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S.P.O.N. - Oben und unten: Niemand muss lecken müssen

Eine Kolumne von

Noch meckern sie nur, aber wenn das so weiter geht, übernehmen uns diese Minderheiten bald komplett, machen unsere Kinder schwul und unseren geordneten Alltag kaputt. Das darf nicht passieren. Zum Glück kämpft Gaga-Biggi für uns.

Wir haben es ja auch nicht leicht. Wie gern wir einfach wieder unsere Ruhe hätten! Ist das Tinnitus oder was ist das, was wir da jetzt ständig hören? Ach so, nee, das sind Leute. Leute, die sich beschweren. Aha. Niemand mag Menschen, die dazwischenlabern und immer nur rumheulen. Ist so. Und das tun die doch die ganze Zeit. Rumheulen. Als wenn wir darauf Bock hätten. Haben wir nicht. Wir könnten euphorisch sein, ja, vielleicht, wenn wir bekloppte Hippies wären, aber wir sind angepisst.

Wir müssen uns vielleicht auch erst mal vorstellen, wenn wir immer nur "wir" sagen. Müssen wir? Nö, müssen wir eigentlich nicht. Wir halt. Die Mehrheit. Die Neutralen und Normalen. Reicht doch. Wir, das sind die, die hart bleiben müssen, wenn jetzt die ganzen Flüchtlinge kommen. Damit die gleich mal wissen, wie der Hase hier läuft, der sogenannte, denn so sagt man das hier: Der Hase läuft. Können die gleich mal lernen.

Stabilität zwischen Aronal und Elmex

Und es läuft auch bei uns, im Großen und Ganzen, solange uns nicht irgendwelche asozialen kleinen Minderheiten auf den Sack gehen. Ha, Minderheiten ist gut gesagt, wenn die immer gleich ihre riesigen Familien nachholen wollen, nicht wahr? Und wenn die Schwulen jetzt auch Kinder adoptieren wollen und so. Das ist unsere Horrorvorstellung. Schwule Kinder mit Federboa. Aber wir lassen uns nicht lumpen, wir kriegen auch Kinder. Manchmal sogar vier. Ist doch gut. Dann gibt es mehr von uns.

Wir müssen uns nämlich wehren, weil der Wahnsinn umgeht. Eine von uns hat ein Buch geschrieben, das heißt: "GenderGaga. Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will." Unseren Alltag! Das Beste, was wir haben, all die formvollendete Stabilität zwischen Aronal und Elmex, erobert von einer Ideologie, einer absurden noch dazu! Ideologien mögen wir nicht. Wir selbst haben keine. Woher auch? Und wozu?

Wir hätten vielleicht eine, wenn wir etwas von diesem Genderkram studiert hätten. Da lernt man das ja. Also, ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung, was man da genau lernt. Dass es tausend Geschlechter gibt, oder so. Das finden wir albern. Uns reichen zwei. Also, eins für jeden. Dass das klar ist. Geschlechter, nicht Gender. Auf Gender haben wir keinen Bock. Unsere Väter und Großväter haben in Stalingrad gekämpft, ganz ohne Gender.

Was haben wir gelacht neulich, als jemand im Blog einer Gender-Studies-Fachschaft einen Text fand, in dem die Fachschaft erklären wollte, warum jemand aus ihrer Initiative ausgeschlossen wurde. Was standen da für lustige Wörter drin! "Anfang Juli 2015 sah sich die weiß und mehrheitlich cis*-positionierte Fachschaft Gender Studies (FSI) dazu gezwungen, eine weiß und trans*-positionierte Person (R.) auszuschließen." Wörter mit Sternchen! Wörter in kursiv! Mit Unterstrich auch! Was haben wir gekichert und den Link auf Twitter rumgereicht. Diese Trottel, nicht wahr? Wie die reden! Beziehungsweise, wie die schreiben, weil, höhö, reden kann man so ja gar nicht. Wir jedenfalls nicht. "Ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC", das hatten wir vorher nie gehört, und dann lachten wir uns halt tot.

Man wird doch noch fragen dürfen

Wie die auch immer gleich alle bockig sind! Überall gekränkte Leute. "Mikroaggressionen" heißt das jetzt, wenn man aus Versehen irgendwelche Leute rassistisch oder sexistisch oder sonst wie abwertet, obwohl man das gar nicht wollte. Man wollte doch nur mal fragen, wo sie denn nun wirklich herkommen und so. Bisschen Small Talk.

Wenn wir uns hier in jede Minderheit einfühlen, kommen wir zu gar nichts mehr. Minderheiten, wie das schon klingt! Gruseliges Wort. Wie Minderbemittelte. Wie Machenschaften und Kleinkriminelle. "Die Splittergruppe der Transsexuellen", schrieb neulich die "NZZ". Nee, Splittergruppen sind uns zu krass. Haben wir im Duden nachgeguckt. "Splittergruppe, die: kleine (besonders politische, weltanschauliche) Gruppe [die sich von einer größeren abgesplittert hat]" - wollen wir nicht. Hier wird nicht abgesplittert. Gibt schon genug Verrückte, die uns nerven. Irgendwelche einbeinigen, alleinerziehenden Lesben, die ihre Kinder von unseren Steuergeldern glutenfrei ernähren und die nur darauf warten, in einem Leitartikel zur Ukraine nicht miterwähnt zu werden um dann wütend aufzumarschieren.

Aber eine von uns, die kann sich in die einfühlen. Nennen wir sie Gaga-Biggi. Das ist die mit dem Gender-Gaga-Buch und den vier Kindern. Die ist jetzt von der CDU in Sachsen zur Expertin ernannt worden, für die "Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen". Die "taz" fand das komisch und queer.de auch, weil es da um sexuelle Vielfalt geht und Gaga-Biggi ja das Genderzeug so bescheuert findet. Ach, unsere Birgit! Wir lieben sie für ihren Humor. Die ist nämlich selber vielfache Minderheit, katholische Rumäniendeutsche mit vier Kindern, und dann ätzt sie immer gegen Minderheiten. Das finden wir schön frech und mutig. "Wir haben ständig neue, gekränkte Minderheiten", hat sie neulich bei "Hart aber fair" gesagt. "Wir", das waren wir!

Überhaupt sitzt sie gern in Talkshows und da hat sie auch bewiesen, dass sie nämlich sehr wohl Ahnung von sexueller Vielfalt hat. Bei der Maischberger hat sie erklärt, wie Lesben Liebe machen: Die lecken sich. Das finden wir eklig. Niemand muss lecken müssen! Wenn wir uns 'ne Kugel Eis kaufen, dann beißen wir da erst mal volle Lotte rein, damit keiner denkt, dass wir Lesben sind. Aber Gaga-Biggi weiß Bescheid. Reicht doch! Machen Lesben auch noch was anderes außer lecken? Nö. Eben. Deswegen finden wir das gut, dass sie da jetzt Expertin ist. Die soll sich mal kümmern. Dann haben wir ein Problem weniger. Puh.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 284 Beiträge
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1. Bravo
Bondurant 01.10.2015
Frau Kelle wird danken, beweist die Autorin doch, dass man für völlig sinnfreie und scheinhumorige Texte auch noch Geld kriegt, wenn man nur in der richtigen Gender-Front positioniert ist.
2.
doppelpost123 01.10.2015
Hat mich in meiner Mittagspause gut unterhalten - danke ;)
3.
agztse 01.10.2015
Naja, immerhin inmitten all dem pseudo-satirischem Kauderwelch steht klar das Gender eine Ideologie ist. Keine Wissenschaft also.
4. Es ist doch schön..
cpberlin 01.10.2015
.. das sich Frau Stokowski hier ihren Frust von der Seele schreiben kann und genauso Geld damit verdient, wie Frau Kelle. Damit ist niemandem und gleichzeitig allen geholfen. Es lebe das Internet!
5.
pelayo1 01.10.2015
Wenn hier jemand gaga ist, dann die Autorin dieses Textes. Diesen radikalfeminismus können sie keinem verkaufen. Mehr als 95% aller Menschen sind heterosexuell und werden aus auch immer sein, schon aus rein biologischen Gründen, sonst gäbe es uns schon lange nicht mehr. Damit wird sich auch die Autorin abfinden müssen, egal wieviel Genderpädagogik man den Kindern aufzwingt.
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