Streit ums Hausrecht: Peymann öffnet das Berliner Ensemble für Hochhuth

Sollte das der Schlussakt im Streit der Theatergrößen sein? Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, will nun doch Rolf Hochhuth im Sommer 2010 das Theater überlassen. Der hat das Angebot zwar angenommen, aber versöhnliche Töne klingen anders.

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Theater-Größe Rolf Hochhuth: "Sehr gerührt"

Berlin - Von einer wirklichen Annäherung kann zwischen den ewigen Streithähnen Claus Peymann und Rolf Hochhuth wohl nicht die Rede sein. Zumindest aber deutet sich eine erste Einigung über das Hausrecht im Berliner Ensemble an: Intendant Peymann bot dem Theater-Urgestein Hochhuth am Freitag an, nun doch im Sommer 2010 die Bühne im Berliner Ensemble (BE) nutzen zu dürfen. Hochhuth nahm an und gab bekannt, dort im kommenden Jahr sein neues Musical "Inselkomödie" uraufzuführen.

Peymann machte das Angebot nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub, während dem der Streit mit Hochhuth bis vor Gericht eskaliert war. Der 72-jährige Regisseur und Intendant sprach von einem "Gnadenakt", da Hochhuth die vertraglich vorgeschriebene Frist für die Anmeldung seines nächsten Theaterprojektes habe verstreichen lassen.

Hochhuth reagierte ironisch und zeigte sich "sehr gerührt" über Peymanns Ankündigung, dass er "im nächsten Sommer mein BE am Schiffbauerdamm aufschließt", wie der 78-jährige Dramatiker schrieb.

Peymanns Anwalt hatte an die von Hochhuth gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung, die Eigentümerin der Theaterimmobilie am Bertolt-Brecht-Platz ist, geschrieben. Hochhuths Stiftung hat das frühere Brecht-Theater an das Land Berlin verpachtet, Peymann ist als Intendant quasi Untermieter. Der Vertrag gestattet es Hochhuth jedoch, jährlich in der Sommerpause des Theaters ein eigenes Stück aufzuführen, allerdings muss er den Anspruch darauf mindestens ein Jahr vorher anmelden und einen Regisseur benennen.

Erst kürzlich war der streitbare Dramatiker mit dem Versuch, in diesem Sommer im Berliner Ensemble zu gastieren, vor Gericht gescheitert. Daraufhin hatte er das Theater für eine Pressekonferenz gegen den Willen der Hausangestellten gestürmt und lautstark gegen Peymann und den Berliner Senat gewettert.

Peymann hatte das als Ausdruck "äußerster Verzweiflung" gewertet, da Hochhuths Stücke "niemand mehr spielt". "Er tut mir sehr leid. Aber das ist das Schicksal von alten Männern, wahrscheinlich teile ich das auch eines Tages." Er schätze Hochhuths Vatikan-Drama "Der Stellvertreter" sehr, er lasse sich aber nicht vorschreiben, "was und wann in meinem Haus gespielt wird". Umgekehrt hatte Hochhuth sich über "das traurige Ende eines einst großen Mannes" ereifert und Peymann als den letzten Dreck und "die Unmenschlichkeit in Person" beschimpft.

can/dpa/AP

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