Hohenschönhausen Vizedirektor von Stasi-Gedenkstätte soll Mitarbeiterinnen belästigt haben

Sieben Frauen werfen dem Vizedirektor der Gedenkstätte Hohenschönhausen übergriffiges Verhalten bis hin zu sexueller Belästigung vor. Die zuständige Berliner Senatsverwaltung hat bereits Untersuchungen eingeleitet.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
DPA

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen


Mitarbeiterinnen der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen werfen dem Vizedirektor Helmuth Frauendorfer vor, ihnen zu nahe getreten zu sein. Die sieben Frauen richteten sich schon am 8. Juni mit einem Brief an Berlins Kultursenator Klaus Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Das berichtete zunächst der Sender rbb auf seiner Internetseite, inzwischen bestätigte ein Sprecher der Kultursenatsverwaltung den Sachverhalt. Demnach hat die Senatsverwaltung Untersuchungen eingeleitet.

Bereits 2016 soll es schon ähnliche Vorwürfe von Mitarbeiterinnen an die Adresse von Frauendorfer gegeben haben. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen nun abgewartet und dann eine Entscheidung getroffen werden. Frauendorfer ist weiterhin im Amt und bislang nicht suspendiert.

Der Mann soll über Jahre hinweg Grenzen überschritten haben. Dazu zählen nächtliche Textnachrichten, in denen er Mitarbeiterinnen zu privaten Treffen inklusive Übernachtungsmöglichkeit bei ihm eingeladen haben soll. Die Frauen berichten auch von körperlichen Annäherungen, außerdem soll Frauendorfer ungefragt von sexuellen Vorlieben, Bordell- und Swingerklub-Besuchen berichtet haben.

"Frauenbild der Fünfzigerjahre"

Laut "Tagesspiegel" berichten die Frauen in ihrem Brief von einem "strukturellen Sexismus aus der Führungsetage als role model für andere männliche Abteilungsleiter, körperliche Nähe und privaten Kontakt zu jungen Mitarbeiterinnen zu suchen, anzügliche Bemerkungen zu machen".

Die Vorwürfe beziehen auch den Leiter der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, mit ein. Auch er habe sich einigen Frauen gegenüber inadäquat geäußert. Die beiden Leiter hätten insgesamt ein Klima erzeugt, dass dem "Frauenbild der Fünfzigerjahre" entsprochen habe.

Knabe ließ inzwischen eine Presseerklärung verschicken, in der er sich betroffen über die Berichte zeigt: "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go." Die Vorwürfe müssten ohne Ansehen der Person aufgeklärt werden. Der Stiftungsrat der Gedenkstätte werde sich am 25. September mit den Vorwürfen befassen und Konsequenzen beschließen.

Anzeige gegen unbekannt

Knabe betont in dem Schreiben, er selbst habe erst am Montag von den Vorwürfen erfahren. Bereits vor zwei Jahren habe er Frauendorfer auf Vorwürfe angesprochen, danach habe dieser versprochen, sein übergriffiges Verhalten abzustellen. Im April 2018 habe Knabe Anzeige gegen unbekannt gestellt, nachdem er erneut von anonymen Beschwerden gehört habe.

Seit den Neunzigerjahren erinnert die Gedenkstätte Hohenschönhausen an die Opfer der zentralen Untersuchungshaftanstalt der DDR. Sie treibt auch die Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen voran. In Hohenschönhausen wurden politische Gefangene inhaftiert und gefoltert.

Mit den aktuellen Vorwürfen gerät die Gedenkstätte in noch schwierigeres Fahrwasser. Bereits im August wurde bekannt, dass die Stiftung ihre Zusammenarbeit mit dem Förderverein ausgesetzt hat. Grund ist die Nähe des Leiters des Fördervereins, Jörg Kürschner, zu AfD-Positionen. Kürschner, selbst ehemaliger Häftling in Hohenschönhausen, schreibt für die Zeitung "Junge Freiheit", die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt.

kae



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