Stiller Malerstar Ludger Gerdes ist tot

Er baute ein "Schiff für Münster" und schuf "visuelle Metaphern" an öffentlichen Plätzen: Für Künstler Ludger Gerdes sollte Kunst autonom und kommunikativ sein. Jetzt ist der 54-Jährige bei einem Autounfall verstorben.


Düsseldorf - Er galt bei Kennern als einer der "Stillen" unter den wichtigen Künstlern seiner Generation: Ludger Gerdes.

Der 1954 bei Cloppenburg geborene Maler und Bildhauer war seit den achtziger Jahren mit seinem Werk aus Malerei, Grafik und Plastik in zahlreichen Ausstellungen präsent. Mit seinem markanten Beitrag für die Skulptur-Projekte in Münster war Gerdes 1987 einem größeren Kunstpublikum bekanntgeworden: Ein "Schiff für Münster" hieß der "Zweimaster", den er inmitten einer Wasserfläche mit Bug, Heck und Kajüte errichtet hat.

Schon 1982 war der ehemalige Student Gerhard Richters an der Kunstakademie in Düsseldorf auf der Kasseler Documenta präsent. In den Achtzigern und frühen Neunzigern hat sein Werk die international tätige Avantgarde-Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf vertreten - die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt war über Jahrzehnte der Lebensmittelpunkt von Gerdes. Ausgezeichnet wurde der Künstler, der auch an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe unterrichtet hat, unter anderem im Jahr 1994 mit dem Sprengel-Preis für Bildende Kunst in Hannover.

Die Frage nach Rolle und Aufgabe von Kunst hat Gerdes zeitlebens umgetrieben. Gerade im öffentlichen Raum wollte er darauf mit seinen Arbeiten antworten: Werke, die im Expertenurteil "visuelle Metaphern" und "Denkmodelle" sind, die zur Kommunikation anregen.

Dazu zählt die Gestaltung des Walter-Sedlmayer-Platzes in München (2003) ebenso wie eine Arbeit in Marl, die als "Neon-Stück" am Rathaus der Ruhrgebietsstadt prangt. Das Wort "Angst" leuchtet dort in gelber Schreibschrift.

Bekannter noch ist das "Schrift-Stück", von dem ein Exemplar im Garten des Krefelder Museums Haus Lange zu sehen ist und das ebenso nüchtern wie leidenschaftlich von der Vielschichtigkeit des Individuums erzählt.

"Ichs dürfen können wollen sollen müssen sterben", hatte Gerdes - in Neon gebogen, in Sandstein geritzt - als unausweichliche Tatsache des Kreislaufes von Leben und Tod in den öffentlichen Raum "geschrieben".

In der Nacht zu Freitag starb der 54-Jährige bei einem schweren Autounfall nahe Dülmen in Westfalen. Die Todesnachricht kam am Montag von der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, an der Gerdes seit 2005 als Professor für Malerei lehrte.

Antje Lorscheider, dpa



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