Studie Jeder Vierte wirft Medien Manipulation vor

Besonders Menschen an den politischen Rändern verurteilen etablierte Medien pauschal, viele vertrauen ihnen aber auch - und hier besonders dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage.

Mann liest Zeitung (Symbolbild)
DPA

Mann liest Zeitung (Symbolbild)


Seit Jahren kursieren Begriffe wie "Lügenpresse" in Deutschland, um gegen die etablierten Medien Stimmung zu machen - tatsächlich vertraut ein großer Teil der Menschen in Deutschland einer Studie zufolge weiter den etablierten Medien, auch wenn sich ein fester Kern an Kritikern herausgebildet hat.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Publizisten der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Demnach gaben 44 Prozent der Befragten an, Medien in wichtigen Fragen zu vertrauen - das ist der höchste gemessene Wert der Studienreihe, im Jahr 2017 waren es noch 42 Prozent.

Die Kritiker hingegen verurteilten die Medien pauschal und seien überdurchschnittlich häufig an den Rändern des politischen Spektrums zu finden; immerhin jeder vierte Befragte wirft den Medien demnach gezielte Manipulation vor. Konkret stimmten 25 Prozent der Aussage zu: "Die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren." Ein Jahr zuvor waren das nur 20 Prozent gewesen, 2016 aber auch schon mal 27 Prozent.

Die Studie belegt den Mainzer Publizisten zufolge auch eine zunehmende Entfremdung zwischen Menschen und Medien. 27 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass die Medien den Kontakt zu den Menschen verloren haben. Ein Jahr vorher waren es lediglich 18 Prozent gewesen. Von 36 auf 43 Prozent stieg die Zustimmung für die Aussage, dass Medien gesellschaftliche Zusammenhänge anders darstellen, als es die Bürger im eigenen Umfeld wahrnehmen.

Die Vertrauenswerte variieren je nach Medienart stark: Nur 21 Prozent vertrauten den Nachrichten auf Seiten von Suchmaschinen (2017: 23), nur vier Prozent den Nachrichten in sozialen Netzwerken (2017: drei). Am höchsten sind die Vertrauenswerte beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem 65 Prozent vertrauen (2017: 72 Prozent, 2016: 69), gefolgt von Regionalzeitungen mit 63 Prozent. Überregionale Zeitungen landen bei 49 Prozent; die Studie zeigt hier auch, dass viele Menschen diese Gattung offenbar nicht mehr selbst konsumieren: 22 Prozent der Befragten enthalten sich eines Urteils über die überregionalen Zeitungen - eine Entwicklung, die wohl auch die ökonomische Krise der Printbranche spiegelt.

Auch das Thema bestimmt, wie Menschen der Berichterstattung gegenüberstehen. Nur 20 bis 25 Prozent halten etwa Berichte über den Islam und die Kriminalität von Flüchtlingen für vertrauenswürdig.

Für die Studie wurden im Oktober und November 2018 insgesamt 1200 Bürger ab 18 Jahren in einer repräsentativen Telefonumfrage befragt.

eth/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
apst 06.03.2019
1. Der Journalist...
... Von heute lügt nicht bewusst. Er ist nur "Opfer" des Systems. Informationen müssen immer schneller auf den Markt und so bleibt keine Zeit zur Prüfung der Aussage. Zudem gibt es zu viele Quellen für Informationen, so dass eine Vorauswahl durch den Journalisten getroffen wird, die seiner Informationsblase entspricht. Unterm Strich werden heute viel mehr Lügen verbreitet bzw. Alternative Fakten.
YvesBrunner 06.03.2019
2.
Das Problem ist nicht unbedingt das die Medien lügen. Das wirkliche Problem ist das mittlerweile Meinung mit Fakten vermischt wird, Dinge werden verschwiegen, Klein oder Groß gemacht, es wird geschrieben was man gerne hätte und nicht was ist, unangenehme Wahrheiten werden verschwiegen, usw. Klar gab es das schon immer aber es hat schon ziemlich zu genommen in den letzten Jahren. Und wer bei manchen Themen nicht nur deutsche Zeitungen liest, sondern auch ausländische Medien, der sieht halt wie stark da Fakten weggelassen oder verdreht werden. Wobei das öfters auch umgekehrt zutrifft. Halt ein weltweites Problem, nicht nur ein deutsches...
volucer 06.03.2019
3. doomsday sells
für die medien zählen mittlerweile nurnoch klicks und die eigene politische agenda. dafür wurde auch die letzten jahre dauerhaft von der schlechten wirtschaft erzählt und dass es den menschen immer schlechter gehe. miete nichtmehr bezahlbar, die ausbeutung der arbeiter nimmt zu, das system steht vor der krise, trump bringt den atomkrieg, putin bringt den atomkrieg, die bayern haben den umbruch verschlafen,.... diese "gefühlten" wahrheiten werden propagiert. das ist mittlerweile pure meinungsmache. dem leser wird es abgenommen, selber zu denken. kein wort darüber, dass wir das zweite wirtschaftswunder gerade erlebten, dass wir so gesund wie noch nie sind, so alt wie noch nie werden, dass die häuser und mietpreise von 2009-2011 auf dem tiefsten stand aller zeiten waren, dass die aktuellen häuserpreise/mieten etwa auf dem niveau der 2000er sind,... es wird von altersarmut geredet, obwohl die renter die bevölkerungsschicht ist, die am wenigsten von armut betroffen ist. aber der deutsche michel 'fühlt' natürlich, dass es uns doch nicht gut gehen kann.
muellerthomas 06.03.2019
4.
Zitat von YvesBrunnerDas Problem ist nicht unbedingt das die Medien lügen. Das wirkliche Problem ist das mittlerweile Meinung mit Fakten vermischt wird, Dinge werden verschwiegen, Klein oder Groß gemacht, es wird geschrieben was man gerne hätte und nicht was ist, unangenehme Wahrheiten werden verschwiegen, usw. Klar gab es das schon immer aber es hat schon ziemlich zu genommen in den letzten Jahren. Und wer bei manchen Themen nicht nur deutsche Zeitungen liest, sondern auch ausländische Medien, der sieht halt wie stark da Fakten weggelassen oder verdreht werden. Wobei das öfters auch umgekehrt zutrifft. Halt ein weltweites Problem, nicht nur ein deutsches...
Haben Sie dafür konkrete Beispiele? Also letztlich muss jedes Medium Informationen gewichten, anders lassen es Platz, Zeit, AUfmerksamkeit der Leser usw. nicht zu. Das Ergebnis ist doch dann genau das, was Sie schreiben: in der einen Zeitung fehlt vielleicht die eine Information, in der anderen steht diese, aber es fehlt eine andere.
tutzutz 06.03.2019
5. Politisch nicht neutral
Bei Journalisten überwiegen die Grün-Wähler, danach SPD. Gerade beim Spiegel hat man den Eindruck es wäre das SPD-Parteiblatt. Die Artikel sind schlicht nicht neutral geschrieben. Entsprechen nicht der Meinung der Allgemeinheit. Vermutlich ist das ein Grund.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.