Streit um Sex-Titel: Katholische Bischöfe verstoßen Weltbild-Verlag

Sogar der Papst hatte zum Handeln gedrängt: Der Weltbild-Verlag geriet zuletzt immer mehr in die Kritik, weil er auch erotische und esoterische Bücher verkauft. Nun hat die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, sich von der Buchhandlung zu trennen - "ohne jeden Verzug".

Verlagsgruppe Weltbild: Zu viel Sünde für die Bischöfe Fotos

Würzburg/Hamburg - Titel wie "Zur Sünde verführt" oder "Das neue Kamasutra" passen nicht zum katholischen Weltbild - und deshalb passt jetzt auch die Verlagsgruppe Weltbild GmbH nicht mehr zur katholischen Kirche. Die Vollversammlung des Verbands der Diözesen Deutschlands hat beschlossen, sich vom Weltbild-Verlag zu trennen. Die Gesellschafter hätten die Geschäftsführer beauftragt, "ohne jeden Verzug entschlossen" einen Käufer für das Unternehmen zu finden, teilte Weltbild am Dienstag mit.

Der Verlag zählt zu den größten Buchhändlern in Deutschland und ist zur Hälfte auch an der Hugendubel-Kette beteiligt. Die Filialen des Antiquariats Jokers gehören ebenfalls zu der Gruppe. Der Weltbild-Verlag steht im Besitz von zwölf deutschen Diözesen und der Soldatenseelsorge Berlin. "Kirchliche und soziale Implikationen einer Veräußerung verdienen eine besondere Beachtung", hieß es. Der Aufsichtsrat ist mehrheitlich mit kirchlichen Funktionsträgern besetzt, lediglich ein Vertreter des Medienkonzerns Burda und einer von der Commerzbank kommen von außen.

Bei seiner Sitzung am Montag in Würzburg hatte der Ständige Rat der Bischofskonferenz einer Pressemitteilung zufolge feststellen müssen, dass es der Weltbild-Geschäftsführung nicht gelungen sei, "die internetgestützte Verbreitung sowie die Produktion von Medien, die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen, im eigenen Bereich bzw. im Bereich der Unternehmensbeteiligungen hinreichend zu unterbinden". Die Glaubwürdigkeit der Verlagsgruppe und ihrer Gesellschafter habe darunter gelitten.

Hintergrund ist, dass im Angebot des kircheneigenen Verlags viele erotische und auch esoterische Bücher zu finden sind. Seit Wochen tobte ein heftiger Streit über die Frage, ob ein Unternehmen der katholischen Kirche mit solchen Angeboten Geld verdienen darf.

"Geld verdienen mit dem, wogegen wir predigen"

Der Zank um das Erotik- und Esoterikangebot von Weltbild war im Oktober nach einem Bericht des Fachmagazins "buchreport" ausgebrochen. Demnach waren bei Weltbild unter dem Stichwort Erotik mehr als 2500 Titel zu finden. Die katholische Kirche reagierte mit der Ankündigung, "den Vertrieb möglicherweise pornografischer Inhalte" unterlassen zu wollen. Tatsächlich ergibt die Suche mit dem Stichwort Erotik bei weltbild.de inzwischen keine Treffer mehr.

Nachdem die Bischöfe auf die anhaltende Kritik Erzkonservativer in den vergangenen Jahren nur verhalten reagiert hatten, rief sie Anfang November allerdings auch Papst Benedikt XVI. zum Handeln auf. Es sei an der Zeit, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken". Der Heilige Stuhl werde darauf achten, "dass der notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt".

Nach dem Papst schalteten sich am Wochenende die Kardinäle Joachim Meisner und Reinhard Marx in die Debatte ein. "Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen", sagte der Kölner Kardinal Meisner der "Welt am Sonntag". Er ist seit Jahren ein Kritiker des Verlags. Weltbild macht einen Jahresumsatz von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Meisners Bistum hatte 2008 die Anteile an dem Konzern abgegeben und verdient seitdem nicht mehr an den Geschäften von Weltbild.

"Wir können noch so große Medienkonzerne haben - wenn sie nicht das Ziel haben, das Evangelium zu verkünden, geht es in die falsche Richtung", betonte Reinhard Marx kurz vor der Tagung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz am Montag.

Vor drei Jahren sollte der Medienkonzern mit 6400 Mitarbeitern schon einmal den Besitzer wechseln. Das Vorhaben scheiterte dem Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Donaubauer zufolge aber an der Wirtschaftskrise. Er war in der vergangenen Woche im Zuge der Debatte um die Erotiktitel zurückgetreten.

Der Weltbild-Verlag war 1948 als Winfried-Werk GmbH gegründet worden und produzierte anfangs das katholische Magazin "Mann in der Zeit", das 1968 in "Weltbild" umbenannt wurde. Über die Jahre wurde das Unternehmen zu einem der größten Buchhändler Europas mit Hunderten Filialen und eigenem Versandhandel. Auch die Verlagsgruppe Droemer Knaur und der Internethandel buecher.de gehören in Teilen dem Augsburger Medienkonzern.

Der rasante Aufstieg wird zu einem großen Teil Weltbild-Chef Carel Halff zugerechnet. Er ist seit 1975 bei dem Unternehmen und seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung. "Weltbild muss wirtschaftlich arbeiten, ohne die ideellen Ziele aus den Augen zu verlieren", schreibt Halff auf der Internetseite des Konzerns über seine Firmenpolitik. Genau diese Haltung wird nun wohl zum Verkauf der katholischen Verlagsgruppe führen.

feb/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
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1. Schön blöd...
axelkli 22.11.2011
...der Laden war doch einer der wenigen, die der Kirche noch ordentlich Cash eingebracht haben.
2. schön für den Käufer
dido07 22.11.2011
Das ist eine Goldgrube!
3. Ich habe gar keinen Titel...
wbachmaier 22.11.2011
Nicht der einzige Fall, wo die Bigotterie und die Doppelmoral der katholischen Kirche offen zu Tage tritt...
4. Mittelalter lässt grüßen ...
stefanaugsburg 22.11.2011
Man könnte gerade meinen, daß das Veröffentlichen bzw. der Vertrieb von 'esoterischen und erotischen' Büchern mit der Pest gleichzusetzen ist - so gebärden sich die Herren (!!) der Katholischen Kirche samt Oberhaupt. Auch hier sieht man wieder einmal, daß die Grundeinstellung der katholischen Kirche immer noch von arg antiquierter Bigotterie geprägt ist und sie nach wie vor nicht in der realen Welt bzw. Gegenwart angekommen ist. Lieber stößt man ein extrem gewinnbringendes Unternehmen ab, anstatt einfach mal Fünfe gerade sein zu lassen und sich den Gegebenheiten anzupassen. als ob die kinder immer noch vom Storch gebracht werden und Sex vor der Ehe zu Akne oder Impotenz führt .... :-) Aber egal - das passt alles zusammen und die Entwicklung der Kirchenmitglieder sowie des Nachwuchses in den eigenen Reihen sprechen ja ein deutliches Bild.
5. für was steuern für kirchen
Liquid 22.11.2011
[QUOTE=sysop;9179762]Sogar der Papst hatte zum Handeln gedrängt: Der Weltbild-Verlag geriet zuletzt immer mehr in die Kritik, weil er auch erotische und esoterische Bücher verkauft. Nun hat die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, sich von der Buchhandlung zu trennen - "ohne jeden Verzug". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,799174,00.html[/QUOTE Das es Unternehmen im Besitz von Kirchen gibt ist ja gut und schön, aber dass ich als einer der vor 30 Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, diese Köpfe von meinen Stuergelder immer noch finanzier stösst mir mehr als Sauer auf. Sollen doch die Bischöfe von ihren Unternehmesbeteiligungen doch bezahlt werden!
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