"Stoßender Kolben" Norman Mailer gewinnt "Bad Sex Award"

Besser mieser Sex als gar keiner - zumindest, solange es nur in einer Roman-Szene zur Sache geht. Das hätte der kürzlich verstorbene Skandalautor Norman Mailer bestimmt auch so gesehen. Posthum wurde er jetzt mit dem berüchtigten "Bad Sex Award" ausgezeichnet.


London - Norman Mailer war politisches Gewissen und Feingeist - er galt aber auch als Rabauke und Draufgänger. Als der berühmt-berüchtigte amerikanische Schriftsteller vor wenigen Wochen im Alter von 84 Jahren verstarb, wurde er gerade für diese ambivalente Qualität seiner Persönlichkeit und seines Werkes gewürdigt.

Jetzt wurde der raubeinige Intellektuelle mit einer doch eher ungewöhnlichen Auszeichnung bedacht: Eine Jury verlieh ihm den Preis für die mieseste Sex-Szene in einem Roman im Jahr 2007. Mailer "hätte den Preis sicher mit einem Sinn für Humor angenommen", meinte die Jury, die seine Arbeit ansonsten lobend erwähnte.

Sein Roman "Das Schloss im Wald" trug mit der Bezeichnung des Penis als "stoßender Kolben" den Sieg davon. Im Grabe umdrehen muss Mailer sich deswegen nicht, umfasst doch die Reihe seiner Vorgänger illustre Literaten wie Salman Rushdie, A.A. Gill und Melvyn Bragg.

Bei der Preisverleihung tranken rund 400 Gäste auf das Wohl des Siegers, Schauspielerinnen lasen aus den nominierten Passagen. Neben Mailer waren unter anderem Autoren wie David Thewlis, Ali Smith, Christopher Rush und Clare Clark im Rennen um den Sex-Award.

Der Preis, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wurde, soll "Aufmerksamkeit auf grobe, geschmacklose und oberflächliche Passagen von Sex-Beschreibungen im modernen Roman lenken".

hoc/AFP



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