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01. Oktober 2013, 17:21 Uhr

Lösung im Bremer Theaterstreit

Die "Unschuld" kommt in Reinform zurück

Eskalation mit Seltenheitswert: Autorin Dea Loher ließ die Inszenierung ihres Stücks "Unschuld" am Theater Bremen verbieten. Nun gibt das Schauspiel nach: Bei zukünftigen Aufführungen werde auch die umstrittene Figur Ella auftauchen.

Bremen/Frankfurt am Main - Der Streit über Alexander Riemenschneiders Inszenierung des Stücks "Unschuld" von Dea Loher in Bremen ist beendet. Der Verlag der Autorin und das Theater Bremen haben sich geeinigt, wie beide Seiten am Dienstag bestätigten. Nur eine Vorstellung fällt aus, danach wird das Theater Bremen die gestrichene Figur - eine alternde Philosophin namens Ella - wieder einfügen. "Das ist der Kompromiss", sagte Annette Reschke vom Verlag der Autoren, der Dea Loher vertritt. "Ohne Ella geht es nicht."

Nach der Premiere am Samstagabend hatte der Verlag dem Theater die Aufführung von "Unschuld" untersagt. "Durch die Streichung einer zentralen Figur sind sowohl die tragende Struktur als auch der Sinnzusammenhang des Stücks nicht mehr gegeben", teilte der Verlag mit. Er warf dem Theater "massive Urheberrechts- und Vertragsverletzungen sowie das mangelnde Bewusstsein für dramaturgische Verantwortung" vor.

Das Theater Bremen gibt nun klein bei. Man wolle sich nicht juristisch mit Dea Loher streiten, sagte Intendant Matthias Börgerding zu SPIEGEL ONLINE. Er sei froh, dass eine Einigung gefunden sei. Ihm tue der Streit sehr leid. Der Fehler resultiere wohl aus der Nähe zur Autorin: "Wir haben das falsch eingeschätzt. Wir haben gedacht: Mal sehn, was sie dazu sagt." Keinesfalls sei man davon ausgegangen, dass man mit diesem einen, größeren Strich die Eigenart des Textes verletzt habe.

Veränderungen, die die Eigenart des Textes verletzen sind dem Vertrag über das Aufführungsrecht zufolge untersagt. Nach Ansicht des Verlags der Autoren sei die Streichung einer Figur ein Eingriff, der über das Maß des dramaturgisch Üblichen hinausgehe. Annette Reschke vom Verlag betonte jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE, man sehe sich nicht als Gegner der Theater und freue sich, dass eine Einigung gefunden worden sei.

Nun steht das Theater Bremen vor der Schwierigkeit, die Figur Ella in die bestehende Inszenierung einzuarbeiten. Da dies nicht auf die Schnelle möglich sei, blieb dem Theater nichts anderes übrig, als eine Vorstellung abzusagen. Bis zur nächsten Aufführung am 20. Oktober soll es aber geschafft sein. Darüber habe er am Dienstagvormittag lange mit dem Regisseur Alexander Riemenschneider gesprochen, sagte Intendant Börgerding. Bisher sei eine befriedigende künstlerische Lösung dafür noch nicht gefunden worden.

feb/dpa

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