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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Sei der Stuss auch noch so gequirlt

Eine Kolumne von

Sibylle Lewitscharoff im ZDF-"Morgenmagazin": Wenn ein scharfer Satz um die Biege kommt. Zur Großansicht
ZDF

Sibylle Lewitscharoff im ZDF-"Morgenmagazin": Wenn ein scharfer Satz um die Biege kommt.

Demokratie ist, wenn jeder so ziemlich alles sagen kann. Aber muss das auch immer sein? Was bringt gutsituierte, weiße, heterosexuelle Menschen wie Sibylle Lewitscharoff dazu, über Dinge zu schwafeln, die sie nicht betreffen? Statusangst, Gedankenfaulheit?

Aus welchen Gründen drehen eigentlich alle gerade durch? Es geht um die Schriftstellerin L., die vermutlich nicht hervorragend vom Verkauf ihrer Bücher, dennoch aber prächtig von Preisen leben kann. Die sie, einmal in den Preisverteiler geraten, jährlich mehrfach bekommt. Och, nehmen wir doch die L., die haben Dings und Bums auch genommen, kann ja nicht schlecht sein.

Ist sie durch irgendetwas gewaltig aus ihrer inneren Ruhe gebracht worden? War es ein künstlich hergestellter Mensch, der ihre Liebesschwüre nicht erhören wollte? Oder ein künstliches, widerwärtiges Wesen, das ihr den achtmillionsten Preis versagte? Oder einfach nur eine gewaltige Diarrhoe? Ich muss mich zu dem Vorgang nicht weiter äußern, das haben der Dramaturg des Dresdner Schauspiels und mein Kolumnisten-Kollege schon getan.

Das Wunderbare an unserer Demokratie ist ja, dass jeder alles sagen kann, sei der Stuss auch noch so gequirlt (solange die Menschenrechte nicht angegriffen werden, was hier zu prüfen wäre). Die Frage ist doch, warum diskutieren wir plötzlich über menschliche Grundrechte? Warum verhandeln Menschen in einer Talkshow ernsthaft, ob es in Ordnung geht, homosexuell zu sein? Warum müssen wir darüber reden, ob man Bezeichnungen für Menschengruppen, die von den Betroffenen abgelehnt werden, abschafft? Warum können Menschen nicht irgendwann alte Muster und Idiotien hinter sich lassen und weitergehen? Es gibt noch genug Mist aufzuräumen, fangen wir an.

Liegt es an ihrem Alter, dass sie starr und uneinsichtig werden, liegt es an der mangelnden Zukunft eines Individuums, die es böse und stur werden lässt? Was ist los, fragt man sich. Habt ihr alle gemerkt, dass euer Selbst sich nicht mehr optimieren lässt? Seid ihr nun müde und bemerkt ohnmächtig die Krise des Kapitalismus, mit seiner Idiotie des Dauerwachstums? Tolle Leistung übrigens, nach über hundert Jahren zu realisieren, dass jedes Wachstum zu einem Ende führen muss.

Privates Versagen

Die Schriftstellerin L. hat ein "Es tut mir leid" hinterhergeschickt. Der Satz mit den "Halbwesen" ist ihr im Nachhinein unangenehm. Manchmal käme bei ihr eben "ein scharfer Satz um die Biege". Schon in Ordnung, Bylle, der Endverbraucher hat verstanden.

Unverständlich jedoch: Was bringt scheinbar gesunde, gutsituierte Menschen dazu, unverdrossen über Dinge zu reden, die sie nicht betreffen, sondern nur die Trägheit ihres Geistes offenbaren? Homophobie, Angst vor Randgruppen und Ekel vor in Retorten gezeugtem Leben sagen nur etwas über den Verstand der lallenden Kritiker aus. Sie sagen: Ich bin am Ende mit meiner Weisheit. Ich will nicht denken, ich will mich nicht neu orientieren. Ich will keine Welt, in der alle Menschen gleich sind. Ich habe mir meinen Status als überlegener, heterosexueller weißer Mensch zwar nicht hart erarbeitet. Er war einfach da. Doch er ist besser als das, was bei euch einfach da ist.

Ich will mich vor euch auszeichnen, und wenn ich es nicht mit der Kraft meiner Gedanken vermag, dann will ich euch erniedrigen. Warum beginnen die Kritiker des Fortschritts nicht bei sich? Prüfen ihre Gedanken, ihr Leben, hinterfragen ihre Motive?

Es ist erbärmlich, die Schuld für ein privates Versagen bei anderen zu suchen. Und es ist so schrecklich einfach, dass man meinte, es fiele sogar dummen Menschen auf.

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Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle
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insgesamt 115 Beiträge
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1.
benmartin70 07.03.2014
Zitat von sysopDemokratie ist, wenn jeder so ziemlich alles sagen kann. Aber muss das auch immer sein? Was bringt gutsituierte, weiße, heterosexuelle Menschen wie Sibylle Lewitscharoff dazu, über Dinge zu schwafeln, die sie nicht betreffen? Statusangst, Gedankenfaulheit? http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-lewitscharoff-sybille-bergs-gedanken-zur-skandalrede-a-957412.html
Ich bin nicht oft einer Meinung mit Frau Berg aber diesesmal passt es!
2. So ist es
polylog 07.03.2014
So ist es...so böse, so kleinlich, so unschön....und so wahr, wie es Sibylle Berg auf den Punkt bringt
3. Prima
zursachet 07.03.2014
Zitat von sysopDemokratie ist, wenn jeder so ziemlich alles sagen kann. Aber muss das auch immer sein? Was bringt gutsituierte, weiße, heterosexuelle Menschen wie Sibylle Lewitscharoff dazu, über Dinge zu schwafeln, die sie nicht betreffen? Statusangst, Gedankenfaulheit? http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-lewitscharoff-sybille-bergs-gedanken-zur-skandalrede-a-957412.html
Wirklich Klasse Frau Berg! Dem ist Nichts hinzuzufügen.
4. Die Frage wäre doch ...
realist4 07.03.2014
was bringt seriöse Medien dazu, solchen Stuß zu verbreiten? Kein normaler Mensch kennt diese Dame, also warum diese Aufmerksamkeit?
5. Wer ist dass?...
nachdenklichh10 07.03.2014
...dieser alte Mann mit der Netzer Frisur?
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