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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Der Geiz hinter der Goldkante

Eine Kolumne von

Menschen brauchen Kunst, damit sie sich nicht aus dem Fenster stürzen. Warum werden Künstler dann so schlecht bezahlt? Politiker missbrauchen Oper und Theater als Spielfläche - und lassen zu, dass die Gelder in der Verwaltung versickern.

"Kunst und Kultur brauchen größtmögliche Freiheit, um sich entfalten zu können!" Dieser originelle Satz stammt von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, mein vollkommen überraschendes Statement heißt: Na, dann macht mal.

Im Moment wird die Freiheit der Kunst ja eher ein wenig eingeschränkt, sprich - es wird gekürzt. Auch an der Oper. Der süßen Oper, wo ihr, werte PolitikerInnen, gerne hingeht, um den Kopf schief zu halten und schöne Kleider zu tragen, die wirken wie Gardinen mit goldenen Kanten. Auch die der Männer. Oper und die darstellende Kunst bestehen aber weder ausschließlich aus Bayreuth, noch geht es denen, die einen Opern- oder Theater-Abend herstellen, außerordentlich gut. Wer dazu nachlesen möchte: hier.

Obwohl es ein Bedürfnis nach den Live-Events Theater und Oper gibt und eine alters- und einkommensunabhängige Freude daran, Menschen bei der Ausübung von Kunst zuzusehen. Die nicht politisch, aufklärerisch oder erzieherisch sein muss. Denn wann immer etwas Neues, Experimentelles, etwas Liebevolles auf der Bühne stattfindet, ist die Bude voll. Warum also, Kameraden, Kameradinnen in Stadt und Land, kürzt und knapst ihr an den Geldern für die Kultur? Anstatt einmal mit Menschen, die es betrifft, zu reden? Bitteschön.

An diesen wundervollen subventionierten Häusern des Landes bekommen die, die Kunst herstellen, das wenigste Geld. Ein bisschen wie die Krankenschwestern und Pfleger an den neuen profitorientierten, funkelnden Krankenhäusern, aber zu denen später. Die Millionen Subventionen, die unsere hochzivilisierten deutschsprachigen Stadt- und Staatstheater in nun gekürzter Version erhalten, versickern in unüberschaubaren Verwaltungsapparaten. Bei Intendanz, Verwaltungsdirektoren. Und landen am allerwenigsten bei den Künstlern.

Kultur ist Reichtum, und nicht umgekehrt

Selber schuld, kann man sagen, warum haben sie so einen seltsamen Beruf ergriffen, warum mögen sie auch nicht ordentlich arbeiten. Wollen sie schon, aber viele hatten eben die verrückte Idee, dass Menschen Kunst brauchen, damit sie sich nicht aus dem Fenster stürzen. Am Wiener Burgtheater tagten die Topspieler der geförderten Theaterlandschaft über Utopien im Theater. Bestimmt kamen die Worte politisch, berührend und authentisch vor. Bis ein Platzanweiser die Bühne enterte und authentisch von den Bedingungen in seiner Sparte berichten wollte. Durfte er nicht.

Egal. Eine Utopie im Theater wäre etwas, das mit transparenten, fairen Löhnen zu tun hätte, mit Leitungskollektiven, gutbezahlten Mitarbeitern. Anstelle von verkrusteten Kunstdarstellungserzeugungsmaschinen und dem ständigen Abspielen des Klassikerkanons. Versuchen sich Künstler gegen Lohndumping und Bezahlungen, die meist weit unter dem Existenzminimum liegen, zu wehren, stehen ein paar Dutzend Unbeschäftigter schon in Warteposition. So sieht es aus. Mit der Freiheit der Kunst. Die viele der Leser hier nicht wirklich berührt, denn uns geht es ja allen nicht gold.

Liebe Regierungen der europäischen Länder, ihr seid Manager eurer Staatsmaschine. "Kultur ist Reichtum, und nicht umgekehrt" sagte Dirigent Claudio Abbado. Und nun zurück zum Pflegepersonal, zum Mindesteinkommen, zu all den Ungerechtigkeiten im wohlhabenden Deutschland. Es ist sehr einseitig, mich an dieser Stelle mit dem Randgruppenthema Bühne zu beschäftigen. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

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Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle
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1. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 09.02.2014
Zitat von sysopMenschen brauchen Kunst, damit sie sich nicht aus dem Fenster stürzen. Warum werden Künstler dann so schlecht bezahlt? Politiker missbrauchen Oper und Theater als Spielfläche - und lassen zu, dass die Gelder in der Verwaltung versickern. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-berg-ueber-kultursubventionierung-a-952057.html
Weil Kunst von Können kommt, und nicht von Jammern.
2. der link....
alisseos 09.02.2014
....zum Ereignis: Platzanweiser entert Bühne an Wiener Burg! funktioniert nicht.
3. Es
forumgehts? 09.02.2014
Zitat von sysopMenschen brauchen Kunst, damit sie sich nicht aus dem Fenster stürzen. Warum werden Künstler dann so schlecht bezahlt? Politiker missbrauchen Oper und Theater als Spielfläche - und lassen zu, dass die Gelder in der Verwaltung versickern. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-berg-ueber-kultursubventionierung-a-952057.html
ist eben relativ schwierig, festzustellen was Kunst ist und was nicht. Bei der Verwaltung gibt es aber keine Interpretationsmöglichkeiten. Deshalb fliesst das Geld dorthin ;)
4. Neoliberale Vorgehensweisen im Kulturbetrieb
wibo2 09.02.2014
Zitat von sysopMenschen brauchen Kunst, damit sie sich nicht aus dem Fenster stürzen. Warum werden Künstler dann so schlecht bezahlt? Politiker missbrauchen Oper und Theater als Spielfläche - und lassen zu, dass die Gelder in der Verwaltung versickern. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-berg-ueber-kultursubventionierung-a-952057.html
Die BWLer treiben ihr Unwesen überall, im Kulturbetrieb leben sie den "Geiz des Kaufmanns" aus. Verwaltung und Management leben wie die Maden im Speck. Viele Künstler stehen hingegen ohne Geld da. Das ist ein guter Artikel, der auf unhaltbare Missstände in der Finanzierung von Kunst und Kultur aufmerksam macht. Die Kunst, Kultur zu managen, wird von unserer selbsternannten und dem Eigennutz verpflichteten Elite aus Politik und Wirtschaft sträflich vernachlässigt, weil sie ihrer Verantwortung dafür systemrelevant nicht gerecht werden.
5. ...
angst+money 09.02.2014
Warum kann die Politik bei Kultur nicht das tun, was sie bei Entwicklungshilfe, Subventionen, Militärhilfe usw auch macht: Geld geben und sich raushalten Habe ich da wirklich eben "Kunst kommt von Können" gelesen? Knuffig, ich dachte nicht dass man in Opas Rumpelkammer noch einen findet...
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Sibylle Berg

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