Ultimatum Hamburgs: Hochtief will Elbphilharmonie weiterbauen

Der Baukonzern beugt sich dem Druck der Stadt: Hochtief hat angekündigt, weiter an der Elbphilharmonie zu bauen - und damit nach sieben Monaten den Stillstand zu beenden. Zuvor hatte die Stadt dem Unternehmen ein Ultimatum gestellt.

Ärger um Elbphilharmonie: Die große Bauerei Fotos
DPA

Hamburg - Im Streit um den Bau der ebenso prestigeträchtigen wie umstrittenen Elbphilharmonie stehen die Stadt Hamburg und der Baukonzern Hochtief vor einer Einigung. Nach sieben Monaten Baustillstand will Hochtief das Konzerthaus weiterbauen. Nur wenige Stunden vor Ablauf eines Ultimatums der Stadt erklärte sich das Unternehmen bereit, die Arbeiten am Dach wieder aufzunehmen. "Wir hoffen, dass unsere konstruktive Lösung beim Saaldach ein positives Klima für eine Einigung bei anderen Themen schafft", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Konzerntochter Hochtief Solutions, Rainer Eichholz.

Hamburg hatte Hochtief vor sechs Wochen ein Ultimatum gestellt: Sollte das Dach über dem großen Konzertsaal nicht bis zum 31. Mai abgesenkt werden, werde die Stadt von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen. Die Arbeiten an der Elbphilharmonie ruhen seit November 2011, weil die Stadt und Hochtief sich über die Sicherheit des Daches streiten.

Schon seit Jahren sorgt die Elbphilharmonie für erheblichen Zwist zwischen der Stadt Hamburg und Hochtief. Ursprünglich war für die Stadt ein Kostenanteil von 77 Millionen Euro veranschlagt worden, inzwischen ist dieser Betrag jedoch auf mindestens 323,5 Millionen Euro gestiegen. Auch der Eröffnungstermin wurde seit der Grundsteinlegung im April 2007 stets verschoben. Aktueller Übergabetermin ist laut Hochtief nicht vor November 2014 - nach dem langen Stillstand auf der Baustelle ist aber selbst dieser Termin kaum noch zu halten.

Neuordnung der Zusammenarbeit

Zumindest in Bezug auf die Dachkonstruktion gibt es nun Bewegung: "Hochtief bereitet die Baustelle auf eine 'Absenkung' des Saaldaches vor und entspricht damit dem Wunsch der Freien und Hansestadt Hamburg", heißt es in einem dreiseitigen Schreiben des Baukonzerns. Derzeit liegt das fast 2000 Tonnen schwere Dach des großen Konzertsaales auf 21 sogenannten Auflagern. Sieben davon sollen mit Hydraulikpressen lastfrei gesetzt werden, um weiterbauen zu können. Dadurch verschieben sich Kräfte in der Stahl-Beton-Konstruktion. Nach Fertigstellung wird das Dach 8000 Tonnen wiegen.

"Berechnungen externer Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass schon in diesem Lastfall einzelne Teile der Konstruktion überlastet sind", teilte Hochtief mit. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Arbeiten aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden müssen. Eine umfassende Ertüchtigung der Dachkonstruktion sei nach wie vor unerlässlich und werde in den kommenden Monaten erfolgen. Die Stadt Hamburg hingegen hält eine solche Ertüchtigung für unnötig und führt mehrere Gutachten ins Feld, die aus ihrer Sicht die Sicherheit des Daches bestätigen.

Unabhängig von der Frage, wie ein Weiterbau am Saaldach ermöglicht werden kann, wollen die Stadt und der Konzern die Zusammenarbeit bei dem Projekt neu ordnen. Die Gespräche liefen laut Hochtief auf Hochtouren. Das gemeinsame Ziel bestehe darin, die Zusammenarbeit nachhaltig zu verbessern und Schnittstellen zu finden, "die eine sichere, kostengünstige und qualitativ hochwertige Realisierung ermöglichen", sagte ein Sprecher.

Zumindest die kostengünstige Realisierung dürfte schwierig werden.

fdi/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Danke Ole von Beust
Hank the voice 31.05.2012
Während tausende von Hamburgern keine Wohnung finden, die Straßen voller Schlaglöcher sind und etliche Kinder in der Stadt keinen Kitaplatz bekommen, hat unser Ex-Bürgermeister 500 Mio € an Steuern rausgehauen um den Klassik Freunden der Stadt einen Musiktempel zu bauen. Der den Steuerzahler eigentlich nichts kosten sollte, nun funktioniert der Tempel noch nichtmal die Garage wird für die S-Klassen zu eng sein..... Unfähigkeit im Amt hat einen Namen Ole von Beust Schade das er für seine Fehler nicht zahlen muss
2. Interessant ist,
Rrealist_77 31.05.2012
"Ursprünglich war für die Stadt ein Kostenanteil von 77 Millionen Euro veranschlagt worden, inzwischen ist dieser Betrag jedoch auf mindestens 323,5 Millionen Euro gestiegen" dass nahezu alle staatlichen Bauten mit den kalkulierten Kosten nicht auskommen und die Kosten nahezu immer um das Mehrfache höher sind. Die Verantwortlichen gehören rausgeschmissen und müssen in Regreß genommen werden. Die Gelder wären bestimmt besser angelegt - mein Vorredner regte dieses bereits an. Es ist einfach ein Frechheit!
3. optional
t.h.wolff 31.05.2012
Die neuen Geldeliten sind als Folge der Umverteilungspolitik der Nachwendezeit so reich wie nie zuvor in der Geschichte der Republik. Nun wollen Sie sich auch angemessen feiern - und dazu reicht ein Multiplex-Kino eben nicht aus, Ihr Banausen. Da muß das Land Hamburg halt nochmal kräftig nachlegen. Schulspeisung kürzen? Pizzasoße als Gemüse deklarieren, nach Vorbild der GOP? Man darf gespannt sein.
4. Ich sehe das Problem nicht.
der_pirat 31.05.2012
1. Die Politiker sind vom Volk gewählt und wenn diese keinen Sachverstand haben (und ihn auch nicht einkaufen wollen), dann muss das Volk eben zahlen. Es steht ja jedem frei, sich politisch zu engagieren oder einfach andere Parteien zu wählen. 2. Wenn ich ein solches Bauvorhaben mit wenigen Strichen "skizziere" und die wesentlichen Dinge nicht regele, dann muss ich davon ausgehen, dass ein Baukonzern wie Hochtief eben am Ende doch mehr Geld will, wenn sich "nachträglich" herausstellt, dass das was ich ausgeschrieben habe eben nicht das ist, was gebaut werden soll. Hier hätte ich ja die Möglichkeit gehabt, die Sache von A bis Z komplett zu durchdenken und zu planen und Hochtief "nur" bauen zu lassen. 3. Ein Experte hätte bei Durchsicht der Unterlagen das alles direkt erkennen können. Bei einem Stundensatz von - sagen wir mal 1.500,- EUR - hätte diese Aussage für ca. 60.000,- EUR vorgelegen und man hätte reagieren können. 4. Termine sind nicht alles. Es gibt diese tolle Grafik des magischen Dreiecks aus Kosten, Qualitäten und Terminen. Wenn ich eben an den Qualitäten und Terminen "ziehe", dann steigen die Kosten. Eigentlich ganz einfach. Ich glaube, dass könnte ich Schülern in der 5. Klasse so vermitteln, dass diese nach einer Stunde kapieren, was los ist. Aber Leute: Locker bleiben und zahlen! Doofheit muss bestraft werden! Wo wird eigentlich demnächst gebaut?
5. uns bleibt nur...
amerlogk 31.05.2012
uns bleibt nur zu hoffen das irgendein italienischer Kapitän sein Kreuzfahrtschiff Nase voran da mal reinbrettern läßt. Prima Schlagzeilen, Versicherungsfall und wir sind das Problem los.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Elbphilharmonie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare
  • Zur Startseite