Streit um Nofretete Ägypten droht mit Sanktionen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann will die berühmte Nofretete-Büste nicht an das Ägyptische Museum in Kairo ausleihen. Die Absage entfacht die alte Debatte um das antike Antlitz neu - und sorgt für diplomatischen Frost.


Kairo - Zahi Hawwas, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, stellt die künftige Kooperation mit deutschen Museen und Archäologen wegen des Streits um die Nofretete-Büste in Frage. Vor dem Kulturausschuss des Parlaments in Kairo sagte Hawwas: "Die Deutschen hatten sie 1914 nach Deutschland geschmuggelt, indem sie die Züge der Königin mit Lehm unkenntlich machten."

50 Zentimeter Streitwert: Nofretete-Büste im Ägyptischen Museum Berlin
REUTERS

50 Zentimeter Streitwert: Nofretete-Büste im Ägyptischen Museum Berlin

Tatsächlich erwarb sie der Berliner Kunstmäzen James Simon 1913 nach der spektakulären Ausgrabung in Ägypten vom Osmanischen Reich. Seitdem schwelt der Streit um die um 1355 v.Chr. von Thutmosis in Tell el Amarna geschaffene Büste und flammt immer mal wieder auf. Schon in den zwanziger Jahren hatte die ägyptische Regierung von Berlin die Rückgabe der Büste der "Nefret iti" gefordert, so der genaue, den Hieroglyphen entnommene Name der ägyptischen Königin, der Gemahlin des Gottkönigs Enchnaton: "Die Schöne, sie ist gekommen".

Hawwas habe Bundespräsident Horst Köhler im vergangenen Jahr vorgeschlagen, das Ägyptische Museum in Berlin solle die Kalksteinbüste der Gattin Echnatons, für eine Ausstellung für drei Monate an das Ägyptische Museum in Kairo ausleihen. Dieser habe den Vorschlag jedoch abgelehnt. Nach dem Willen der Kampagne "Nofretete geht auf Reisen", die in dieser Woche in Berlin gestartet wird, soll Nofretete künftig in aller Welt zu sehen sein und auch nach Kairo ausgeliehen werden.

Doch Kulturstaatsminister Bernd Neumann lehnte den Kulturaustausch am vergangenen Freitag entschieden ab. Man habe keine Angst, das Kunstwerk, eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz neben dem Pergamonaltar, nicht wieder zurück zu bekommen, wenn es einmal in Ägypten angelangt sei. Vielmehr sorgt sich der CDU-Politiker um das Wohlergehen der 3000 Jahre alte Büste, die den strapaziösen Transport nicht überstehen könnte.

"Deshalb werden wir die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland nun neu überdenken", sagt nun Zahi Hawwas. Außerdem werde es vorläufig keine ägyptischen Ausstellungen mehr in Deutschland geben. Hawwas, der Neumanns Äußerungen scharf kritisierte, erklärte außerdem, er wolle auch den Stein von Rosetta, der im Britischen Museum in London zu bewundern ist, zurückfordern. Es scheint, als stünden der alten Dame mal wieder heiße Zeiten bevor.

Zunächst aber bekommt die 50 Zentimeter große Statue ein neues Zuhause in Berlin. Nach Jahrzehnten der Wanderschaft - momentan beherbergt sie das Ägyptische Museum - soll die Kalksteinbüste in ihre alte Heimat zurückkehren, wenn das im Wiederaufbau befindliche Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel nach den Plänen des britischen Architekten David Chipperfield fertig gestellt ist.

bor/dpa



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