Französische Schauspielerin Stéphane Audran ist tot

Sie wurde mit Filmen wie "Babettes Fest" und "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" bekannt. Nun ist Stéphane Audran mit 85 Jahren gestorben.

Stéphane Audran (Archiv)
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Stéphane Audran (Archiv)


Die französische Schauspielerin Stéphane Audran ist tot. Die frühere Ehefrau des Starregisseurs Claude Chabrol starb im Alter von 85 Jahren. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Sohn der Schauspielerin, Thomas Chabrol. Audran starb demnach an den Folgen einer Krankheit.

Stéphane Audran, die als Colette Suzanne Jeannine Dacheville in Versailles bei Paris geboren wurde, hatte als gelernte Bühnenschauspielerin in den Fünfzigerjahren am Theater debütiert, bevor sie vom französischen Nouvelle-Vague-Regisseur Claude Chabrol entdeckt wurde. Audran, deren Paraderolle die der unterkühlten, manchmal boshaften Frau war, hinter deren distanzierter Fassade die Zuschauer ein Geheimnis wittern konnten, war 1968 in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden - für ihre Darstellung der bisexuellen Frédérique in dem Chabrol-Thriller "Zwei Freundinnen". Insgesamt drehte sie mit Chabrol, mit dem sie von 1964 bis 1980 verheiratet war, um die 20 Filme.

Ihren großen Durchbruch feierte Audran 1972, als ihr der spanisch-mexikanische Filmemacher Luis Buñuel eine Hauptrolle in seiner surreal anmutenden Horrorkomödie "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" gab. In der boshaften Abrechnung mit dem Großbürgertum verkörperte Audran die nur vordergründig spießige Gastgeberin und Gattin Alice Sénéchal - und wurde dafür mit dem British Academy Award ausgezeichnet.

Szene aus "Babettes Fest"
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Szene aus "Babettes Fest"

In den Achtzigerjahren brillierte sie unter anderem in Samuel Fullers Kriegsdrama "The Big Red One" und in "Babettes Fest" des dänischen Regisseurs Gabriel Axel, der bei den Oscars 1988 den Preis für den besten fremdsprachigen Film einheimste. Zwei Jahre zuvor, 1986, war Stéphane Audran von Frankreich zur Ritterin der Ehrenlegion ernannt worden, im Jahr 1990 kam der französische Verdienstorden hinzu. Zuletzt spielte Stéphane Audran 2008 in der französischen Tragikomödie "Das Mädchen aus Monaco".

Freie und unabhängige Frau

Privat interessierte sich Stéphane Audran für gutes Essen und für Mode. Sie war eng mit Karl Lagerfeld befreundet und trug mit Vorliebe seine Entwürfe. Doch Kleidung war ihr auch bei der Arbeit ein Hauptanliegen: "Erst, wenn ich in die Kleidung für die Rolle schlüpfe, verstehe ich, wie die Person tickt." Zudem war sie politisch aktiv: Sie gehörte zu den 343 Unterzeichnerinnen des "Manifeste des 343", in dem französische Frauen im April 1971 im "Nouvel Observateur" offenbarten, dass sie abgetrieben hatten, um für eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zu werben.

Stéphane Audran mit Anthony Perkins in "Der Champagnermörder"
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Stéphane Audran mit Anthony Perkins in "Der Champagnermörder"

Laut dem französischen Filmregisseur Jean-Pierre Mocky, der mit ihr beim Dreh für seinem Film "Ein turbulentes Wochenende" (1988) arbeitete, war Stéphane Audran in der Lage, "freie und unabhängige Frauen so zu spielen, wie sie selbst auch im wirklichen Leben war".

bsc/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
haiti 29.03.2018
1. Chapeau
Ich verbeuge mich vor dieser großartigen und intelligenten schönen Frau.
der sachliche 29.03.2018
2. Tolle Frau
Habe gestern auf arte noch einmal "Die untreue Frau" gesehen. Ein Traum. Ruhe in Frieden
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