Streit über piefige Franken Wie der "Tatort" die Bayern spaltet

Die jüngste Folge der ARD-Reihe "Tatort" hat die uralte Kluft zwischen Franken und Bayern offenbar weiter vertieft. Die Figur eines fränkischen Aushilfskommissars beim Münchner Ermittler-Team war so piefig, dass ein Nürnberger CSU-Mann jetzt Wiedergutmachung für seine Landsleute fordert.


Nürnberg - Die "Tatort"-Folge "Der Prügelknabe" vom Ostermontag hat den Zwist zwischen Franken und Bayern weiter geschürt. Der CSU-Politiker Markus Söder ist so entsetzt, dass er vom Bayerischen Rundfunk (BR) eine "Wiedergutmachung an Franken" fordert. Die Überzeichnung des fränkischen Kommissars sei zeitweise unerträglich gewesen, kritisierte Söder am Dienstag.

BR-Sprecher Rudi Küffner reagiert verständnisvoll freundlich und nur ein ganz kleines bisschen spöttisch auf die landsmannschaftlichen Vorwürfe. "Die Franken", sagt er gegenüber SPIEGEL ONLINE, "beschweren sich immer, dass sie zu kurz kommen." Er beeilt sich aber hinterherzuschieben, dass die Kritik auch an höchster Stelle angekommen sei. Selbst Intendant Thomas Gruber, jahrelang Leiter des Franken-Studios in Nürnberg, habe sich über den Charakter des Aushilfskommissars geärgert.

Der Schauspieler Thomas Schmauser hatte die Figur des "Kommissars Wolfgang Hackl" gespielt, der zur Urlaubsvertretung von der Mordkommission Nürnberg in die Landeshauptstadt entsandt wurde und dort an der Aufklärung politisch motivierter Morde mitwirkte.

"Mehr als 6,6 Millionen Fernsehzuschauer bekamen wieder einmal das Klischee des piefigen, kleingeistigen und besserwisserischen Franken serviert", bemängelte der Nürnberger Abgeordnete und Vorsitzende der CSU-Medienkommission.

"Kommissar Hackl ist vom Bayerischen Rundfunk zu einer Aufbereitung bekannter Vorurteile der Altbayern gegenüber den Franken missbraucht worden", urteilte Söder. Sei die fränkische Mundart als Sprache im Fernsehen noch wünschenswert, so sei die wiederholte Lächerlichmachung Hackls bei Konzentrationsübungen in Unterwäsche und Socken bereits grenzwertig. Indiskutabel aber sei die unverhohlene Charakterisierung des fränkischen Ermittlers als Rassist. Dies sei für die nordbayerische Polizei insgesamt Image schädigend.

Die Wiedergutmachung an Franken kann nach Söders Einschätzung nur aus einer weiteren "Tatort"-Folge bestehen. In dieser müsste ein fränkischer Kommissar als Sympathieträger das Bild wieder gerade rücken, verlangt Söder.

Das indes wird offenbar schwierig. "So schnell wird das nichts werden," erklärte Küffner gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der nächste "Tatort" aus Bayern laufe im Herbst und werde bereits gedreht. Für den geforderten Wiedergutmachungs-Krimi müsse erstmal ein Autor gefunden werden.



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