leibovitz der Gläubigerfirma ihren Immobilienbesitz, darunter drei historische Stadthäuser im New Yorker Greenwich Village, sowie die Rechte an allen bisherigen Fotos (samt Negativen), durch deren Verkauf der Kredit getilgt werden sollte.

Fälligkeitsdatum: 8. September. Doch Art Capital will alles schon jetzt meistbietend verhökern, um das Geld einzutreiben.

Die 17-seitige Klage ist gerichtlich dokumentiert, Aktenzeichen 09-602334, inklusive der Pfändungsvereinbarung, die Leibovitz gleich viermal unterschrieb. Dennoch streitet sie alles ab: "Die Vorwürfe in der Klage sind falsch und unwahr", ließ sie über ihren Sprecher Matthew Hiltzik erklären. "Dies ist ein Bestandteil der andauernden Schikane und aufmerksamkeitserregenden Bestrebungen von Art Capital." Leibovitz' werde sich weiter "ihrer Fotografie widmen und ihre Finanzen regeln".

Alle anderen jedoch starren seither mehr auf Leibovitz' Geldnöte als auf ihre Fotos. Denn wie die Klage auch ausgeht - ihre Situation ist düster. Experten glauben, dass nur ein Insolvenzverfahren oder die Millionenspende eines Klienten sie noch vor der Zwangsvollstreckung retten kann - und dem Verlust ihres gesammelten Kunstnachlasses.

Laut Klageschrift bahnte sich das Chaos schon seit langer Zeit an. Das Supertalent mit dem Auge fürs perfekte Motiv scheint blind und talentlos, was das Bild der eigenen Finanzen angeht. Die Frau, die die High Society abbildete und mit ihren Fotos oft enthüllte, wird auf einmal selbst zum Symbol für die Fallstricke von Glamour, Ruhm und Geld.

"Sie ließ überall Mietwagen rumstehen"

Leibovitz' Umgang mit Geld ist berüchtigt. "Am Anfang reiste ich alleine", berichtet sie in ihrem Buch "Annie Leibovitz at Work". Doch am Ende arbeitete sie, umringt von Assistenten, in einem riesigen Garagenstudio in Chelsea, das sie schließlich aus Kostengründen aufgeben musste: "Die Dinge liefen aus dem Ruder."

Schon Anfang der achtziger Jahre, bevor sie bei "Vanity Fair" das fetteste Spesenkonto der Szene bekam, war Leibovitz für ihre finanzielle Nonchalance berüchtigt. Sie sei "unverantwortlich", sagt selbst Jann S. Wenner, der Gründer des Musikmagazins "Rolling Stone" und ihr erster Mentor und Auftraggeber, im Dokumentarfilm "Life Through a Lens". "Sie ließ überall Mietwagen rumstehen und lieferte Aufträge nicht rechtzeitig ab."

Bei "Vanity Fair" wurden Leibovitz' Produktionen dann immer aufwendiger. "Jeden Monat wurde es ein kleines bisschen komplizierter", sagte "Vanity Fair"-Redakteurin Jane Sarkin in "Life Through a Lens". "Ihre Anforderungen wurden größer. Feuer, Regen, Autos, Flugzeuge, Zirkustiere - was immer sie verlangte, sie bekam es."

Heraus kamen stets grandiose Aufnahmen. Whoopi Goldberg in einer Badewanne mit Milch. Demi Moore, hochschwanger und nackt. Die Queen in voller Robe, das erste Porträt der Monarchin, das ein Amerikaner schoss.

Nichts war Leibovitz zu teuer, niemand war sich zu schade, für sie die ungewöhnlichsten, umständlichsten Posen einzunehmen: Brad Pitt, Nicole Kidman, die Stones, Bill Clinton, Staatschefs, Minister. Jedes ihrer Cover machte Furore, und "Vanity Fair" beschrieb dazu stets fröhlich, wie sündhaft teuer wieder alles gewesen war.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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eurocentric 06.08.2009
1. Schlimmer als Sommerloch??
Danke für die 3 minuten die sie mir geklaut haben beim lesen dieses nonsense. Ist auch gerade sommerloch in NY?
DorisP 06.08.2009
2. Na so was ?!
Zitat von sysopSie ist die berühmteste Fotografin der Welt, bekannt für ihre aufwendigen Shootings. Jetzt ist Annie Leibovitz wegen ihrer enormen Schulden selbst ins Visier geraten: Eine mächtige Finanzfirma will den kompletten Besitz der New Yorker Künstlerin versteigern - es geht um Millionen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,640789,00.html
Und ich dachte Bernhard Madoff hätte ihr Geld geklaut ;-$
Cortado#13, 06.08.2009
3. Leibovitz, wer ist das?
Vielleicht weiss nur Moses alleine, warum die Leibovitz angeblich die beste Fotografin der Welt sein soll? Und wer behauptet das, wer hat das entschieden? Grössenwahn kommt vor dem Fall!
marypastor 06.08.2009
4. Leibovitz
Zitat von sysopSie ist die berühmteste Fotografin der Welt, bekannt für ihre aufwendigen Shootings. Jetzt ist Annie Leibovitz wegen ihrer enormen Schulden selbst ins Visier geraten: Eine mächtige Finanzfirma will den kompletten Besitz der New Yorker Künstlerin versteigern - es geht um Millionen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,640789,00.html
[QUOTE=sysop;4133984]Sie ist die berühmteste Fotografin der Welt, bekannt für ihre aufwendigen Shootings. Jetzt ist Annie Leibovitz wegen ihrer enormen Schulden selbst ins Visier geraten: Eine mächtige Finanzfirma will den kompletten Besitz der New Yorker Künstlerin versteigern - es geht um Millionen. Die meisten Genies konnten nicht mit Geld umgehen. Dafuer hinterliessen sie der Welt wunderschoene Produkte. Finanzgenies und deren Hinterlassenschaften sind hier nicht eingeschlossen.
Peggy Bundy 06.08.2009
5. xxx
Das Blöde an der menschlichen Natur in Bezug auf Erfolg ist, dass man glaubt, dass es ewig so weiter geht, was in diesem Zitat sehr treffend formuliert wurde: ---Zitat--- "Erfolgreiche Individuen sind empfänglicher für den Glauben, dass es immer genug Geld gebe. Sie gehen bemerkenswerte Risiken ein und glauben, dass sich schon alles richten wird." ---Zitatende--- Das Schicksal von Frau Leibovitz ist ja nicht einmalig in der Krise. Es tut mir leid für sie und auch, dass man ihre Geschichte in die Öffentlichkeit zerrt. Ihr als Fotografin mangelndes Finanzverständnis anzulasten, ist etwas merkwürdig, nachdem die größten Finanzcracks der Welt das Bankensystem ruiniert haben. Na ja, wenigstens wurden hier einige von ihren bemerkenswerten Fotos veröffentlicht. Die werden unvergesslich sein. Es wird zwar Frau Leibovitz in der Lebenslage kein Trost sein, aber viele großen Künstler sind bettelarm gestorben. ;-)
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