Aus fürs Deutsche Fernsehballett Der hässliche Tanz ums letzte Geld

Das Deutsche Fernsehballett blickt auf eine lange Geschichte zurück, mehr als 50 Jahre lang flogen die Beine, erst in der DDR, dann für den MDR, zuletzt für zweifelhafte Politiker in Osteuropa. Nun droht den TV-Tänzern ein unwürdiger Abgang - der Besitzer und der MDR streiten sich ums Geld.

DPA

Leipzig - Um das Ende des Deutschen Fernsehballetts ist ein heftiger Streit entbrannt. Der derzeitige Ballett-Besitzer Peter Wolf hat den MDR auf Schadenersatz verklagt. Wie Wolf der Nachrichtenagentur dpa sagte, fordert er 1,1 Millionen Euro von dem Sender.

Wolf bestätigte damit einen Bericht der "Bild am Sonntag". Vor einer Woche war bekannt geworden, dass das Fernsehballett seinen Betrieb Ende März 2014 wegen Auftragsmangels einstellen muss. Wolf geht es nun offenbar um entgangene Aufträge, Investitionen und Gewinne.

Bereits am Donnerstag hat er laut eigenen Angaben eidesstattlich versichert, dass der MDR-Fernsehdirektor ihm in drei Gesprächen Aufträge über 360.000 Euro für Auftritte im MDR und im Ersten für das kommende Jahr zugesagt habe. Der Sender hatte solche Zusagen bisher bestritten. Am Sonntag gab es zunächst keine neue Stellungnahme vom MDR zu den neuerlichen Vorwürfen Wolfs.

Tanzen in Tschetschenien

Das Fernsehballett war im Jahr 1962 im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks der DDR gegründet worden. Es gehörte bald untrennbar zu Fernsehshows wie "Ein Kessel Buntes". Nach dem Ende der DDR drohte dann auch dem Ballett das Aus. Der neu gegründete MDR bot schließlich eine Übernahme an, und so ging das Fernsehballett des DDR-Fernsehens im Januar 1992 in der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH auf. 1999 übertrug der Sender seine Anteile an die Drefa-Holding.

Als die Tänzer des MDR-Fernsehballetts jedoch im Herbst 2011 bei der Geburtstagsfeier des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow auftraten, war das Medienecho verheerend - der Geschäftsführer wurde sogar abgemahnt. Kurz danach trennte sich die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt von ihrem 90-Prozent-Anteil, den sie zuletzt über ihre hundertprozentige Tochter Drefa Media Holding gehalten hatte.

Käufer des Mehrheitsanteils war der Berliner Fernsehproduzent Wolf ("Willkommen bei Carmen Nebel"). "Das Deutsche Fernsehballett bleibt über die nach wie vor vereinbarten zahlreichen Auftritte auch weiterhin eng mit dem MDR-Fernsehen verbunden", sagte Drefa-Geschäftsführer Uwe Geißler damals. Wolf sei ein äußerst branchenerfahrener Unternehmer, der dem Ballett - auch über dessen 50. Geburtstag in diesem Jahr hinaus - bundes- und europaweit eine dauerhafte Perspektive auf hohem künstlerischen Niveau bieten könne.

Wolf wiederum dankte seinerzeit dem MDR für das entgegengebrachte Vertrauen. "Das Deutsche Fernsehballett hat mit dem MDR für die Jahre 2012 und 2013 eine Vielzahl von Auftritten in MDR- und ARD-Sendungen vereinbart, und auch daher blicken wir optimistisch in die Zukunft", sagte Wolf. Offenbar zu Unrecht.

tdo/dpa

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