Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

"Stirb langsam" an Ostern: Bischöfe prangern Privatsender an

Der neue Münchner Erzbischof Reinhard Marx und sein Amtsbruder Gebhard Fürst haben das Osterprogramm der privaten Fernsehsender kritisiert. Filme wie "Stirb langsam" seien kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft.

Hamburg - Wenn sich die Feiertage häufen, dann hieven die privaten TV-Sender besonders viele Blockbuster ins Programm: RTL lässt am Ostersonntag King Kong frei, Jean Claude van Damme prügelt sich am Samstag bei ProSieben durch ein Höllen-gefängnis ("In Hell"). Und bei Sat.1 darf Bruce Willis alias John McClane gleich an drei Abenden böse Terroristen ins Jenseits befördern: in den Teilen 1 bis 3 von "Stirb langsam".

Für den neuen Münchner Erzbischof Reinhard Marx sind derartige Actionthriller zu Ostern nicht akzeptabel: "Ich schaue mir so etwas nicht an", erklärte er mit Blick auf Filme wie "Sudden Death" oder "Stirb langsam" am Karfreitag. Solche Sendungen seien "natürlich auch kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft", sagte Marx der Zeitung "Bild am Sonntag". Er hofft nach eigenen Worten darauf, dass die Zuschauer Programme auswählen, die den Ostertagen gemäß sind.

Bischof Gebhard Fürst, der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, kritisierte ebenfalls das österliche TV-Programm. "Offenbar gehen die Privatsender davon aus, dass Religion Privatsache ist und bei ihnen nicht vorkommen muss", sagte er dem SPIEGEL. Man schaue dort leider nur auf die Quoten. "Das ist ein Angriff auf die öffentliche Ordnung", sagte Fürst.

Marx, der Erzbischof von München und Freising, verwies außerdem auf die Verantwortung der christlichen Parteien für das Niveau des Programms: "Die CDU hat das Privatfernsehen doch gefördert und glaubte, die TV-Qualität werde sich bessern." Er sei da immer schon skeptisch gewesen. "Nicht immer sorgt der freie Markt für Qualität", zitiert ihn das Blatt.

Auch Fürst kritisierte die Qualität des TV-Programms von RTL & Co. "Die Privatsender haben Talk-shows, die den Titel nicht verdienen", sagte er. Wenn dort verhaltensauffällige Menschen vorgeführt würden, habe das absolut keinen Informationswert. Es würden Menschen instrumentalisiert, damit andere sie auslachen könnten. "Sendungen wie 'Deutschland sucht den Superstar', die auch am Ostersamstag läuft, verletzen die Menschenwürde", so Fürst. Die Hemmschwelle, auch im echten Leben mit Menschen entwürdigend umzugehen, sinke durch solche Formate noch weiter.

hda/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Vote
"Sudden Death" am Karfreitag

Filme wie "Sudden Death" oder "Stirb langsam" sind kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft, sagt der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Hat er Recht?

Die Abstimmung ist beendet. Klicken Sie hier, um das Ergebnis zu sehen.


Fotostrecke
Ostern 2008: Mord und Totschlag im Fernsehen

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: