Sturmschaden-Streit Bahn und Star-Architekt einigen sich auf Vergleich

Ende eines zähen Rechtsstreits: Die Bahn hat sich mit dem Architekten Meinhard von Gerkan geeinigt, nicht länger über die Frage zu streiten, wer im vergangenen Januar am Sturmschaden des Berliner Hauptbahnhofs schuld ist. Die Vergleichssumme kommt einer Architektenstiftung zugute.


Berlin - Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Star-Architekt Meinhard von Gerkan teilten heute in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass die Übereinkunft "sämtliche Streitthemen" einschließlich der Honorarfrage umfasse. Es sei es ein "Gebot der Vernunft" gewesen, sich zu vergleichen, da eine Fortsetzung des bisherigen Streits noch Jahre hätte andauern können, hieß es.

Architekt von Gerkan: Einigung über "sämtliche" Streitpunkte?
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Architekt von Gerkan: Einigung über "sämtliche" Streitpunkte?

Der Vergleich zwischen Bahn und Gerkans Büro beinhaltet, dass der nicht näher bezifferte Vergleichsbetrag zur Bereinigung des Streits von der Bahn an die Stiftung des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit dem Titel "Academy für Architectural Culture" gehen soll. Diese Einrichtung unterstütze die Ausbildung junger Architekten.

Sollten tatsächlich "sämtliche" Streitereien beigelegt werden, so würde auch das Gerangel um das von der Bahn einseitig verkürzte Glasdach des Hauptbahnhofs enden. Ganz klar waren die Aussagen über diesen seit beinahe zwei Jahren schwelenden Konflikt jedoch nicht. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee werde dem Bundestag darüber "zu gegebener Zeit" gesondert berichten, hieß es.

Bahn-Chef Mehdorn begrüßte die Einigung und bemühte sich um Beschwichtigung: "An der großen architektonischen Leistung von Herrn von Gerkan hatte ich nie Zweifel", erklärte er und fügte hinzu: "Der Berliner Hauptbahnhof ist der modernste der Welt und zugleich einer der schönsten und wird von unseren Kunden sehr gut angenommen."

Der Streit über den im Mai 2006 eröffneten Bahnhof begann mit der eigenmächtigen Verkürzung des Ost-West-Dachs, unter dem die Züge halten. Die Bahn wollte damals die Fertigstellung bis zur Fußball-WM 2006 sicherstellen. Auch über die nicht den Plänen Gerkans entsprechende Gestaltung der Betondecke auf der untersten Gleisebene hatten sich Architekt und Bauherr erzürnt.

Zuletzt eskalierte der Zwist, als der Orkan "Kyrill" Ende Januar 2007 einen tonnenschweren Stahlträger von der Fassade abriss, der auf eine Freitreppe prallte. Das Landgericht untersagte Gerkan daraufhin die Unterstellung, die Bahn habe von einer möglichen Gefährdung durch fehlende Halterungen gewusst und trage daher eine Mitschuld. Wegen des Zwischenfalls war der rund eine Milliarde Euro teure Glasbau geräumt und einen Tag lang für technische Untersuchungen komplett gesperrt worden.

bor/AP



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