Südafrikanische Spezialitäten: Auf zur Fufu-Weltmeisterschaft!

Von Hobbykoch Peter Wagner

Die WM ist zu Ende - Zeit, sich kulinarischen Spezialitäten vom Kap zuzuwenden: Mit Antilopensteaks, frittierten Maniok-Bällchen, genannt Fufu, Kochbananenchips, Süßkartoffelpüree und Dörraprikosensoße.

Zubereitung: Antilopensteaks mit Fufu
Fotos
Peter Wagner

Während der balltollen Tage war uns Essen vielleicht nicht ganz so wichtig. Die Daheimgebliebenen kratzten schnelle Bratwurstschnecken vom Rost. Ähnlich Düsteres bekamen viele nach Afrika gereiste Fans als "lokale Spezialität" vorgesetzt - und angesichts der dichten blauschwarzen Rauchfahnen wussten auch sie nicht so ganz genau, was für ein Fleisch denn nun auf dem "Original Braai"-BBQ zu mehr oder minder schwarzen Klumpen verkokelte. Bei diesem traditionellen Kap-Grilling kommt üblicherweise neben Mutanten-Steaks oder Koteletts von Lamm und Schwein primär die "Boerewors" über die Holzkohle, doch auch diese schneckenartig gerollte Bratwurst ("Burenwurst") aus roh gewolftem Rind und Schwein unterscheidet sich trotz der starken Thymian- und Koriandersamen-Würzung nach ihrer Kohle-Werdung in nichts vom verklumpten deutschen Einweggrillschneckli.

Macht nichts, dachten sich viele Freunde des deutschen Fußballs im südafrikanischen Fast-Winter, dann essen wir halt auch tagsüber das, was wir kennen: das globalisierte Kettenfutter der McKentuckyPizzahuts zwischen Kapstadt, Durban und Johannesburg. Oder Eisbein mit Sauerkraut.

Dunkles Brot und gegrillte Mopane-Raupen

Denn durch die Nachbarschaft zu Namibia sind bis heute auch in Südafrikas Metropolen noch zarte deutsche Gastro-Einflüsse spürbar, schließlich hießen weite Teile Namibias Ende des 19. Jahrhunderts "Deutsch-Südwestafrika". Sauerkraut, ungewöhnlich viele dunkle Brotsorten und erstaunlich gutes Bier werden hier zusammen mit traditionell einheimischen Spezialitäten wie Kudu- und Spießbock-Steaks, krosser Warzenschweinhaut, "Mielie Pap" (Maisbrei) oder gegrillten Mopane-Raupen genossen.

Letztere Leckereien werden sich auch die kulinarisch aufgeschlossensten Fußballreisenden nicht angetan haben, die immerhin anderen, für mitteleuropäische Gaumen etwas zugänglicheren Genüssen frönen konnten: Austern und Krustentiere vom kalten Kap-Wasser sind weltberühmt, das Trockenfleisch "Biltong" (aus Rind, Springbock oder Strauß) als Fan-Wegzehrung besser geeignet als jede Stadionwurst, und im Osten des Landes dominieren ohnehin die schmackhaften Einflüsse indischer Einwanderer mit ihren Currys und malayische Knaller wie Wasserlilieneintopf ("Waterblommetjie Bredie") oder "Bobotie", der Hacktopf mit Milchkruste.

Doch überall im Süden Afrikas isst jeder, der sich mehr als nur karges Fufu (Bällchen aus gekochten und zerstampften Maniok und grünen Kochbananen im Verhältnis zwei zu eins) mit Suppe leisten kann, am liebsten Fleisch von jenen Tieren, die den Jägern in den Savannen und Steppen vor die Flinte kommen. Und das sind ganz oft Antilopen, von denen es dort Dutzende Abarten gibt, deren Fleisch aber recht ähnlich schmeckt: ausgesprochen zart, dabei dennoch bissfest, fettarm, und sensorisch irgendwo zwischen Gamskitz und Kalb angesiedelt. Aus Naturschutzsicht ist der Verzehr unbedenklich, die Statistiken der "International Union for Conservation of Nature" weisen allein im südlichen Afrika einen Bestand von gut 2,5 Millionen Tieren aus - Tendenz steigend.

Andererseits: Fleischteile von diesen frei lebenden afrikanischen Wildarten gehören schon aus Klimagründen nicht unbedingt jede Woche auf die deutschen Essteller, entsprechend selten werden sie im Handel auch angeboten. Wer Lust darauf hat, muss dennoch nicht darben: Manchmal kann ein guter Wildhändler weiterhelfen. Oder das Internet: Wer sich demnächst mal ein Stück Buntbock, Gnu, Eland, Impala, Südafrikanischen Spießbock, Strauß, Krokodil, Kudu oder einfach nur Springbock (eine gazellenartige südafrikanische Antilopenart) auf den Grill werfen möchte, wird bei Spezialversendern wie Gourmetstar oder Exotic Kitchen fündig.

WM-Rückkehrer erwartet nach dem nasskalten Spätherbst auf der Südhalbkugel hierzulande der Wärmeschock, weswegen das heutige Rezept für Antilopensteaks mit frittiertem Fufu, Kochbananenchips, Süßkartoffelpüree und Dörraprikosensauce auch prima in die dunkleren deutschen Jahreszeiten passen würde, aber genauso gut mundet, wenn man die Springbockteile vom sommerlichen Grillrost pflückt. Viel entscheidender als die Fleischwahl ist hier die Verwendung klassisch afrikanischer Zutaten wie Maniok, Kochbanane und Süßkartoffel als Stärkelieferant und die Kombination aus stark säurebetonten Tomaten und mürb-süßem Dörrobst - samt und sonders aber nach den Regeln und mit den Techniken der europäischen Hochküche zubereitet.

Und das ist allemal leckerer, als sich vor lauter Fußballfrust einen Storch zu braten.

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insgesamt 2 Beiträge
johannes.labisch 18.07.2010
Möglicherweise gibt es Fufu in Südafrika, aber es kommt aus Ghana (es ist ein Wort aus der ghanaischen Sprache Twi). Es ist in ganz Westafrika und auch Zentralafrika verbreitet, aber auch in der Karibik. Wenn es jetzt eine [...]
Möglicherweise gibt es Fufu in Südafrika, aber es kommt aus Ghana (es ist ein Wort aus der ghanaischen Sprache Twi). Es ist in ganz Westafrika und auch Zentralafrika verbreitet, aber auch in der Karibik. Wenn es jetzt eine südafrikanische Spezialität sein soll, dann sind ist auch Pizza eine. Meist wird es als Brei (mit der Konsistenz von Tapetenkleister) aus Maniok oder Yams mit Suppe gegessen. Eins meiner Lieblingsessen in Ghana. Ich habe gehört, es gehört sich nicht, Fufu zu kauen, es soll runtergeschluckt werden.
Jozi 19.07.2010
Ich lebe seit 40 Jahren in Suedafrika. Mit offenen Augen. Essen und Kochen gehoert zu meinen Lieblingsbeschaeftigunen. Es waere doch wirklich schoen wenn der Autor seinen Artikel recheriert haette und nicht Maerchen [...]
Ich lebe seit 40 Jahren in Suedafrika. Mit offenen Augen. Essen und Kochen gehoert zu meinen Lieblingsbeschaeftigunen. Es waere doch wirklich schoen wenn der Autor seinen Artikel recheriert haette und nicht Maerchen zusammenbastelt. Sogar der Titel: Auf zur Fufu-Weltmeisterschaft! Es gibt Fufu in Suedafrika. Vereinzelt! Es hat ueberhaupt nichts mit irgendeiner suedafrikanischen Kueche zu tun. Wie kann ein Redakteur (heisst das so auf deutsch?) so einen Quatsch durchgehen lassen? Das passiert in Bezug auf Suedafrika leider oefters! So ganz nebenbei, boerewors wird hier sehr selten zu "mehr oder minder schwarzen Klumpen Verkokelt". Die meisten Suedafrikaner sind echte Grillexperten. Wo hat Peter Wagner nur gegessen!? Maniok gehoert hier nicht her. Genau wie Kochbananen gehoeren ueberhaupt nicht zur suedafrikanischen Kueche, sondern nach Zentralafrika und Indien. Sie werden in Supermaerkten eben fuer Leute von dort angeboten. Habe mir schnell noch die Rezepte angeschaut. Was soll der Quatsch? Japanische Sojasauce, Erdnussoel, Zimtbluehte und Mohrenpfeffer gehoeren auch nicht zur hiesigen Kueche. Es ware doch besser einen solchen Unsinn erst garnicht erscheinen zu lassen. Regards Gerd Kalesse
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  • Sonntag, 18.07.2010 – 09:11 Uhr
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Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de
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