Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen Mitarbeiterinnen werfen Vizedirektor übergriffiges Verhalten und Belästigung vor

Weibliche Beschäftigte der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen erheben schwere Vorwürfe: Der Vizedirektor zeige mangelnde "Sensibilität" gegenüber Kolleginnen. Damit wird erneut die Personalführung des Leiters Hubertus Knabe ein Thema.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
DPA

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen


Sieben ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bezichtigen den stellvertretenden Direktor Helmuth Frauendorfer, sie sexuell belästigt zu haben. Der Berliner Senat hat eine Untersuchung eingeleitet.

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Die Vorwürfe haben auch Auswirkungen auf den Gedenkstätte-Direktor Hubertus Knabe. Dessen Personalführung ist zum wiederholten Male ein Thema, wie Unterlagen zeigen, die dem SPIEGEL vorliegen. Die Mitarbeiterinnen schreiben in ihrem Brief, sie hätten sich nicht getraut, sich direkt an Knabe zu wenden. Vertreter des Stiftungsrats empfahlen dem Historiker schon 2002 nach einem Konflikt mit seiner damaligen Stellvertreterin, er möge "Fortbildungsseminare für Führungskräfte besuchen".

2014 erklärte der Wissenschaftler Jens Gieseke in einer Sitzung des Beirats laut Protokoll, dass "ihn in den vergangenen Jahren mehrere Mitarbeiter der Gedenkstätte auf ein ungünstiges Betriebsklima angesprochen hätten". Knabe entgegnete, seine Tür stehe "für die Mitarbeiter immer offen", viele aber seien wegen der seit Jahren unveränderten Bezahlung frustriert.

Knabes Schicksal ist ungewiss

Ende 2017 sprach Gieseke erneut das "ungute" Betriebsklima an. Auch die laut eigenen Angaben belästigten Mitarbeiterinnen schreiben in ihrem Brief an Berlins Kultursenator Klaus Lederer sowie Kulturstaatsministerin Monika Grütters, es gebe in der Gedenkstätte eine "gering strukturierte Arbeitsorganisation bei eingeforderter maximaler Verfügbarkeit und Arbeitsbelastung mit starkem psychischen Druck durch Zeitverträge". Knabe weist das zurück; die Gedenkstätte leiste eine "hervorragende Arbeit".

Der Stiftungsrat tagt am Dienstag; Knabes Vize Frauendorfer wird seinen Posten wohl verlieren. Dessen Anwalt Michael Steiner hat erklärt, die Vorwürfe seien "zum Teil wirklich berechtigt", Frauendorfer habe es an der "erforderlichen Sensibilität fehlen lassen" und hätte genauer prüfen müssen, wie sein Verhalten auf Kolleginnen wirke. Knabes Schicksal ist ungewiss. Er hat diese Woche eine "Antidiskriminierungsbeauftragte" ernannt.

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