Österreichische Satirikerin Sargnagel Verfassungsschutz ermittelt wegen Hasspostings

Eine österreichische Boulevardzeitung hetzte gegen die Autorin Stefanie Sargnagel, die daraufhin Vergewaltigungsdrohungen erhielt. Jetzt ermittelt der Verfassungsschutz.

Autorin Stefanie Sargnagel im Jahr 2016
DPA/ APA

Autorin Stefanie Sargnagel im Jahr 2016


Nach einer Welle von Hasspostings gegen die Autorin Stefanie Sargnagel hat das österreichische Landesamt für Verfassungsschutz die Ermittlungen aufgenommen. "Es könnte sich um den Straftatbestand der Verhetzung handeln", sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Der Standard".

Die Österreicherin Sargnagel hatte zusammen mit zwei weiteren Autorinnen einen Beitrag über eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Reise nach Marokko veröffentlicht, in dem sie satirisch überspitzt auf schnodderige Art über Alkohol, einen Ausflug im Minirock, Drogen und angebliches Katzentreten berichtete.

In einer Kolumne hatte die "Kronen Zeitung" unter der Überschrift "Saufen und Kiffen auf Kosten des Steuerzahlers" das Verhalten der Facebook-Poetin und ihrer Begleiterinnen kritisiert. Daraufhin kam es in sozialen Medien zu Gewaltaufrufen gegen die Autorin.

Und damit nicht genug: Offenbar meldeten die Kritiker auch massenweise Sargnagels Facebook-Profil, das daraufhin für 30 Tage gesperrt wurde - wegen "problematischer Inhalte", wie die Autorin selbst twitterte.

Gerhard Ruiss, Sprecher der IG Autorinnen und Autoren, verurteilte die Angriffe: "Es ist schlecht bestellt um das politische, gesellschaftliche und kulturelle Klima in Österreich." Ein außer Rand und Band geratener Mob bedrohe die Autorinnen mit Vergewaltigung und Tod. Die 31-Jährige hatte 2016 beim Bachmannpreis den Publikumspreis gewonnen.

Auch Florian Klenk, Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung "Falter", kritisierte die Hetzkampagne gegen Sargnagel scharf. Als möglichen Hintergrund für die Kampagne der "Kronen Zeitung" sieht er die von Sargnagel gegründete weibliche Burschenschaft Hysteria, die sich zum Ziel gesetzt hat, rechtsextreme Vereinigungen lächerlich zu machen.

Sargnagel selbst nahm die Angelegenheit - zumindest auf ihrem Twitteraccount - mit Humor.

ala/dpa



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